Das Grübeln über Schuberts Zukunft: Auch gegen Juve erfolgreich?

Von: Daniel Theweleit
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Auch in Schwarz ziemlich glücklich: Gladbachs Trainer André Schubert muss in der Champions League auf seinen froschgrünen Kapuzenpullover verzichten. Foto: sport/Insidefoto

Mönchengladbach. In den vergangenen Tagen ist an verschiedenen Stellen die sogenannte Schubert-Tabelle veröffentlicht worden, ein Bundesligatableau, das nur die Zeit ab dem sechsten Spieltag berücksichtigt. Da bestritt André Schubert seine erstes Spiel als Interimstrainer von Borussia Mönchengladbach, seit Samstag steht der 44-Jährige nun mit seinem Klub auf Platz eins dieses Rankings.

Vor dem FC Bayern München. Das ist bemerkenswert, so langsam sind die Taten des Trainers derart imponierend, dass ihm zugetraut werden kann, auch in der Champions League vom letzten Tabellenplatz bis ins Achtelfinale zu schweben. Ein Sieg gegen Juventus Turin am Dienstagabend (20.45 Uhr) wäre da außerordentlich hilfreich.

Und dennoch ranken sich eine Menge Fragen um Schubert und seine Zukunft. Die Mönchengladbacher Klubführung um Max Eberl grübelt immer noch, ob der Erfolgstrainer einen langfristig gültigen Vertrag angeboten bekommt. „Wir werden eine gute Entscheidung fällen“, sagt der Sportdirektor, „wir sind erfolgreich, das ist eine gute Konstellation, das ist eine klare Konstellation, wir wissen alle, was wir wollen“. Mehr verrät er nicht. Und das ist auch klug so, denn in Wahrheit steckt Eberl trotz beeindruckender Erfolge in einer extrem komplizierten Situation.

Natürlich liefern die Siegesserie und die guten Leistungen überzeugende Argumente für Schubert, auch die Spieler haben sich nach dem jüngsten Sieg in Berlin wieder für den Interimscoach stark gemacht. Noch weiß aber niemand, wie dieser Trainer sich verhält, wenn mal nicht alle glücklich sind. Wenn die Stimmung schlechter wird, wenn Spieler ihre Form verlieren und Krisenherde gelöscht werden müssen. Auch Eberl kann das nur erahnen. Er kann beobachten, Gespräche führen und in die Vergangenheit blicken.

Probleme auf St. Pauli

Und da ist der Trainer bisher nicht als geschickter Moderator schwieriger Situationen aufgefallen. Beim FC St. Pauli stand Schubert im Frühjahr 2012 vor der Entlassung, obwohl der Klub um den Aufstieg spielte. Nicht wegen der sportlichen Situation, sondern weil ihm Schwächen im menschlichen Umgang nachgesagt wurden. Er durfte dann doch bleiben, verpasste den Sprung in die Bundesliga nur knapp, wurde jedoch nach einem Stotterstart in die darauffolgende Saison entlassen.

Schubert sei ein großartiger Fachmann, aber ihm fehle „die erforderliche Empathie“ für eine Führungsposition in einem komplexen Gebilde wie einem Profiklub, heißt es auf St. Pauli. Und in der Öffentlichkeit agiert er auch nicht immer geschickt, das wird ihm sogar in Gladbach vorgeworfen. Die Behauptung, dass er seinen vorübergehenden Aufstieg „nicht persönlich als irgendeine Chance“ betrachte, hat ihm noch nie jemand abgenommen, eine Zeitung bezeichnet diese Aussage gar als „unaufrichtig“.

Er sei „geduldiger geworden“ sagt er selbst wenn er auf seine Probleme der Vergangenheit angesprochen wird, und der Fehler, St. Pauli grundlegend umbauen zu wollen, ohne die Menschen mitzunehmen, wird ihm kein zweites Mal passieren. Aber ein neuer Mensch ist Schubert natürlich nicht. Seine Interviews und Pressekonferenzen sind nach wie vor weder besonders unterhaltsam noch gewährt er einen echten Einblick in seine Arbeit.

Sich geschickt darzustellen, ist nicht die wichtigste Fähigkeit eines Fußballtrainers, gefährlich wird es allerdings, wenn sich auch die Mannschaft irgendwann langweilt, sobald ihr Chef das Wort erhebt. Schubert ist nämlich kein Entertainer, wie Jürgen Klopp, er ist kein Mann, der permanent über die tiefsten Geheimnisse des Spiels nachdenkt wie Thomas Tuchel oder Pep Guardiola, und ein Menschenfänger wie so viele Spitzentrainer ist er auch nicht. Was qualifiziert ihn also, einen der Jobs bei einem Team mit seriösen Champions-League-Ambitionen zu übernehmen?

Egal wie Eberl entscheidet, er geht ein Risiko ein. Wenn er sich für einen anderen Trainer entscheidet, würde die ersten schwierige Phase auch ihn selbst beschädigen. Hält er an Schubert fest, verpasst er möglicherweise die Chance, Markus Weinzierl, nach Gladbach zu holen. Kein Wunder, dass Eberl sich so lange Zeit lässt.

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