Mönchengladbach - Denis Zakaria auf langen Beinen zum „besonderen“ Fußballprofi

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Denis Zakaria auf langen Beinen zum „besonderen“ Fußballprofi

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Gut gelaunt: Denis Zakaria ist in Gladbach rundum glücklich. Foto: Horstmüller

Mönchengladbach. Viel Zeit hat er eigentlich nicht – er muss seine neue Wohnung einrichten. Denis Zakaria hat‘s eben mit der Geschwindigkeit. Aber da Borussia Mönchengladbachs Mittelfeldspieler nicht nur stets ein Lächeln zeigt, sondern auch hinter einer vermeintlichen Fassade nett, gut gelaunt und höflich ist, nimmt er sich Zeit.

Sechs Bundesliga-Monate sind für den 21-Jährigen verflogen, aus dem als Perspektivspieler geholten Schweizer ist ein Stammspieler geworden. „Ich kann es immer noch nicht so recht glauben. Das ging alles so schnell. Ich bin sehr glücklich darüber“, ist Zakaria auch selbst über seine Blitz-Entwicklung verblüfft.

Der Name seines ehemaligen Berner Klubs steht für die Idee von Sportdirektor Max Eberl, die hinter diesem 11-Millionen-Euro-Transfer steht – und für die Borussia bereit ist, für die Klubverhältnisse viel Geld zu investieren: Young Boys. Der kometenhafte Aufstieg des in Genf geborenen Athleten beweist, dass dieser Weg der richtige ist, einstige Skeptiker sind längst verstummt. Denn jedem ist klar: Dieser junge Mann ist ein Glücksgriff, aber kein Zufallsprodukt, sein sportlicher Mehrwert zahlt sich bereits aus, und auch der finanzielle wird sich im geeigneten Moment ergeben.

Der Sonntag wird für Denis Zakaria ein besonderer Tag werden. Nicht, weil er dann die Verschönerungsarbeiten an seinem neuen Zuhause abgeschlossen hat. Morgen gehte_SSRqs es zum 1. FC Köln – im Hinspiel (1:0) feierte der damals noch 20-Jährige sein Bundesligadebüt. „Das war super“, erinnert er sich bestens. Nie war die so inflationär benutzte Beschreibung besser angebracht als beim Derby am ersten Spieltag im Borussia-Park. Der Debütant brachte es auf der Sechser-Position auf eine unfassbare Passquote von 100 Prozent.

„Zahlen interessieren mich nicht. Ich will mich immer verbessern“, sagt Zakaria. Das wird schwierig morgen in Müngersdorf. Doch zum Aufsteiger der Hinrunde würde es passen, wenn er auch das schafft. 105 Prozent aber hören sich beim Romand, dem französisch sprechenden Schweizer, so an: „Ich will mich immer verbessern.“ Der Ehrgeiz und die Spielfreude sind in der DNA des hochgewachsenen Jungprofis, dessen Vater aus dem Kongo und die Mutter aus dem Sudan stammt.

Und genau dort, in seiner DNA, liegt auch sein größter Schatz. Den entdeckt man schon beim ersten Spiel, in dem man den Schweizer beobachtet. Schnell wird klar, warum die nur auf den ersten Blick so vage Beschreibung Eberls bezeichnend ist: „Er ist besonders!“

Das Wort kennt Zakaria noch nicht, er erweitert immer noch seinen deutschen Wortschatz. Aber „special“ bringt ihn auf den Weg. Er weiß, dass es um sein Zwei-, Drei- oder gar Vierkampfverhalten geht. Der Neu-Borusse stürzt sich mit seinen 1,91 Meter und 80 Kilo in jedes Getümmel, der Ballverlust scheint unvermeidbar – und plötzlich löst sich der Modellathlet mit dem Ball am Fuß aus dem Gedränge. „Ich bin sehr aggressiv“, nähert sich Zakaria seinem wertvollsten Werkzeug, um dann dessen Namen zu verraten: „Ich habe lange Beine.“

Stocherweltmeister

Er ist ein Stocherweltmeister, eine Qualität, die nicht erlernbar und auch nicht reproduzierbar ist. Als ideale Zweikampftechnik wird sie nie in die Fußballlehrbücher eingehen, die neue sich taktisch so versiert gebende Trainergeneration wird sie niemals vermitteln wollen und auch nicht können. Dieses Alleinstellungsmerkmal, diese „Besonderheit“ entspringt seinem Instinkt. Und fast ist man froh, dass Pragmatiker Dieter Hecking inzwischen das sportliche Sagen rund um den Borussia-Park hat und nicht mehr Lucien Favre, der mit seiner Detailversessenheit die Fußstellung und Schrittfolge des Mittelfeldspielers wohl so verbessert hätte, dass der positive Kern verloren gegangen wäre.

So aber delektiert sich das sonst so kritische Publikum der Gladbacher an der Körperlichkeit des 21-Jährigen. Seit Jahren ist Denis Zakaria der erste Profi, der Beifall auf offener Szene erhält. „Natürlich bekomme ich das unten im Stadion mit. Das ist wie Doping, da möchte man sich direkt in den nächsten Zweikampf stürzen.“

Davon wird es morgen beim Tabellenletzten genug geben. „Ich bin bereit“, sagt der Schweizer. Die Atmosphäre beim Derby hat er bereits kennengelernt, von der im Kölner Stadion hat er gehört. „Ich liebe das, ich brauche das – um noch besser zu sein.“

Da sieht man englische Scouts schon sabbernd auf der Tribüne sitzen. Mit seiner Art ist Zakaria perfekt für den körperbetonten Inselfußball geeignet. Seinen Traum, einmal für einen größeren Klub zu spielen, verhehlt der Bundesliga-Frischling nicht. Ohne Erfolgsleiter ist kein Supertalent mehr unterwegs. Den Begriff Sprosse kennt Zakaria nicht, und so muss er nicht schwadronieren: „Ich denke von Sprosse zu Sprosse.“

Er sagt: „Ich bin total fokussiert auf Borussia. Gladbach ist für mich der perfekte Verein. Hier kann ich mich verbessern. Das zeigen die Beispiele Dahoud und Xhaka.“ Mitunter sind Vereins- und persönliche Ziele deckungsgleich. „Ich will mit Borussia nach Europa. Wir wollen zeigen, dass wir ein Klub für Europa sind.“ Morgen ab 15.30 Uhr ist die nächste Gelegenheit, das zu beweisen.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Elvedi, Ginter, Vestergaard, Wendt - Hazard, Zakaria, Kramer, Grifo - Stindl, Raffael

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