Aachen/Mönchengladbach - Das erfolgreiche Favre‘sche Geduldsspiel

Das erfolgreiche Favre‘sche Geduldsspiel

Von: Heribert Förster
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„Hallo, ich bleibe noch ein Jahr“: Borussias Publikumsliebling Roel Brouwers, immer zuverlässig und manchmal auch Kapitän. Foto: sport/Eibner

Aachen/Mönchengladbach. „Samstags gehört Vati mir“, hat der Deutsche Gewerkschaftsbund Mitte der 1950er-Jahre mal plakativ formuliert, im Kampf um eine Fünf-Tage-Woche für die Arbeitnehmer. Ein paar Jahre später dann gehörte der Samstag meist den Vatis – wg: Fußball-Bundesliga.

Und das ist bis heute so geblieben. Immer noch gilt: samstags, 15.30 Uhr – bis auf Weiteres ist das die klassische Anstoßzeit in der Liga. In der kommenden Saison vielleicht auch wieder für Borussia Mönchengladbach, die in dem noch laufenden Spieljahr satte 15 Mal an dem speziell von den Fans ungeliebten Sonntag ran musste – Folgen der Europa-League-Teilnahme.

Als Mitspieler in der Königsklasse ist der Samstag in der Regel der Termin – und für die Borussia ist es nach dem verdienten 2:1-Sieg bei Hertha BSC keineswegs nur ein Traum. Doch mehr als die prima Leistung der Mannschaft rückte die Zukunft eines Spielers in den Fokus. Geklärt scheint alles, verkündet ist nichts. Es wird jedoch nicht mehr lange dauern, bis der momentan so stark agierende Max Kruse, 27, seinen Wechsel zum VfL Wolfsburg verkünden dürfte. Dass der passionierte Pokerspieler ein anderes Vereins-Ass aus dem Ärmel zieht, scheint so unwahrscheinlich wie ein Verbleib in Mönchengladbach. „Wir sollten da langsam eine Lösung finden“, kündigt der Stürmer zeitnah die Verkündung an, nach der Borussia zwölf Millionen Euro in die Kasse gespült werden. Ein satter Betrag, mit dem die Borussia gute Alternativen verpflichten sollte. Zumal sportlich nicht viele andere Klubs solch feine Perspektiven bieten können.

Besser als gegen Kiew

Selbst wenn die direkte Teilnahme an der Champions League verpasst werden sollte und die Elf von Lucien Favre in die Qualifikation müsste: Im Vergleich zu den beiden Spielen im August 2012 gegen Dynamo Kiew ist die Borussia eine andere Mannschaft. Nicht nur personell. Gegen Kiew lautete beim 1:3 im Hinspiel die Anfangsformation: Ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Daems - Xhaka, Nordtveit - Ring, Arango - de Jong, de Camargo. Geduld war nicht die Stärke dieser Formation, inzwischen ist das von Favre gepredigte „Wir-müssen-Geduld-haben“ den Spielern in Fleisch und Blut übergegangen. In der Liga bewies die Borussia zuletzt viel Stehvermögen, schlug häufig in der letzten Viertelstunde zu. Ob Xhaka zum 1:0 gegen Köln (90.+1), Hrgota zum 1:1 in Hamburg (90.+2), Herrmann mit dem entscheidenden 2:0 gegen Hannover (75.), Raffael mit dem finalen 2:0 bei den Bayern (77.), Kruse gegen Wolfsburg zum 1:0 (90.) oder jetzt in Berlin Traoré mit dem Siegtreffer zum 2:1 (85.): Mit der Favre‘schen Geduld hat die Borussia in den Schlussphasen dieser Partien die Entscheidung zu ihren Gunsten herbeigeführt.

Gegen Leverkusen am Samstag (erst zum zehnten Mal in dieser Saison um 15.30 Uhr!) wird diese Tugend erneut gefordert sein, wie auch wieder der in Berlin stark aufspielende Roel Brouwers. Zumindest seine Zukunft ist geklärt: Der Niederländer bleibt ein weiteres Jahr bei der Borussia und kann im zarten Alter von 33 Jahren sein Pflichtspiel-Konto (derzeit 218 Auftritte) vielleicht erstmalig um Champions-League-Partien erweitern. „Roel ist die Zuverlässigkeit in Person. Er hat sich diese Vertragsverlängerung verdient“, sagt Sportdirektor Max Eberl.

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