Das Ende der Gladbacher Leidenszeit

Von: Christoph Pauli
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Patrick Herrmann und Oscar Wendt
Die Gladbacher Patrick Herrmann und Oscar Wendt feiern das Tor zum 3:0 von Hermann. Foto: Federico Gambarini/dpa
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Dickes Ding: Raffael trifft auch gegen den SC Freiburg. Foto: imago/siwe

Mönchengladbach. Als Letzter kam Patrick Herrmann vom Spielfeld. Mönchengladbachs lange verletzter Nationalspieler hatte nur etwa 154 Sekunden gespielt und war dennoch ein gefragter Mann, weil er für die finale Pointe dieses Spiels gesorgt hatte. Borussia hatte den SC Freiburg mit 3:0 besiegt, und Herrmann hatte die kurze Zeit auf dem Spielfeld für einen Treffer genutzt.

Streng genommen war sein Schuss, der wohl am Ziel vorbeigekullert wäre, von Aleksandar Ignjovski entscheidend abgefälscht worden. Aber die DFL war kein Spaßverderber und erkannte den 25-Jährigen als Torschützen bereitwillig an. Das kuriose Spiel hatte noch einen kleinen Helden bekommen. „Das tut einfach mal gut nach anderthalb Jahren, die für mich schlecht gelaufen sind“, ging Herrmann zufrieden nach Hause.

Dieses 3:0 war zwar auch nach Meinung der Sieger um ein paar Tore zu hoch ausgefallen, aber es schafft nach turbulenten Monaten erst einmal Ruhe rund um den Borussiapark. „Unsere taktische Disziplin war herausragend, wir geben wenig Räume her. Die Abläufe sehen schon nach kurzer Zeit gut aus“, sagte der neue Trainer Dieter Hecking, mit dem das Schlachtenglück zurückgekehrt ist. 70 zähe Minuten lang sah es keineswegs nach einem deutlichen Heimsieg aus. Chancen waren Mangelware. Fußballerisch war der frühreife Aufsteiger aus dem Breisgau überlegen.

Das Publikum murrte längst dezent, eine coole Mannschaft hätte das ignoriert. Aber Mönchengladbach ist trotz des gelungenen Starts ins neue Jahr noch keine stabile Gesellschaft. „Wir versuchen, die Tabelle auszublenden, aber das gelingt uns nicht immer“, sagt Tony Jantschke. „Wir sind immer noch mitten im Abstiegskampf.“ Und wenn der Geräuschpegel nach unnötigen Rückpässen anschwillt, versuchen sich Spieler plötzlich an ungewohnten Disziplinen. „Das würde der Jannik sonst nicht machen“, beobachtete Jantschke, wie sich der Kollege Innenverteidiger plötzlich im Dribbling versuchte, was erkennbar nicht zu seiner Kernkompetenz gehört.

Vestergaard wurde also der Ball an der Mittellinie von Nils Petersen entwendet, der Konter hätte die verdiente Gästeführung bringen können, wenn Vincenzo Grifo freistehend den Ball besser platziert hätte (51.). Vestergaard blieb ein Wackelkandidat, ein paar Minuten später war er viel zu langsam für Petersen, der knapp am Tor vorbeizielte (54.). Es war die beste Phase des Aufsteigers, der 8:3 nach Eckbällen führte und „begonnen hatte, besser Fußball zu spielen“, wie Trainer Christian Streich feststellte. „Aber wenn‘sch kei‘ Tor schießt, verlier‘sch so ein Spiel 0:3.“

Stindl fehlt in Bremen

Ein zu kurz geratener Abschlag seines weitgehend beschäftigungslosen Torwarts Alexander Schwolow landete über Fabian Johnson direkt bei Lars Stindl. Der Kapitän lief noch ein paar Meter, um dann aus 19 Metern präzise den Innenpfosten und das 1:0 anzusteuern (73.). Stindl hatte ein paar Minuten zuvor ebenso hingebungsvoll wie erfolglos einen Elfmeter nach einem Foul von Caglar Söyüncü eingefordert. Das 1:0 löste das taktische Korsett, aus Mönchengladbach wurde wieder eine Mannschaft, die ihre Klasse im Umkehrspiel demonstrierte.

Nach der schönsten Kombination des Tages legte Mahmoud Dahoud auf für Raffael, der mühelos zum 2:0 vollendete (78.). Wie schon eine Woche zuvor brachten Raffael und Stindl (sah seine 5. Gelbe Karte) ihre Mannschaft auf die Siegerstraße. Die Beiden sind durchaus glitschige Stürmer, weil sie einen großen Radius haben und sich immer zwischen den beiden Viererketten tummeln. Dann sorgte schließlich noch Patrick Herrmann für Festtagsstimmung im Borussiapark: Alle drei Schüsse auf das Tor waren Treffer.

„Das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass manches heute noch nicht geklappt hat“, fasste Hecking den Arbeitstag zusammen. Für Trainer sind solche Spiele dankbar. Der gute Trend – sieben Punkte aus drei Spielen – hält an, aber trotzdem lieferte die Partie ausreichend Ansatzpunkte. Das Spiel über die Außenbahnen klemmte meistens, die letzten Pässe wurden fast immer (zu) verschnörkelt auf die Reise geschickt, und Torabschlüsse waren eine Rarität. Aber die Mannschaft funktioniert, sie wehrt sich, war mehr als 120 Kilometer unterwegs. Sie hat gerade einen guten Lauf.

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