Borussia Mönchengladbach: Trotz schwacher Leistung ein 1:1

Von: Bernd Schneiders
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Unentschieden auch beim Frust: Stefan Bell (v.l., Mainz), Nico Elvedi und Matthias Ginter trotten vom Platz.

Mönchengladbach. Kaum jemand zweifelt daran, dass Dieter Hecking ein richtig guter Trainer für Borussia Mönchengladbach ist. Er besitzt einen guten Ruf und genießt rund um den Borussia-Park ein ausgezeichnetes Standing. Das schützt ihn weitestgehend vor personalisierten Analysen eines Nachmittags, der bei allen Beobachtern große Verwunderung auslöste.

Nun ist ein 1:1 gegen Mainz 05 sicherlich nichts Sensationelles oder Despektierliches. Doch die Vorstellung der Hecking-Elf gibt große Rätsel auf – die Sphinx vom Niederrhein. Das Remis war ein glückliches, und mit einer Leistung wie besonders in der ersten Halbzeit kann Borussia keinen Anspruch auf auch nur den Hauch eines Pünktchens stellen.

Wirr, unstrukturiert, uninspiriert, fehlerhaft in allen Belangen. Hätte der Trainer André Schubert geheißen, alle Interpretationen wären zu Lasten des ehemaligen Trainers ausgefallen nach dem Motto: Er bekommt es einfach nicht hin, einen mit guten Fußballern bestückten Kader endlich mit Kontinuität zu versehen. Das Auf und Ab von Stindl & Co. beschränkt sich erneut nicht einmal auf die Abfolge unterschiedlicher Spiele, sogar 90 Minuten spiegeln eine Zerissenheit wider, die kaum noch zu erklären ist. Und wenn doch, dann wirft es kein gutes Licht auf die Arbeit Heckings, die anders als unter Schubert ungestört und uneingeschränkt von Englischen Wochen ist.

Auch gegen Leverkusen verblüffte Gladbach mit einer in der zweiten Halbzeit desolaten Leistung. Diesmal wurde ein früher 45-Minuten-Blackout nicht mit einem 1:5 bestraft, war aber trotz einer Steigerung nach der Pause genauso erschreckend.

Nun könnte man sagen, ein so hoch und konsequent pressender Gegner wie Mainz ist halt schwierig zu bespielen. Doch was erwartet ein Bundesligist, der personell ausgerüstet ist, im oberen Drittel der Tabelle mitspielen zu können? Die 05er sind eine normale Fußballmannschaft, nicht Borussia Dortmund, nicht Bayer Leverkusen, nicht Bayern München und erst recht nicht der FC Barcelona. Warum also reicht ein frühzeitiges Attackieren und Stören beim Spielaufbau, das mittlerweile jeder Fußballlehrer sich in der Ausbildung an der Trainerakademie in Köln aneignet, Gladbach derart hilflos aussehen zu lassen?

Und das nach einem überzeugenden 3:1 in Hoffenheim. Doch von Selbstvertrauen war nichts zu sehen. Dabei hatte Hecking den Schwung und die vermeintlich erfolgversprechende Struktur aus dem Auswärtssieg in die Heimaufgabe mitnehmen wollen. Lediglich der verletzte Jonas Hofmann musste durch Raffael ersetzt werden, vor der Abwehr durfte erneut Matthias Ginter neben Denis Zakaria auflaufen, Nico Elvedi blieb in der Innenverteidigung, und Tony Jantschke gab den Rechtsverteidiger. Was dabei herauskam, war eine schlechte Staffellung, speziell durch Ginter und Zakaria.

Tempo und Genauigkeit fehlen

Drei Paraden von Yann Sommer belegten die Durchlässigkeit des Gladbacher Gebildes. Nach vorne fehlten mal wieder Tempo und Genauigkeit. „Wir waren gedanklich sehr langsam und haben es nicht verstanden, Kontrolle über das Spiel zu bekommen“, sagte Hecking. „Das hat schon ein bisschen nachdenklich gestimmt, weil das in dieser Form nicht zu erwarten war.“ Wohl wahr: Borussia hatte sich einmal durch schnelle Kombinationen mit jeweils möglichst nur einem Kontakt den nicht ganz ernst gemeinten Ruf eines „Klein-Barcelona“ erworben.

Am Samstag wirkte es so, als hätten die Spieler wie beim Handball ihre Schuhe geharzt – so zäh zirkulierte der Ball. Und die Geschwindigkeit auf den Flügeln, für die Gladbach vor Beginn der Saison gelobt wurde, ist mit einer Besetzung Vinzenco Grifo vorne links und Jantschke hinten rechts nur noch eine Illusion. Grifo, gegen Hoffenheim der auffälligtse Gladbacher, demonstrierte (zu) selten seine Schusskünste, offenbarte aber gemeinsam mit seinen Kollegen eine neue Borussia-Krankheit: Der finale Pass wird magnetartig einem Gegenspieler in die Füße gespielt. Kein Wunder also, dass nur der dänische Hüne Jannik Vestergaard dieses Manko mit seiner Kopfballkunst und -wucht ausglich (67.).

Die 1:0-Führung der Gäste durch einen Kopfball von Abdou-Lakhad Diallo (19.), ermöglicht durch einen kapitalen Fehler von Keeper Yann Sommer, war ein zu geringer Ausdruck der Mainzer Überlegenheit. Der Videobeweis schützte Borussia vor einer Erhöhung: Vor dem 2:0 durch Levin Öztunali hatte Suat Serdar Ginter gefoult (39.). Diese Technik hätte auch einen Plumpser von Jean-Philippe Gbamin als Stindl-Foul (21.) und ein Handspiel von Diallo (53.) im Mainzer Strafraum entlarven können. Beide Szenen blieben aber unkontrolliert.

Die zwischenzeitliche Kontrolle, wohl überwiegend herbeigeführt durch die Einwechslung von Christoph Kramer nach der Pause, verlor eine verbesserte Hecking-Elf wieder im letzten Drittel der Partie. „Ein Einsatz von Beginn an wäre zu früh gekommen“, rechtfertigte der Mittelfeldspieler die späte Korrektur seines Trainers. Mit all der Weisheit seiner 26 Jahre steuerte der ehemalige Nationalspieler noch mehr Entlastendes bei: „Du kannst vorab keinen einzigen Zähler in dieser Liga einplanen. Das 1:1 gegen starke Mainzer ist kein Beinbruch.“ Das 1:1 nicht, die Leistung dagegen wohl.

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