Borussias Wendepunkt? Der Glaube ist zurück

Von: Andreas Morbach
Letzte Aktualisierung:
13916397.jpg
Höhenflug: Nach langer Zeit konnte Lars Stindl auch mal wieder in einem Auswärtsspiel jubeln. Foto: dpa

Leverkusen. Dieter Hecking hatte genau hingehört, als die Gladbacher Spieler über seinen Anteil am sonnabendlichen Erweckungserlebnis in der BayArena sprachen. Der neue Übungsleiter, seit Anfang Januar im Amt, kam nach dem ersten Auswärtssieg der in der Fremde zuvor lammfrommen Borussen erwartungsgemäß gut weg.

Zumal seine Mannschaft ein 0:2 zur Pause in ein 3:2 verwandelt hatte. „Er ist als Trainer lange dabei, hat positiv eingewirkt, uns in der Halbzeit den Glauben an uns zurückgegeben“, erzählte Angreifer Lars Stindl. Und Teamkollege Christoph Kramer ergänzte ganz allgemein: „Er hat an ein paar Schrauben gedreht, zudem sehr viel Erfahrung. Es ist angenehm mit ihm zu arbeiten“,

Der 52-jährige Hecking registrierte die Elogen aus den eigenen Reihen in Leverkusen mit einem feinen Lächeln, dann erklärte er in gespielt barschem Ton: „Die wollen nur zwei freie Tage haben – bekommen sie aber nicht.“ Am Sonntagmorgen um 10 Uhr war schon die nächste Übungseinheit angesetzt. Und mit dabei war das gute Gefühl, unter dem Bayer-Kreuz die womöglich entscheidende Kehrtwende in dieser bislang so zähflüssigen Saison hingelegt zu haben. „In der Zusammenarbeit zwischen neuem Trainer und Mannschaft ist so ein Sieg Gold wert“, betonte Hecking. Ähnlicher Ansicht war Oscar Wendt. „Das kann“, sinnierte Gladbachs schwedischer Linksverteidiger, „der Wendepunkt für uns gewesen sein.“

Noch aber traut der Chefübungsleiter dem schmackhaften Samstagsbraten nicht. Schließlich geriet seine Elf in der ersten Halbzeit durch zwei schlecht verteidigte Eckbälle, bei denen einmal Jonathan Tah und einmal die zuletzt lange defekte Tormaschine Chicharito profitierte, ins Hintertreffen. Zudem profitierte Gladbach davon, dass die Leverkusener trotz des erfolgreichen Starts ins neue Jahr gegen Berlin von Beginn an seltsam unsicher und kompliziert agierten. „Viele denken jetzt, dass wir Freiburg am nächsten Samstag im Vorbeigehen schlagen. Aber es ist viel zu früh, alles rosarot zu sehen“, warnte Hecking – der einerseits den „sauberen Charakter“ der Gladbacher Profis lobte. Zugleich aber kritisierte: „Manchmal sind sie zu lieb.“

Diesen grundlegenden Bedenken des Trainers trat am Wochenende vor allem ein Mann entschlossen entgegen: Lars Stindl. Vom Anpfiff weg legte Gladbachs Kapitän eine Tatkraft an den Tag, als gelte es, den Weltuntergang abzuwenden. Auch ein schmerzhaftes Zusammentreffen mit Bayers rustikalem Chilenen Charles Aranguiz Mitte der ersten Hälfte, nach dem er erst mal an die Seitenauslinie humpelte, konnte Stindl nicht stoppen. Im Gegenteil: Mit zwei Treffern binnen sechs Minuten kurz nach Wiederbeginn krönte Borussias Energieriese seine bestechende Leistung, ehe Sturmpartner Raffael der Werkself 20 Minuten vor Schluss den entscheidenden Tiefschlag versetzte.

Der geplante Freudensprung auf den Zaun vor dem Gästeblock glückte dem Brasilianer weniger gut, Stindl war bei seiner Klettertour erfolgreicher. Auf dem Metallgestänge feierte er mit den Borussen-Fans – die ihre Genugtuung allerdings an den falschen Adressaten richteten. Fünf Minuten vor Spielende begannen sie mit ihren Schmähgesängen gegen den 1. FC Köln. Dabei genossen sie den frühen Samstagabend nicht in der Domstadt, sondern in Leverkusen.

Die ausgeprägte Antipathie gegen den Geißbockklub war also selbst bei dem unerwarteten Derbysieg präsent – nach dem Dieter Hecking bei aller Vorsicht vermutete: „So ein Spiel drehen zu können – das muss normalerweise die Brust lösen.“ Von Atembeschwerden definitiv befreit war schon in der BayArena Matchwinner Stindl. „Vor allem“, kommentierte der 28-Jährige danach, „haben wir verdient gewonnen. Trotzdem ist es noch ein weiter Weg für uns.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert