Borussia Mönchengladbach: Heißes Spiel mit kaltem Ende

Von: Bernd Schneiders
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Emotionale Randerscheinung: André Schubert (rechts) ist nicht mit Pep Guardiolas Karten-Forderung einverstanden. Foto: imago/Eibner

Mönchengladbach. Populisten haben Konjunktur. André Schubert zählt nicht dazu. Borussia Mönchengladbachs Trainer schaut nicht dem Publikum auf der Haupttribüne aufs Maul, sondern entscheidet nach fußballerischen Maßstäben – seinen, wie es ihm qua Amt zusteht.

Die müssen nicht immer richtig sein. Vorgestern aber waren sie es beim 1:1 im vorletzten Gruppenspiel der Champions League gegen Manchester City: In einer Partie, in der über etlichen seiner Profis das Damoklesschwert des Platzverweises schwebte, nahm sich der 45-Jährige heraus, Mo Dahoud in der 60. Minute für Jannik Vestergaard auszuwechseln.

Diesen Moment nutzten zahlreiche Zuschauer, ihre Antipathie gegenüber dem Gladbach-Coach auszuleben. Unwahrscheinlich, dass diese eine Übertragung der Schubertschen Gedankengänge per Stadionlautsprecher davon abgehalten hätte. Offensichtlich wollten sie nicht sehen, was zu sehen war: Borussias Mittelfeld-Talent war mit Gelb vorbelastet, sein Kollege und Kapitän Lars Stindl bereits mit Gelb-Rot vom Platz geflogen und die Mannschaft noch in Unterzahl – Manchesters Fernandinho wurde erst drei Minuten später Opfer der nervösen Hand von Schiedsrichter Cüneyt Cakir.

„Im zentralen Mittelfeld gab es viele Zweikämpfe“, rechtfertigte Schubert anschließend seine Maßnahme. Publikumsbeschimpfungen sind eh nicht sein Ding. Diese Coolness sitzt bei seinem Sportdirektor nicht so tief. „Das sind einfach dumme Menschen“, ereiferte sich Max Eberl, der schon seit geraumer Zeit eine in seinen Augen gefährliche Entwicklung hin zu anmaßenden Erwartungen sieht und kritisiert.

Dabei wäre selbst ohne die Gelbgefährdung eine Auswechslung, die auch eine Einwechslung war, gerechtfertigt gewesen. Dahoud, der in der ersten Halbzeit eine seiner stärksten Leistungen in dieser Saison gezeigt hatte, war für die nun zu erwartende Aufgabenstellung, für ein anderes Spiel, nicht mehr der richtige Mann. „Ich weiß nicht, was die Leute denken: Dass wir mit zehn Mann noch ManCity attattackieren sollen?“, ereiferte sich Eberl.

Die niedrige Reizschwelle eines großen Teil der Fans hat viel mit dem Trainer zu tun. Es ist fast schon Mode, etwas zu suchen und zu finden, was man Schubert ankreiden kann. Mal ist es die Dreierkette, auf die er gegen Manchester verzichtete, mal sind es Personalentscheidungen. Die Lage, in die sich Borussia durch die Talfahrt in der Bundesliga gebracht hat, ist komplex. Da ziehen viele vermeintlich einfache Erklärungen vor. Schubert bewies sich beim 1:1 als progressiver Auswechsler: agieren, bevor das Kind in den Brunnen fällt.

Sein Vorgänger war da konservativer und machte mit seinen Pseudo-Einwechslungen kurz vor Spielende einen guten Stürmer wie Luuk de Jong kaputt. Lucien Favre aber wurde das zugestanden. Vielleicht sollte sich Schubert auch einen französischen Akzent aneignen, um sympathischer rüberzukommen. Dabei kann der Fußballlehrer durchaus explodieren. Als der von ihm geschätzte Pep Guardiola nach einem Raffael-Handspiel eine zweite Gelbe Karte für Gladbachs Brasilianer forderte, kam es zum Wortduell mit dem ehemaligen Bayern-Coach. „Es war ein heißes Spiel. Kein Problem, das war schnell erledigt“, erklärte Schubert.

Bescheidener Lohn

Anders als die Vorbehalte der Öffentlichkeit ihm gegenüber. Zumindest aber die Mannschaft hätte an diesem Abend mehr Anerkennung verdient gehabt. Sie überzeugte spielerisch in der ersten Halbzeit, kämpferisch in der zweiten, überstand sogar prekäre Situationen wie die Unterzahl und fabrizierte diesmal trotz des 1:1-Rückschlags keine halben Eigentore. All das gegen eine Weltklassemannschaft.

Der Lohn ist die Qualifikation für die Europa League, der Lohn durch das Publikum fiel bescheidener aus: Als Raffael & Co. kontakt- und beifallsuchend das Stadionrund abschritten, waren die Ränge bereits fast leer. Es war ein milder Novemberabend. Diese Kälte ging nicht vom Wetter aus.

Rummenigge empfiehlt Boateng, wieder auf die Erde runterzukommen

An einem auch persönlich völlig missglückten Fußballabend musste Jérôme Boateng zudem noch einen erstaunlich harten Tadel seines Chefs einstecken. Karl-Heinz Rummenigge ermahnte den Profi nach dem 2:3 beim FK Rostow dazu, sich wieder mehr auf seinen Job beim FC Bayern zu konzentrieren. „Jérôme muss wieder ein bisschen mehr zur Ruhe kommen. Seit dem Sommer ist mir das ein bisschen zu viel“, sagte Rummenigge mit einem unausgesprochenen Verweis auf Boatengs Aktivitäten abseits des Platzes. „Es wäre im Sinne von ihm und dem ganzen Klub, wenn er ein bisschen back to earth runterkommt!“ Sprich: auf den Boden.

Boateng hatte in Russland einen rundum schlechten Tag erwischt. Zu allem Überfluss musste er mit einer Muskelverhärtung im Oberschenkel vorzeitig vom Platz, soll aber am Samstag wieder dabei sein. „Wir haben drei, vier Jahre so eine Situation nicht gehabt. Jetzt haben wir sie“, erklärte der Abwehrsspieler.

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