Die Krise droht, und Favre fehlt der Mut

Von: Heribert Förster
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„Hey Jungs, wir spielen jetzt mal ein anderes System!“ Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre wird‘s aber nicht wagen. Foto: sport/Joachim Sielski

Mönchengladbach/Aachen. Sorgen macht sich Lucien Favre nicht, „das wird funktionieren“. Sagt Mönchengladbachs Trainer, der heute gegen den FC Augsburg sein Mittelfeld wegen der Gelbsperren für Granit Xhaka und Christoph Kramer neu ordnen muss.

Fragen und Antworten zur seit nun schon acht Spielen sieglosen Elf vom Niederrhein.

Steckt die Borussia in einer Krise?

Wer’s dramatisch mag, sagt: Ja! Wer den Blick ein wenig realistischer auf die Liga wirft, sagt: Nein. Jedoch mit dem dezenten Hinweis: noch nicht. Gelingt nicht bald ein Sieg, wird es rund um den Borussia-Park in der Tat richtig ungemütlich. Noch ist das Gefüge intakt, noch ist das Murren der Fans nicht wirklich groß, noch hat der Boulevard nicht wirklich die Messer gewetzt.

Aber liegt die Borussia nicht eigentlich im Soll?

Klar, ein einstelliger Tabellenplatz war und ist das Saisonziel, offiziell und öffentlich verkündet. Klar ist jedoch auch: Wer nach der Hinrunde auf einem Platz liegt, der für die Teilnahme an der Champions League berechtigt, wird nicht mit Rang acht oder neun am Ende zufrieden sein. Ganz egal, was er Fans und Medien verkauft.

Platz drei nach der Hinrunde, aktuell, sechs Spieltage später, Rang sieben. Was sind die Gründe für den tabellarischen Absturz?

Spiele, die die Borussia in der Hinrunde auch mit ein wenig Glück gewonnen hat (wie zum Beispiel gegen Dortmund, Nürnberg, Freiburg), hat sie in der Rückrunde bislang nicht siegreich gestalten können. Paradox: In Bremen, gegen Hoffenheim und in Braunschweig spielte die Borussia nicht so gut wie gegen Dortmund, Nürnberg, Freiburg, war aber dem Sieg jeweils näher.

Was stimmt in der Mannschaft nicht?

Wahrscheinlich haben sich nach der furiosen Hinrunde auch einige Spieler ein bisschen blenden lassen und gedacht, es geht so weiter. Aber wenn drei, vier Spieler nur 98 statt 100 Prozent geben, gerät das Erfolgsgebilde ins Wanken. Borussia ist nicht Bayern München, wo es auch mal im Sparflammen-Modus gut geht.

Und wo stimmt es in der Mannschaft nicht?

Speziell im Mittelfeld, dem Herzstück eines jeden Teams. Christoph Kramer und Granit Xhaka haben bei allem Eifer und Bemühen in keiner Rückrunden-Partie ihre starke Form der Hinrunde abrufen können und kaum einmal richtig Zugriff auf die Partie gehabt. Individuelle Patzer in der Abwehr (Stranzl, ter Stegen) und Formkrisen in der Offensive (Kruse) runden das Bild ab.

Welches Zeichen könnte Lucien Favre setzen?

Dem Trainer fehlt der Mut, einmal ein Zeichen zu setzen. Es ist ja durchaus nachvollziehbar und lobenswert, dass der Fußball-Lehrer seinen Spielern lange das Vertrauen schenkt. Doch der Fußball bezieht seinen Reiz ja oft aus irrationalem Handeln. Das ist aber nun mal rein gar nichts für den Schweizer Grübler. Mal mit einer Aufstellung überraschen, mal zur Halbzeit reagieren und einen Wechsel vornehmen, das steht nicht in Favres Plänen.Dabei würde er mit einer solchen Aktion ja nicht seine Philosophie komplett über den Haufen werfen.

Gegen Augsburg muss er heute reagieren, Kramer und Xhaxa fehlen wegen ihrer Gelb-Sperren. Wen zaubert Favre aus dem Hut?

Niemanden. Neben Havard Nordtveit dürften Lukas Rupp oder Thorben Marx ins Mittelfeld rücken. Juan Arango könnte wieder für Branimir Hrgota in der Startelf stehen, Peniel Mlapa bleibt nur die Jokerrolle. Alles andere würde überraschen.

Welche Aufstellung wäre denn einmal eine Überraschung?

Mal ein neues System ausprobieren, ein 4-1-4-1 statt des klassischen 4-2-3-1. Mal Mlapa bringen oder Amin Younes, einfach einmal ein Zeichen setzen, den letzten Kick herauskitzeln, der zuletzt zu oft nicht zu spüren war.

Wie wichtig wäre es, die Ergebniskrise gegen Augsburg zu beenden?

Sehr wichtig! Wird die Sieglos-Serie auf neun Spiele verlängert, wird’s ungemütlich.

Und dann ist die Krise da?

Ja.

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