Borussias Kampf gegen die Überheblichkeit

Von: bsc
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Der Pusher: André Schubert setzt gegen Bern auf Borussias Heimstärke. Foto: Jan Hübner

Mönchengladbach. Michael Frey reckte nicht die Hände in die Höh, um ein 7:2 zu signalisieren. Das wäre eine nonverbale Warnung für die Kicker Borussia Mönchengladbach gewesen, das Play-off-Rückspiel der Champions League am Mittwoch zu Hause gegen die Young Boys Bern trotz des 3:1-Auswärtserfolgs nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Doch der Berner Kantersieg gegen den FC Lausanne-Sport in der Schweizer Super League dürfte André Schubert das Ermahnungsprogramm erleichtern, ähnlich wie das Rückspiel eine Runde zuvor, als YB gegen Donezk ein 0:2 aus dem Hinspiel noch mehr als wettmachte und sich für die zwei Partien gegen Borussia qualifizierte.

„Es wird keinen Spieler geben, der irgendetwas unterschätzen wird“, prophezeit denn auch Mönchengladbachs Trainer. Und einer, der sich in einem Blitzkurs zum Musterschüler emporgeschwungen hat, pflichtet bei. „Wir denken gar nicht an das Hinspiel. Am Mittwoch beginnt ein neues Spiel beim Stand von Null zu Null“, sagt Tobias Strobl. Das Rezept zur gewünschten 90-minütigen Amnesie: „Wir müssen einfach unsere beste Leistung zeigen und dürfen unsere gute Ausgangsposition nicht aus der Hand geben. Wir wollen zeigen, wer Chef im eigenen Haus ist und voll konzentriert sein. Dann gehen wir auch als Sieger vom Platz.“

Diese Einstellung beschreibt haargenau die Mentalitäts- und Spielauffassungswende der Nach-Favre-Ära. Zögerliches Abtasten und sich reinfinden über die Kombinationsmaschinerie im hinteren und neutralen Raum rund um den Anstoßkreis ist Schuberts Sache nicht. Der 45-Jährige hat gerade auch im Borussia-Park eine niederrheinische Variante der Münchner Mia-san-mia-Einstellung geprägt. Zur Freude der Zuschauer und auch seiner Spieler.

Taktieren, was angesichts des Hinspielergebnisses auch eine Variante sein könnte, passt nicht zur Schubertschen Fußball-Symphonie. Auch die Gäste werden sich nicht als retardierende Elemente in einem zu erwartenden unterhaltsamen Spiel erweisen. „Bern wird noch mal nach dem letzten Strohhalm greifen wollen und alles dafür tun, das Blatt noch zu wenden“, glaubt Kapitän Lars Stindl.

Dabei würde im Normalfall Guillaume Hoarau eine große Rolle spielen können. Doch der französische Torjäger musste beim Sieg gegen Lausanne verletzt ausgewechselt werden. „Ich weiß, dass er am Dienstag noch an Krücken gegangen ist, aber manchmal gibt es ja Wunderheilungen, deswegen bin ich, was seinen Ausfall angeht, noch skeptisch“, unkte André Schubert. Die medizinische Abteilung der Berner ist da weniger wundergläubig. Sie rechnet damit, dass Hoarau, der im Hinspiel den Gladbacher Abwehrspielern das Leben durchaus schwer gemacht hatte, mit seiner Oberschenkelverletzung rund acht Wochen ausfällt.

Schubert hat dagegen keine namhaften Ausfälle zu beklagen. Auch Torhüter Yann Sommer zwickt das gedehnte Band im Fußgelenk nicht mehr so arg wie vor dem Pokalspiel im hohen Norden. Und am Mittwoch erleben sogar die vom Borussen-Coach Verschmähten erstmals eine Lose-win-Situation: Sind sie gegen Bern nicht in der Startformation, steigen ihre Chancen, am Samstag zum Bundesliga-Auftakt im Spitzenspiel gegen Bayer Leverkusen zu den elf Auserwählten zu zählen.

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