Borussia im Glück: Kein Fußball, aber drei Punkte

Von: Bernd Schneiders
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Glück für Torwart Yann Sommer: Der Treffer von Pablo de Blasis findet keine Anerkennung. Foto: imago/Huebner

Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach kann gut spielen und verlieren. Das wusste man. Seit Sonntag steht fest: Die Mannschaft von Trainer André Schubert kann auch schlecht spielen und gewinnen. Bis zur 76. Minute spielte Gladbach auch so, wie der Tabellenplatz 14 – zu diesem Zeitpunkt.

Und auch nach dem Tor, als Tabellenzwölfter, war die Leistung eher eines Abstiegskandidaten würdig. Gladbachs Tony Jantschke, einer der intelligentesten und taktisch versiertesten Profis der Borussia, beurteilte das gnadenlos. „Ich habe selten ein Spiel gespielt, das fußballerisch so schlecht war.“ Schubert versuchte das Ergebnis pragmatisch zu sehen. „Wir wollten das Spiel gewinnen, egal wie. Es stand nicht unter dem Aspekt, gut Fußball zu spielen.“ So kann nur ein Sieger sprechen.

Man muss nur lange genug zu Hause gut bis halbgut, aber erfolglos spielen, dann stellt sich die Verunsicherung von selbst ein. Gladbach ist soweit. Das zeigten bereits die ersten Minuten im Borussia-Park. Auf defensive Stabilität bedacht, nahm die Fehlerquote überproportional zu, je weiter man nach vorne kam.

War zuvor noch oft die Chancenverwertung das Problem, wurden jetzt erst gar keine Möglichkeiten herausgespielt. Allein Ansätze hatten die Schubert-Zöglinge zu bieten, doch die finden noch nicht einmal Eingang in Statistiken. Die Kombinationssicherheit scheint endgültig perdu zu sein, lange Bälle oder ungenaue Zuspiele haben die einstige Stärke der Gladbacher abgelöst.

Wesentlich näher an einem Treffer waren die Mainzer, die allerdings auch nicht unbedingt furchteinflößend auftraten. Doch ihre Leistung reichte, drei Mal durch Karim Onisiwo (21./35./39.) zumindest in die Nähe eines Torjubels zu kommen.

Ein Gladbacher Angriffswirbel war aber auch nicht zu erwarten, Schließlich hatte Schubert sich für eine Formation mit lediglich vier Offensivspielern entschieden. Und von denen waren etliche weit entfernt von einer normalen Form.

Selbst das an vielen Spieltagen so perfekt harmonierende Duo Raffael/Lars Stindl entzweite sich immer mehr im Laufe der 90 Minuten. Die Synchronisierung der beiden Routiniers funktionierte nicht. Der Brasilianer verhedderte sich bei seinen Sololäufen, der Kapitän schien emsig an einem Fehlpassrekord zu arbeiten. Da passte es, dass ein Abwehrspieler das erlösende, aber nicht befreiende Tor erzielte.

Nach einer Ecke streckte Andreas Christensen das Bein in einen abgefälschten Schuss von Stindl, der das Tor meilenweit verfehlt hätte – 1:0 für Gladbach.

Wer nun mehr Selbstvertrauen oder gar die Renaissance der Leichtigkeit auf Seiten der Gastgeber erwartete hatte, wurde enttäuscht: Lediglich das Glück und Schiedsrichter Robert Hartmann bewahrten Borussia vor dem nächsten Rückschlag.

Torhüter Yann Sommer ließ einen Schuss des eingewechselten Aaron Seydel prallen, reckte die Hand nach dem hinter ihm trudelnden Ball, den der ebenfalls eingewechselte Pablo de Blasis über die Linie bugsierte. Riesenjubel der Mainzer, der in kollektivem Entsetzen mündete: Hartmann entschied auf gefährliches Spiel und erkannte den Treffer nicht an (89.). „Eine schwierige Entscheidung“, gab Sommer zu. „Ich habe versucht, die Hand dranzukriegen und gespürt, dass er mich trifft.“

Martin Schmidt reagierte ungewöhnlich souverän bis preiswürdig. Er verweigerte das übliche Lamentieren und Schimpfen. „Seit Wochen wird nicht mehr über Fußball, sondern über die Entscheidung von Dritten geredet“, sprang der Mainzer Trainer nicht auf den emotionalen Zug seiner Spieler auf. Den Sieg etwas weniger glücklich zu machen, verpasste Mo Dahoud in der Nachspielzeit. Der Mittelfeldspieler spielte alleine vor dem Mainzer Tor einen Querpass so schlampig, dass er für den eingewechselten Nico Schulz unerreichbar war.

Ein abschließender Beweis für die spielerische Gladbacher Armut an diesem Tag.

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