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Christoph Kramer backt keine kleinen Brötchen mehr

Von: Marc Basten
Letzte Aktualisierung:
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Der Dauerläufer und sein Partner: Christoph Kramer (links) versteht sich nicht nur auf dem Platz bestens mit Granit Xhaka.

Belek. Als Christoph Kramer im letzten Sommer zu Borussia Mönchengladbach wechselte, war er für viele Beobachter eine unbekannte Größe. Ein Mittelfeldspieler, der Bayer Leverkusen gehört, aber zum VfL Bochum in die Niederungen der Zweiten Liga ausgeliehen wurde und auf Leihbasis nach Mönchengladbach kommt.

Kein Lebenslauf, der die Fans in Ekstase versetzte. Zumal die Borussia gerade mit dem Brasilianer Raffael und Nationalspieler Max Kruse zwei echte „Stars“ an den Niederrhein gelockt hatte.

In deren Windschatten heuerte der 22-Jährige im Borussia-Park an. Während Raffael und Kruse überall präsent waren, lief Kramer irgendwie so nebenher. Doch anstatt sich über die zurückhaltende öffentliche Wahrnehmung zu grämen, gefiel sich Kramer in der Rolle des bescheidenen Neuzugangs. „Ich backe erstmal kleine Brötchen“, sagte er im Sommer-Trainingslager am Tegernsee. „Und dann schauen wir mal, was dabei herauskommt.“

Im Winter-Trainingslager in Belek, wo sich Borussia Mönchengladbach aktuell auf die Rückrunde vorbereitet, darf man attestieren, dass aus den „kleinen Brötchen“ ein stattliches Backwerk geworden ist. Bei allen 18 Pflichtspielen wirkte Christoph Kramer mit, 17 Mal gehörte er zur Startelf. Mehr Stammspieler geht fast nicht.

„Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass es so gut laufen würde“, erzählt Christoph Kramer, während er nach dem Training entspannt durch die Sonne an der türkischen Riviera schlendert. „Im Kader zu stehen, einige Einsätze zu haben, davon bin ich ausgegangen. Doch dass ich von Beginn an direkt immer dabei war, kam auch für mich überraschend.“

In den ersten Partien startete er als zweiter „Sechser“ richtig durch, spielte sich als laufstarker „Marathon-Mann“ und mit seinem ersten Bundesliga-Tor am zweiten Spieltag gegen Hannover in den Vordergrund. „Es ist alles super gelaufen“, sagt er rückblickend.

Gelaufen ist Christoph Kramer, und zwar in jeder Partie über zwölf Kilometer. Kein anderer Spieler in der Bundesliga ist mehr unterwegs. Ihn jedoch auf einen Renner und Fußballarbeiter zu reduzieren, wäre nicht treffend. „Ich kann schon ein bisschen kicken“, sagt der Mittelfeldspieler in aller Bescheidenheit. Tatsächlich ist er fußballerisch und vom Spielverständnis her auf absolutem Top-Niveau.

Am Anfang wirkte der 1,90-Schlaks in seiner Spielweise noch etwas übermotiviert, wollte überall gleichzeitig sein. „Ich musste mich an die Mannschaft gewöhnen, an die Art, wie meine Kollegen spielen. Zu Beginn habe ich sicher etwas zu viel gewollt und bin auch dahin gelaufen, wo es wenig Sinn macht. Jetzt bin ich zwar genauso viel unterwegs, aber es sind andere Wege.“

Ohne Frage ist es ein Zeichen von Qualität, dass der gebürtige Solinger seine Spielweise so problemlos weiterentwickelt hat. Dass er den hohen läuferischen Aufwand auf Dauer möglicherweise nicht durchhalten könnte, ist für ihn kein Thema. „Wenn ich im Kraftraum etwas mache, bin ich nach einer gewissen Anzahl an Wiederholungen fertig, und nichts geht mehr. Aber Laufen kann ich ohne Ende, und nach den Spielen regeneriere ich sehr schnell.“

Dass nach seinem Turbostart in der Bundesliga nun möglicherweise ein Einbruch folgt, daran will er gar nicht denken. „Ich weiß, dass ich immer meine Basics abrufen kann, und ansonsten mache ich mir keinen Kopf über einen Leistungsknick. Man kann sich das auch herbeireden, und das brauche ich nicht.“

Stattdessen will er weiter seinen Weg gehen. „In dem halben Jahr unter Lucien Favre habe ich viel gelernt“, schwärmt er von seinem Trainer und der Detailarbeit, mit der Favre einen Spieler besser machen kann.

Schmackhaft bleiben

Zudem ist da das Zusammenspiel mit Nebenmann Granit Xhaka. „Das funktioniert wirklich gut“, sagt Kramer. „Ich verstehe mich mit Granit ausgezeichnet, auf dem Platz und außerhalb. Wir sind in unserem Spielstil unterschiedlich, ergänzen uns daher sehr gut.“

Die Brötchen, die Christoph Kramer künftig backen wird, sind nach dem überragenden ersten Halbjahr in der Bundesliga deutlich größer geworden. Und wenn sie weiter so schmackhaft bleiben, wird sich niemand beschweren.

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