Rottach-Egern - Der Balleroberer: Kramer überzeugt im Mittelfeld

Der Balleroberer: Kramer überzeugt im Mittelfeld

Von: Marc Basten
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Christoph Kramer kommt aus der 2. Liga und ist zudem ein defensiver Mittelfeldspieler.

Rottach-Egern. Wenn von den Neuverpflichtungen von Borussia Mönchengladbach die Rede ist, fallen unweigerlich die Namen Max Kruse und Raffael. Beides gestandene Bundesligaspieler, ja fast schon „Stars“. Der dritte Sommerneuzugang läuft dagegen in der öffentlichen Betrachtung so nebenher.

Sein Name, Christoph Kramer, klingt wenig spektakulär, er kommt aus der 2. Liga und ist zudem ein defensiver Mittelfeldspieler. Eine Position also, auf der man als Fußballprofi nicht so schnell zum Liebling der Massen avanciert. Außerdem neigt der 1,90 Meter-Schlaks, den Gladbachs Sportdirektor Max Eberl vom VfL Bochum in den Borussia-Park geholt hat, nicht dazu, sich in den Vordergrund zu drängen.

„Ich habe noch kein Erstligaspiel“, sagt der 22-Jährige. „Da muss ich mich nicht präsentieren, indem ich hier viel erzähle. Es zählt das, was ich auf dem Platz zeige.“ Und das, was er in diesen ersten Wochen der Vorbereitung in Mönchengladbach und im Trainingslager in Rottach-Egern am Tegernsee zeigt, lässt die Beobachter aufmerken. Christoph Kramer bringt genau das rüber, was er selbst als seine Stärken bezeichnet. „Ich bin laufstark, gut im defensiven Zweikampf und ein bisschen kicken kann ich auch.“

Vor allem die zahlreichen Ballgewinne in den direkten Duellen führen dazu, dass ihn der eine oder andere Betrachter durchaus berechtigt „Kramer der Eroberer“ nennt. Die Bissigkeit in den sehr sauber geführten Zweikämpfen und die gute Spielfortsetzung nach der Ballbemächtigung lassen den Schluss zu, dass Borussia einen guten Griff getan hat.

„Ich habe ihn schon seit der Jugend beobachtet, als er noch bei Fortuna Düsseldorf war“, erzählt Max Eberl. Kramer wechselte damals zurück zu Bayer Leverkusen, wo er auch heute noch unter Vertrag steht. Leverkusen lieh Kramer 2011 für zwei Jahre nach Bochum aus und jetzt für weitere zwei Spielzeiten an die Gladbacher Borussia. „Leverkusen wollte die Transferrechte nicht abgeben“, sagt Kramer. „Sie werden sich was dabei denken.“ Natürlich ist es für ihn nicht ganz einfach, zum zweiten Mal nur auf Leihbasis neu durchzustarten. „Ein wenig komisch ist das schon“, gibt Kramer zu. „Aber es belastet mich nicht wirklich.“

Für Max Eberl und die Borussia ist die Ausleihe ein akzeptables Modell. „Wir bekommen für einen überschaubaren finanziellen Aufwand einen talentierten Spieler für eine Position, auf der wir nach dem Abgang von Tolga Cigerci handeln mussten“, so Eberl. „Wenn Christoph einschlägt, was wir uns alle wünschen, werden wir in zwei Jahren weitersehen.“

Die ersten Ansätze einer vielversprechenden Entwicklung werden tatsächlich deutlich, auch wenn das intensive Training selbst für den laufstarken Christoph Kramer eine echte Belastungsprobe ist. „Es ist schon sehr hart, vor allem trainieren wir auch oft sehr lange.“ Und in den Spielformen wird er weitaus mehr gefordert als noch in Bochum. „Der Unterschied im Tempo zwischen 1. und 2. Liga ist enorm“, hat Kramer festgestellt.

Und weil er einen besonnenen Eindruck macht und sich offensichtlich selbst ganz gut einschätzen kann, lässt er die üblichen Fragen nach Saisonzielen oder Stammplatzansprüchen an sich abprallen. „Mit einer gewissen Bescheidenheit bin ich bisher immer gut gefahren, und so werde ich es auch beibehalten.“

Worte, die jeder Trainer der Welt gerne hört, zumal Christoph Kramer in seinem Auftreten auf und neben dem Platz den Eindruck manifestiert, dass dies keine hohlen Phrasen sind. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass Borussias Trainer Lucien Favre seinen Schützling nach dem verlorenen Testspiel in Ingolstadt ausdrücklich lobte, während dieser selbst sich gar nicht so gut gesehen haben wollte.

Die Vorzeichen, dass Borussia Mönchengladbach mit Christoph Kramer einen richtig guten Fang gemacht hat, sind jedenfalls so schlecht nicht. „Ich backe erstmal kleine Brötchen“, sagt Kramer. „Und dann schauen wir mal, was dabei herauskommt.“

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