Dieter Hecking verkündet sein Credo: „Arbeit!“

Von: Bernd Schneiders
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Dieter Hecking ist zufrieden damit, endlich wieder auf dem Trainingsplatz zu stehen. Foto: imago/Horstmüller
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Borussias Sportdirektor Max Eberl ist offensichtlich zufrieden mit seiner Verpflichtung. Foto: imago/Horstmüller

Mönchengladbach. Eine gute Vorbereitung ist wichtig. Im Fußball, für den Start in Teil 2 der Bundesligasaison, der früher eine Rückrunde war. Aber auch für mediale Auftritte bei einer Trainervorstellung. Max Eberl und Dieter Hecking haben das professionell gehandhabt.

Auf den Mönchengladbacher Sportdirektor wartete dabei rein phonetisch die größere Herausforderung, die er aber mit Bravour, und – einfach mal unterstellt – mit ganz viel Probieren meisterte. „Timothée Kolodziejczak – den Namen auszusprechen, könnt Ihr schon mal üben“, forderte der Borussen-Manager die anwesenden Journalisten feixend auf. „In Sevilla hat man ihn lieber Kolo genannt.“

Der 25-jährige französische Innenverteidiger bestand am Mittwoch den Medizincheck und erhielt einen Vertrag bis 2021. Damit ist die Lücke, die Alvaro Domínguez hinterließ, geschlossen. Die Ablösesumme wird auf sieben Millionen Euro geschätzt.

Eberls Antrittsgeschenk

Ein Antrittsgeschenk für Hecking, der seinerseits seine Heimpremiere als Trainer von Borussia Mönchengladbach perfekt aufführte. Barack Obama wäre hellhörig geworden bei den Worten des Mannes aus Castrop-Rauxel: „Ja, ich kann Erfolg! Ja, ich kann eine Mannschaft nach oben führen.Ja, ich kann mit jungen Spielern!“

Und den 52-jährigen Nachfolger von André Schubert pushen auch noch hohe Ziele. „Wir müssen erst mal die Bundesliga annehmen“, sagte Hecking. „Aber ich kenne Max Eberls blechernen Traum. Und aus eigener Erfahrung weiß ich: Der Pokal ist der schnellste Weg, einen Titel zu holen, solange die Bayern da sind.“

Der nüchterne Visionär: Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass die Liaison zwischen Borussia und Hecking ein „Match“ sein könnte. „Er passt sehr gut zu Borussia“, betont auch Max Eberl. Und der erfolgreich Umworbene bekennt: „Es hat ein paar Vereine gegeben, die mich interessiert haben. Gladbach war einer davon.“ Seine Vergangenheit als Spieler beim Traditionsklub ist knapp bemessen (1983 bis 1985, 6 Bundesligaspiele). Dennoch kamen ihm bei der Einfahrt in die Stadt Erinnerungen hoch. „Ich habe meiner Frau das Hotel gezeigt, in dem ich die ersten Wochen gewohnt habe.“

Die zweite Episode aber soll anders werden. „Als Spieler ist mir das damals nicht gelungen, aber jetzt soll die Nachhaltigkeit größer werden und dafür sorgen, dass man auch später noch an Hecking denkt.“ Wie das geschehen soll, ist dem erfahrenen Fußballlehrer recht klar. Auch wenn er vorsichtshalber betonte, es solle keiner erwarten, dass er ad hoc ein Patentrezept präsentieren könne.

„Borussia Mönchengladbach steht für Einheit, Gemeinsamkeit – und das müssen wir als Mannschaft vorleben.“ Da schwingen offensichtlich auch noch frische negative Erfahrungen von seinem letzten Arbeitsplatz mit. Die Wochen seit seiner Entlassung beim anderen VfL im Oktober ermöglichten Hecking, Abstand zu gewinnen und sich zu erholen.

„Aber nur den Garten zu pflegen und mit den Hunden spazieren zu gehen“, reichte dem passionierten Trainer auf Dauer nicht. „Zumal ich gestehen muss, auch nicht der perfekte Mann für die Haushaltshilfe zu sein.“ Speziell den lange geplanten Weihnachtsurlaub in Norwegen genoss der 52-Jährige. „12 Tage meiner Frau zur Verfügung gestanden“, beschrieb Hecking seine letzte Auszeit und bedankte sich überschwänglich, dass selbst die Medien diese Idylle nicht mit Anrufen gestört hätten.

Die Mannschaft lernte er erst am Mittwoch kennen. Infosholte er zuvor bereits bei Lars Stindl ein. Den Gladbach-Kapitän kennt er ein wenig, weil Stindl lange bei Heckings Ex-Klub Hannover gespielt hat. Den „Halb-Stürmer“ wird das Credo seines Trainers wenig überraschen: „Borussia hat sich alles selbst erarbeitet. Und das ist auch, was mich als Ur-Westfale geformt hat: Arbeit!“ Riecht nach Schweiß.

Und passt zu seinem Ansatz: „Grundvoraussetzung ist immer die Arbeit gegen den Ball.“ So soll es klappen mit der Realisierung der vermeintlich einst zu bescheidenen Eberl‘schen Zielsetzung: „Einstelliger Tabellenplatz.“ Doch noch in der nächsten Saison international dabeizusein, eine Illusion also? „Wenn das passiert, haben wir richtig was zu feiern“, sagte Hecking.

Aber vielleicht ist ein guter Mittelfeldplatz und keine Sensation wie unter Schubert mit der Champions-League-Qualifikation gesünder und – nachhaltiger. Auch, was den Trainer betrifft.

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