Borussias Ausrufezeichen mit zwei Nicht-Torchancen

Von: Bernd Schneiders
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Trainerattacke der angenehmen Art: André Schubert springt nach dem Sieg dem jubelnden Oscar Wendt in den Nacken. Foto: imago/Team 2

Mönchengladbach. Der Antrag an die DFL wird wohl in den kommenden Tagen folgen: „Das 1:0 war ein Missverständnis, das 2:1 abseits, beides waren keine Torchancen“, analysierte Roger Schmidt, um aus diesen Makeln das Urteil zu fällen: „Ein 1:1 wäre ein gerechtes Ergebnis gewesen.“

Es wird sich zeigen, ob die Deutsche Fußball Liga den Ausführungen des Leverkusener Trainers folgt und die zwei Treffer der Mönchengladbacher im Nachhinein annulliert oder zumindest zu einem Tor zusammenfasst. Bis dahin aber kann sich die Borussia vom Niederrhein über einen Superstart in die Saison freuen.

Eine Runde weiter im DFB-Pokal, die Qualifikation für die Champions League nebst spektakulärer Gruppengegner – und jetzt ein Ausrufezeichen in der Bundesliga: die selten so offen ambitionierten Leverkusener mit einem 2:1 niedergerungen. Man kann nachempfinden, dass Schmidts Kollege das Duell zwar auch auf Augenhöhe, den Sieg seiner Elf aber dennoch als verdient ansah.

André Schubert verkniff sich obendrein einen verbalen Konter, etwa mit der Nachfrage, ob denn der zwischenzeitliche Ausgleich von Bayer einer Chance entsprungen war oder mehr dem unglücklichen Abwehrversuch von Andreas Christensen, den Yann Sommer sensationell an die Latte lenkte, Karim Bellarabi zurück auf den eingewechselten Joel Pohajanpalo köpfte und dieser recht mühelos den Ball ins verlassene Tor nickte (79.). „Wir sind alle wahnsinnig glücklich“, beschied Schubert lieber friedlich gestimmt.

Ein derartig intensives Spiel in der Sauna Borussia-Park nach einem Rückschlag gut zehn Minuten vor Schluss noch in einen Sieg umzumünzen, lässt die Glückshormone tanzen. Ein Schwede gab zu, in seiner Heimat „öfter minus 35 als plus 35 Grad“ erlebt zu haben. Doch Oscar Wendt blieb selbst in der Sekunde des Schreckens kühl, wie er ungerührt berichtete.

Sorgen, womöglich nach dem 1:1 zwei Punkte verloren zu haben oder womöglich noch zu verlieren? „Nee – wir haben Spieler in der Mannschaft, die können aus nichts vier Tore machen“, sagte Wendt. Es genügte eins, aber das unterstrich die Stärken der Gladbacher. Schubert konnte sich den Luxus leisten, Thorgan Hazard 83 Minuten auf der Bank schmoren zu lassen. Dann explodierte der Belgier nach seiner Einwechslung, spielte einen Traumpass auf Lars Stindl, und der Kapitän schoss kaltblütig zum Siegtreffer ein (85.).

Der Stürmer, der am Freitag 28 wurde, stand beim Zuspiel mit der Fußspitze im Abseits, aber das war eher die Fernseh-Wirklichkeit, mit dem bloßen Auge kaum zu sehen, ähnlich wie die millimeterhafte Rest-Rotation des Balles bei einem Freistoß, den Christoph Kramer gedankenschnell vor der Pause ausführte. Jonathan Tah verlängerte per Kopf über seinen Abwehrkollegen Ömer Toprak, und diesmal schloss André Hahn entschlossen zum 1:0 ab (45.).

Ein Treffer mit Vorgeschichte: Hahn war zuvor nach einem Traumpass von Ibrahima Traoré „nicht zielstrebig genug“, wie er selbstkritisch anmerkte. Bernd Leno wehrte mit dem Kopf ab wie bereits zuvor gegen Wendt. Gladbach profitierte dennoch nicht nur beim 1:0 von der Wucht und Angriffslust des 26-Jährigen, der offen zugab, als Bankdrücker gegen YB Bern nicht amüsiert gewesen zu sein. „Da muss man nicht drumrumreden: Man freut sich für die Mannschaft. Aber wenn du siehst, wie die Stürmerkollegen ein ums andere Mal treffen, ist das schon schwer. “

Zum ersten Mal extrem schwer war es auch für die Borussen-Abwehr. Vor allem die linke Seite hatte Mühe mit dem Extrem-Pressing der Bayer-Elf. Wendt und Tony Jantschke reagierten mit Fehlpässen, beabsichtigt, wie Schubert feststellte. „Leverkusen spielt so schnell nach vorne, dass sie, wenn nicht den Pass, dann zumindest den zweiten Ball bekommen.“

Sein Sündenerlass: „Gegen Bayer ist es nicht möglich, alles zu unterbinden.“ Jantschke musste laut seinem Trainer zur Halbzeit angeschlagen in der Kabine bleiben, der eingewechselte Jannik Vestergaard machte es zumindest nicht schlechter, und Wendt steigerte sich. „Es war mehr Kampf als Fußball“, urteilte der Schwede.

Es muss beruhigend sein, auch auf diese Qualität zurückgreifen zu können. Dafür steht auch André Hahn, der keine Angst hat vor der Länderspielunterbrechung. „Die Sommerpause konnte uns auch nicht aufhalten.“ Bayer Leverkusen ebensowenig.

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