Mönchengladbach - Christoph Kramer: Wenn aus der Leih-Liaison was Festes wird

Christoph Kramer: Wenn aus der Leih-Liaison was Festes wird

Von: Christoph Classen
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Hat in Mönchengladbach seinen Platz gefunden, der natürlich möglichst selten auf der Bank sein soll: Christoph Kramer. Foto: dpa

Mönchengladbach. Für jemanden, der gerade noch sehr oft gesagt hatte, wie froh er sei, in Mönchengladbach zu sein, hatte es Christoph Kramer dann sehr eilig, von dort wieder wegzukommen. Es war nicht so, dass er zu seinem Auto sprintete, aber viel gefehlt hätte dazu nicht. Kramer musste schnell weg, um seinen Flug nicht zu verpassen. Kramer wollte jetzt Urlaub. Das Ziel? „Spanien“, sagte Kramer. Es ist ein vorübergehendes.

Kramers Zukunft liegt in Gladbach. Das sieht er so, das sieht sein Verein so. Deswegen waren sie ja an diesem Nachmittag überhaupt zusammengekommen. Kurz vor Kramers Urlaub wurde das offiziell gemacht, was seit Tagen in den Medien seine Runden dreht: Christoph Kramer, 25, Mittelfeldspieler, Fußball-Weltmeister mit Gedächtnislücken, hat einen Vertrag bei Borussia Mönchengladbach unterschrieben. Über fünf Jahre. Diesmal möchte er länger bleiben als beim ersten Mal.

Die Geschichte von Kramer in Mönchengladbach wurde bei seiner Präsentation im Borussia-Park erzählt wie die des verlorenen Sohnes, der nach Hause zurückgekehrt ist. Das hat seine Berechtigung. Kramer spielt zum zweiten Mal für den Verein, an den Bayer Leverkusen ihn von 2013 bis 2015 ausgeliehen hatte. Es lief gut. Für Gladbach. Für Kramer auch. Er sagte: „Ich habe mich hier wohl gefühlt, eine unfassbar tolle Zeit gehabt. Und als ich weg war, hat mir etwas gefehlt.“

In der letzten Saison war Kramer nach Leverkusen zurückgekehrt. Es lief so mittel. Für Leverkusen, weil Kramers Spielweise nicht so recht in das Konzept seines Trainers passte. Für Kramer, weil er nach einer schlechten Hin- zwar noch eine respektable Rückrunde spielte, was in der Bilanz aber eine durchwachsene Spielzeit ergab.

Wann letztlich die konkrete Anfrage kam, ob Kramer nicht zurückkommen wolle, daran konnte sich weder er noch Max Eberl, Gladbachs Sportdirektor, erinnern. Von Eberl ist zu erfahren, dass man nie aufgehört habe, miteinander zu sprechen und dass ein Jahr im Fußball keine besonders lange Zeit sei. Kramer nannte das Ganze einen „schleichenden Prozess“, bei dem der eine schon mal scherzhaft „Komm‘ doch zurück, haha“ und der andere „Ich komm‘ zurück, hihi“ gesagt habe. Was sich als zielführend herausstellte. Kramer sagte: „Und irgendwann wird dann aus Spaß Ernst – und dann sitzt man hier.“

Wobei sie in Mönchengladbach drauf bestehen werden, dass Kramer nicht nur sitzt, sondern auch steht, läuft und schreit. Es ist durchaus so gedacht, dass er die Lücke füllt, die Granit Xhaka nach seinem Abgang zu FC Arsenal hinterlassen hat. Eberl sagte: „Natürlich wird er die Position von Xhaka einnehmen, aber Xhaka nicht ersetzen. Jeder hat seine eigene Spielweise.“

Kramer selbst meldet den Anspruch an, als Führungsspieler wahrgenommen zu werden, einer, der die Jungen heranführt, einer, der die Mannschaft mitnimmt. Er könne das. „Ich bin nicht der größte Lautsprecher, aber ich mache das auf meine Art und Weise.“ Vor drei Jahren sei er „als Junge, der aus Bochum kam“, zu Mönchengladbach gestoßen, sagte Eberl. Jetzt komme Kramer als gestandener Nationalspieler.

Nicht gegen, sondern für etwas

Als einer, dessen Vertrag in Leverkusen noch bis 2019 lief und der dazu sagte: „Ich war gerne Spieler dort und habe dort gerne trainiert. Es war eine ganz klare Entscheidung für Borussia und nicht gegen irgendwas.“ Dann machte Kramer eine lange Pause bevor er hinzufügte: „Also: ehrlich jetzt.“

Alle Fußballromantik mal beiseite, ist die Geschichte von Kramers Rückkehr auch die von Mönchengladbach, einem Verein, der es sich mittlerweile leistet, einen jungen Nationalspieler aus einem laufenden Vertrag herauszukaufen. Günstig war das eher nicht. Eberl sagte: „Wir waren finanziell in der Lage, Leverkusen ansatzweise zu befriedigen.“ Natürlich bestätigt niemand Zahlen, aber mit 15 Millionen Euro plus Bonuszahlungen für fünf Jahre wäre Kramer der bislang teuerste Einkauf in der Klubgeschichte der Mönchengladbacher. Kramer nannte sein Gehalt „ein Zeichen der Wertschätzung“.

Auch eines vom Bundestrainer zu bekommen, damit hatte Kramer nach dieser Saison nicht wirklich gerechnet. Mit Blick auf die Europameisterschaft sagte er: „Ich bin in erster Linie jetzt nicht mehr Deutschland-Spieler, sondern Deutschland-Fan.“ Einer, der nichts dagegen gehabt hätte, wenn sein Flug nach Frankreich statt nach Spanien gegangen wäre.

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