Mönchengladbach - Borussias Kampf gegen die Maßlosigkeit

Borussias Kampf gegen die Maßlosigkeit

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Auf Schalke ist seine Kampfkraft wieder gefragt: Borussias Abwehrchef Martin Stranzl. Foto: sport/Schwörer

Mönchengladbach. Maßhalten werden heute nicht mehr viele Deutsche mit der Politik eines Ludwig Erhard verbinden, sondern eher für eine bayrische Wirtshaus-Sportart halten. Da trifft es sich, dass sich Borussia Mönchengladbach auf Schalke mit einem Gegner auseinandersetzen muss, der es einerseits mit dem Maßhalten im finanziellen Sinne nicht immer sonderlich ernst genommen hat.

Auf der anderen Seite verkörpert der Tabellendritte der Bundesliga eine Fußball-Größe, mit der sich die Elf vom Niederrhein zwar sportlich messen muss, aber fairerweise nicht an ihr gemessen werden kann. Eine exquisite Hinrunde ließ die Gladbacher in eine Region vorstoßen, in die sie (noch) nicht hingehören.

Das Auf und Ab der Rückrunde hat die europäischen Ambitionen auf die Europa League reduziert. Das Über-Maß Champions League aber wirkt noch nach. Der Kampf um Platz sieben wird öffentlich häufig mit einem „nur“ diskreditiert, Spielern und Trainer der „Abfall“ als Versagen angekreidet.

„Diese Nörgeleien, dieses respektlose Umgehen mit dem, was wir leisten, stört mich schon“, verschaffte deshalb Sportdirektor Max Eberl seinem Unmut Luft. „Diese fantastische Hinrunde hat Riesenerwartungen geschürt, die aber nicht automatisch alle umzusetzen sind. Dazu bedarf es einer unglaublichen Qualität, und die haben wir im Moment nicht.“

Nicht genügend Qualität? Da mag so manch kritischer Beobachter erst mal schlucken. Doch nüchtern betrachtet ist Gladbach vielleicht auf dem Weg zu den Top-Vereinen der Liga, aber auf Strecke ohne eine sensationelle Saison, die fast jeder Klub als Ausreißer in einer Spielzeit mal sein kann, nicht konkurrenzfähig. Per se sind Bayern, Dortmund, Schalke, Leverkusen und auch Wolfsburg überlegen.

Und auch unterhalb der Top-Fünf ist Mönchengladbach nicht zwangsläufig der Gruppenführer. Ein schönes Beispiel lieferte jüngst Besucher VfB Stuttgart. Die Bank der Schwaben war reichlich bestückt mit Spielern wie Ibisevic, Leitner, Cacau, Haggui und Maxim. Nun steht das Einwechsel-Kontingent der Gladbacher auch nicht gerade für Ramschware. Doch Younes & Co. stehen für Talent, Ergänzungsspieler. Derzeit besitzt der Tabellensechste keinen Spieler auf der Bank mit dem Qualitätssiegel: kann uns mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit besser machen, wenn er rein kommt.

Die Unzufriedenheit aber ist auch „hausgemacht“. Die häufige Dominanz, die Lucien Favre mit der Mannschaft entwickelt hat, führt zu dem Irrglauben, auch per se besser zu sein als der Gegner. Dieser Vorsprung aber betrifft nur die Spiel-Anlage. Der Kader muss, was die Qualität betrifft, noch zu diesem Niveau aufschließen. „Wenn man verliert, ist es phlegmatisch, gewinnst du, ist es gut gewesen“, beschreibt Eberl die Fragilität der Spielweise, die immer auch die gute, individuelle Form eines Ausnahmespielers benötigt, um erfolgreich zu sein. Das ist bei den Ballbesitz-Weltmeistern aus München so. Und das ist bei Borussia nicht anders.

Nicht unwichtig sind auch Spieler mit Naturschärfe. Die Zugänge Traoré und Hahn besitzen sie. Und morgen auf Schalke kann jemand sie aus dem hinteren Bereich wieder einbringen: Martin Stranzl könnte Roel Brouwers ersetzen.

Mögliche Aufstellung: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Daems - Nordtveit, Kramer - Herrmann, Arango - Raffael, Kruse

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