DFB-Viertelfinale: Bei Traoré und Raffael versagen die Nerven

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Die Borussia verpasst gegen Drittligist Arminia das DFB-Halbfinale mit 4:5.

Bielefeld. „Der Wahnsinn geht weiter“, schrie Bielefelds Stadionsprecher, als gerade Ibrahima Traoré im Elfmeterschießen die Chance zum Ausgleich vergeben hatte. 5:4 im Shootout gewann der Drittligist gegen die zuletzt in der Bundesliga so stark auftrumpfende Mönchengladbacher Borussia und steht sensationell im Halbfinale.

Ein Erfolg, der überraschenderweise nicht unter die Rubrik glücklich, sondern verdient fällt. Mönchengladbach fehlte an diesem Abend die Zielstrebigkeit.

Zugegeben, makellos ist die Spielfläche des Drittligisten nicht. Die Rasenfläche ist übersät mit graslosen Inseln. Durchaus möglich, dass Trainer Norbert Meier wirklich in den letzten Tagen darauf hat trainieren lassen, um Stolper- und Kombinierfallen zu säen. Aber es gibt schlimmere Arbeitsflächen in der Dritten Liga. Und es ist legitim für einen unterklassigen Klub im Duell mit einem erstklassigen Kontrahenten, die Waffenungleichheit durch derlei Vorteile zu reduzieren.

Womöglich war die Entscheidung, André Hahn in der Spitze für Raffael auflaufen zu lassen, auch gesteuert von den sub-optimalen Bedingungen. Der schnelle Stürmer ist wahrscheinlich Gladbachs Offensivspieler mit dem niedrigsten Technik-Level und damit auch bei der Verrichtung seiner Arbeit am wenigsten sensibel für die Holprigkeiten der ramponierten „Alm“. Aber natürlich bringt der ehemalige Augsburger auch den Grell und die Körperlichkeit mit, die im Pokal grundlegend sind.

Arminia setzt Ausrufezeichen

Doch erstmal demonstrierte der Drittligist, dass er, wie Favre – offenbar ungehört – geurteilt hatte, auch gut kombinieren kann. Während der Gast dachte, die Verbindungen zwischen den Mannschaftsteilen etwas lockerer und lässiger handhaben zu dürfen, setzte Arminia gleich zwei Ausrufezeichen. Nachdem Christoph Hemlein Gladbach-Keeper Yann Sommer aus der Distanz geprüft hatte, spielten sich Dennis Mast und Sebsatian Schuppan durch die wenig erstklassig reagierende Borussen-Abwehr, den Schuss von Tom Schütz lenkte Roel Brouwers in letzter Sekunde über die Latte (22.).

Kein Zufall, nur fünf Minuten später düpierte der Außenseiter erneut den Champions-League-Anwärter, Manuel Junglas nutzte eine wunderbare Rückgabe von Mast mit einem satten Schusss zur Bielefelder Führung (27.). Der Gast hatte außer Ballbesitz nur wenig zu bieten. Lediglich Thorgan Hazard beschwor mit einem Diagonalschuss Torgefahr herauf, doch Bielefelds Keeper Alexander Schwolow lenkte den Ball mit Mühe über die Querstange (31.). Für die Effektivität des Erstligisten sorgte dann Bielefeld selbst: Christian Müller bekam bei einem Flankenversuch von Max Kruse den Ball an den Arm, Schiedsrichter Wolfgang Stark pfiff Strafstoß. Die „Alm“ brodelte, denn wenige Minuten zuvor hatte Stark eine ähnliche Szene von Brouwers für nicht ahndungswürdig gehalten. Die ostwestfälische Fanseele kochte, doch Poker-Experte Kruse blieb eiskalt und verwandelte sicher zum 1:1 (32.).

Die Partie änderte sich grundlegend auch nach der Pause nicht. Gladbach dominierte ohne Durchschlagskraft, auch wenn Kruse zulegte, aber Patrick Herrmann und Hahn blieben blass. Bielefeld verteidigte aufopferungsvoll, aber für den entscheidenden Konter ging immer mehr die Kraft verloren. Der für Hahn eingewechselte Raffael unterhielt zumindest mit einem gekonnten Solo (83.), ein Brouwers-Kopfball tropfte auf die Latte (85.) – aber die Verlängerung war schon lange logisch.

Auch die zunehmende Müdigkeit der Bielefelder, die in Krämpfen, Auswechslungen und Gladbacher Chancen mündeten. Doch Raffael verfehlte knapp aus spitzem Winkel (97.), und der Schuss des eingewechselten Ibrahima Traoré sauste knapp am Pfosten vorbei (103.). Aber auch auf dem Zahnfleisch kann man gefährlich sein, was Fabian Klos bewies. Doch sein Kopfball verpasste das Gladbacher Tor um Zentimeter (114.).

Somit konnte man nicht mal sagen, dass sich der Drittligist ins Elfmeterschießen rettete. Klos legte vor, Raffael versagten die Nerven, der Brasilianer verfehlte deutlich. Doch Yann Sommer bügelte für ihn aus, als er den Lorenz-Schuss parierte. Doch dann versagten auch bei Traoré die Nerven – und Bielefeld durfte jubeln.

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