Borussia: Hecking soll für Ruhe und Struktur sorgen

Von: Bernd Schneiders
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Der Neue auf Gladbachs Trainerbank: Dieter Hecking. Foto: imago/Jan Huebner
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Ein Abschied mit Wehmut: André Schubert muss nach 15 Monaten gehen. Foto: Team 2

Mönchengladbach. Beim 1:2 am Dienstagabend gegen den VfL Wolfsburg wurde noch einmal bewiesen, was nicht mehr bewiesen werden musste: André Schubert ist nicht der Trainer, der Borussia Mönchengladbach zurück auf den Erfolgsweg bringen kann. Die Entscheidung des Vereins am Tag danach überraschte deshalb auch niemanden mehr.

Auch nicht Schubert selbst, der in der Pressekonferenz nach der Niederlage hörbar mit seinen Emotionen kämpfte und bereits vorauseilend bekräftigte, wie toll der Klub und seine Mitarbeiter seien. Das war keineswegs ein verzweifelter und aussichtsloser Versuch, zumindest menschlich Punkte zu sammeln, sondern eher eine vorgezogene Abschiedsrede. Die wurde via Vereinsmitteilung nach der vollzogenen Entlassung fortgesetzt: „Ich bedanke mich für eine großartige Zeit mit tollen Menschen.“

Eine Bankrotterklärung

Natürlich bedankte sich auch sein nun ehemaliger Arbeitsgeber. „André hat uns in der vergangenen Saison großartig geholfen, als er die Mannschaft vom letzten Tabellenplatz auf Platz vier und über die Play-offs zu Beginn dieser Saison bis in die Champions League geführt hat.“ Dass diese sensationelle Wendung in einer strukturellen Bankrotterklärung enden könnte, hatte wohl nicht einmal Max Eberl erwartet.

Gladbachs Sportdirektor wartete fast überlang, bis er seinen U 23-Trainer mit einem Vertrag für die Profimannschaft ausstattete. Doch die nicht enden wollenden Erfolge ließen ihm irgendwann keine Wahl mehr. So lange zögert aber niemand, der überzeugt ist von einem Fußballlehrer. Die Skepsis sollte sich erst spät als begründet bestätigen. Und die überdimensionale Erfolgssträhne Schuberts zu Beginn seiner Schaffenszeit wird womöglich eines der letzten ungelösten Rätsel in der Welt des Fußballs bleiben.

Immer sichtbarere Defizite

Zu Fall brachte den 45-Jährigen das Unvermögen, in der Post-Favre-Ära der Mannschaft bei einer geänderten Spielweise einen geeigneten defensiven Rahmen zu verpassen. Die Hausse ging so lange gut, bis die offensive Wucht verebbte und peu à peu die strukturellen Defizite sichtbar wurden.

Dabei kündete bereits Schuberts Auftaktspiel von den nun folgenden Problemen: Augsburg wurde von entfesselten Gladbachern überrannt, doch nach der sensationellen 4:0-Führung offenbarten sich defensive Probleme, die noch zu zwei Gegentoren führten. Diese Diskrepanz nahm einen grundlegenden Konflikt vorweg, den Schubert in den folgenden 15 Monaten nicht zu lösen imstande war.

Daraus ergibt sich auch ein Profil für den Schubert-Nachfolger. Borussia braucht einen gestandenen Trainer, der in der Lage ist, einen gut bestückten Kader in eine wohlstrukturierte und organisierte Fußballmannschaft zu überführen, statt vor allem trefflich über vermeintlich modernen Fußball zu dozieren. Dieter Hecking, ehemaliger Coach des VfL Wolfsburg, 1. FC Nürnberg, von Hannover 96 und Alemannia Aachen, ist anerkanntermaßen ein Mann, der das beherrscht.

Zudem verkörpert er einen Typ, der Normalität und Solidität verspricht nach den Erfahrungen mit Fußball-Nerds wie Lucien Favre und Schubert. „Wir müssen zur Ruhe kommen und uns bestmöglich für die Rückrunde vorbereiten“, steckte Eberl die Aufgabe ab. „So, wie wir nach dem 1:1 gegen Wolfsburg gespielt haben, kann man in der Bundesliga nicht verteidigen.“

Deutlicher kann man Defizite nicht benennen. Und auch menschlich dürstet der Sportdirektor wie auch der komplette Verein danach, einen sportlichen Vorarbeiter zu engagieren, der weniger anstrengend ist als der detailversessene Schweizer und der Deutsche vom Typ Klassenbester. Hecking wird seine Energie nicht mit Dauernörgelei und Schreckgespenstmalereien vergeuden oder ständig mit Rückzug drohen.

Probleme und ihre Lösung

Der 52-Jährige wird daran arbeiten, Lösungen für Probleme zu suchen und nicht Probleme für Lösungen, weil er sich mit allen taktischen Wassern gewaschen wähnt. Schubert löste mit seiner Persönlichkeit kollektives Unbehagen aus, und das war ein Problem nicht nur für Journalisten, was zu vernachlässigen gewesen wäre. Er wirkte nicht authentisch, hatte Probleme, aufmerksam zuzuhören und adäquat auf Einwände oder Fragen einzugehen.

Keine guten Voraussetzungen für eine konstruktiv-kommunikative Arbeitsatmosphäre. Zudem überhöhte er die Wichtigkeit seiner fußballerischen Maßnahmen. Ein Wechsel von Dreier- auf Fünferkette ist mittlerweile Standard, darf keinen Profi überfordern. Doch diese Variabilität ist nicht dazu da, die taktischen Finessen des Trainers zu belegen, sondern defensiv und offensiv besser organisiert zu spielen.

Hecking stand nie im Verdacht, übermäßig eitel zu sein. Und er wird niemals unter dem Zwang stehen, einer Öffentlichkeit zeigen zu müssen, was für ein moderner und für alle Situationen gut ausgebildeter Trainer er ist.

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