Duell der Befreiten statt Not gegen Elend

Von: Marc Basten
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Es gibt wieder was zu lachen als Borusse: Mahmoud Dahoud (links) und Patrick Herrmann. Foto: sport/Schueler/Eibner-Pressefoto

Mönchengladbach. Noch vor einer Woche überkam den geneigten Fußballfreund beim Blick in Richtung der Bundesligapartie zwischen dem VfB Stuttgart und Borussia Mönchengladbach (Samstag, 15.30 Uhr) das Grauen. „Not gegen Elend“, die beiden punktlosen Krisenklubs der Liga spielen gegeneinander. Seit Mittwoch hat sich die Betrachtungsweise deutlich geändert.

Beide Teams fuhren während der englischen Woche ihren ersten Saisonsieg ein und treffen nun im „Duell der Befreiten“ aufeinander. Neues Selbstvertrauen hüben und drüben, dazu eine gewisse Unberechenbarkeit, die von der Gladbacher Borussia ausgeht. Es dürfte ein qualitativ hochwertiges Kellerderby werden.

Der plötzliche Abgang von Lucien Favre war ein Schock für die Borussen, deren Krisenmanagement jedoch auch in dieser Ausnahmesituation funktionierte. Nachdem sich die Verantwortlichen, allen voran Sportdirektor Max Eberl, einmal kräftig geschüttelt hatten, ging es weiter. Und wie. Unter dem als Interimstrainer berufenen U 23-Coach André Schubert gelang der Fohlenelf beim 4:2 gegen Augsburg eine regelrechte Wiederauferstehung.

Während unter Favre die kon-trollierte Offensive Programm war, ließ Schubert das Team ein aggressives Pressing spielen. Mit durchschlagendem Erfolg. Damit griff er auf ein Stilmittel zurück, das seit dieser Saison beim VfB Stuttgart als das Maß aller Dinge gilt.

Unter Neu-Trainer Alexander Zorniger riefen die Schwaben die totale Offensive aus und boten teilweise fulminanten Fußball. Mit zwei entscheidenden Schönheitsfehlern: Sie vergaben zuhauf selbst die klarsten Möglichkeiten und ließen sich in der Abwehr mehrfach übertölpeln. So gingen sie, bis zum Mittwoch in Hannover, jedes Mal mit fliegenden Fahnen unter.

Stuttgart will weiter an diesem aggressiv-offensiven Stil festhalten, während die Gladbacher diese Variante gerade für sich zu entdecken beginnen. „Unsere Qualitäten liegen in der Offensive“, sagt André Schubert mit Nachdruck. Gleichwohl weiß er, dass bedingungsloses Pressing nicht der Weisheit letzter Schluss ist.

„Es geht um den Rhythmus des Spiels, den wollen wir bestimmen“, erklärt Schubert. „Auch in Stuttgart. Wir werden nicht in jedem Spiel über 90 Minuten voll vorne drauf gehen.“ Auch aus der anderen – bisher gewohnten – Ausrichtung sei das Team in der Lage, Tore zu erzielen.

Die richtige Mischung

Für den Übergangstrainer geht es darum, mit seinem Team die richtige Mischung zwischen dem besonnenen Favre-Fußball und dem zügellosen Attackieren zu finden. „Es ist ein Prozess“, weiß Schubert. „Die Mannschaft hat das gegen Augsburg schon sehr konzentriert gemacht, und daran wollen wir anknüpfen. Gleichwohl gibt es eine ganze Reihe von Punkten, die noch deutlich zu verbessern sind.“

„Stuttgart wird uns alles abverlangen, wir müssen läuferisch und körperlich an die Grenzen gehen“, sagt der 44-Jährige. Das ist angesichts einiger Spieler, die aus einer Verletzungspause kommen (Herrmann, Dominguez, Johnson), und der vielen Partien im Dreitages-Rhythmus nicht ganz unproblematisch. Die Belastungssteuerung wird noch wichtiger als bisher. So ist sich Schubert auch noch nicht sicher, ob er die gleiche Startelf wie am Mittwoch aufbieten wird.

Verzichten muss Schubert definitiv auf Martin Stranzl (Augenhöhlenbruch) und Tony Jantschke (Unterschenkelprellung), Josip Drmic (Infekt) ist fraglich.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Korb, Christensen, Dominguez, Wendt - Dahoud, Xhaka - Herrmann, Johnson - Raffael, Stindl

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