Mainz - Anspruchsvolles Remis im fußballerischen Blitzschach

Anspruchsvolles Remis im fußballerischen Blitzschach

Von: Tobias Schächter
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Völlig dicht: Julian Korb, Marc-André ter Stegen und Tony Jantschke (v.l.) schließen die Tür für Maxim Choupo Moting (l.). Foto: sport/Thomas Frey

Mainz. In die „emotionale Fettverbrennung“ zu kommen, war als Zuschauer dieses anspruchsvollen 0:0 zwischen Mainz 05 und Borussia Mönchengladbach gar nicht so einfach. Vielleicht hat das auch Klaus Hafner bemerkt, der Stadionsprecher von Mainz 05, er unterließ seinen obligatorischen Fettverbrennungsappell diesmal. Es war ja auch wirklich schwierig und anstrengend für die 34.000 auf den Rängen, diesem intensiven Taktikseminar für Fortgeschrittene auf dem Rasen zu folgen.

Die Mainzer rannten, kämpften, grätschten und bissen sich mit bewundernswerter Leidenschaft als Kollektiv in wechselnden Systemformen in die Aufgabe, das fußballerische Blitzschach der Gladbacher zu unterbinden. Es passierte unheimlich viel und ständig – nur nicht in den Strafräumen der beiden Kontrahenten. Für Mainz war das okay, für Gladbach am Ende irgendwie auch, sie sind ja nicht doch noch in einen Konter der Mainzer gelaufen, zu aufmerksam waren auch sie in der Defensivarbeit. Zwar bedeutete dieses Remis für die Mannschaft vom Niederrhein den ersten Auftritt ohne Sieg nach zuvor sechs Erfolgen in Serie. Doch wer will, kann die gezeigte taktische Disziplin tatsächlich als Ausweis gewachsener Qualität bei der Borussia werten.

Auch Trainer Lucien Favre weinte nicht etwas hinterher, was an diesem Tag gegen diesen Gegner gar nicht zu erreichen war. „Es gibt solche engen Spiele in einer Saison, da muss man auch einmal mit einem Punkt zufrieden sein“, analysierte Favre. Außerdem findet der als Perfektionist bekannte Schweizer es ja eigentlich super, was seine Mannschaft bislang in dieser Runde so hingekriegt hat, er sagt es nur nicht so laut: „Wir haben 32 Punkte und spielen gut. So wollen wir weiter machen: Jede Woche Gas geben und schauen, was rauskommt.“

Derzeit ist Gladbach Vierter, punktgleich mit dem Dritten aus Dortmund und drei Punkte vor dem VfL Wolfsburg, der am kommenden Sonntag zum Vorrundenabschluss in den Borussia-Park kommt. Gefährdet ist da der Einsatz von Granit Xhaka, der sich den fünften Mittelhandknochen gebrochen hat.

Favre hat aus dieser Borussia ein Spitzenteam geformt, das bestreitet niemand mehr. Es kommt daher nicht besonders überraschend, dass Gladbachs Sportdirektor Max Eberl diesen Coach als „Glücksgriff“ bezeichnet. Und es überrascht auch niemand, dass Eberl in der Winterpause Gespräche mit Favre über eine Vertragsverlängerung seines im Juni 2015 auslaufenden Kontrakts führen will. Eine aufsehenerregende Meldung wäre aber wohl eher gewesen, wenn Eberl dies unterlassen würde.

Ohnehin gibt es in dieser Winterpause viel Gesprächsbedarf in Gladbach. Eberl versteht ja die Unzufriedenheit von Spielern wie den U 21-Nationalspielern Amin Younes oder Peniel Mlapa, die in Mainz nicht im Kader standen, oder die von dem bankdrückenden niederländischen Rekordeinkauf Luuk de Jong. Aber der Kader der Borussia sei nicht sehr groß und über Ausleihen oder gar Verkäufe müsse die Borussia genau nachdenken, sagt Gladbachs Sportdirektor.

Auch von Torwart Marc-André ter Stegen fordert Eberl in der Pause eine Entscheidung, der 21 Jahre junge Keeper, Vertrag beim VfL bis 2015, wird vom FC Barcelona umworben. Mit 50 Prozent beziffert Eberl die Chancen auf Verbleib. Ansonsten bleibt Eberl lieber gelassen. „Wenn ich mir über jedes Worst-Case-Szenario Gedanken machen würde, würde ich irgendwann nackt über die Autobahn laufen – und dann wär’s eh vorbei“, sagt er scherzhaft. Neue Ziele will Eberl auch nicht ausrufen. Hinter Wolfsburg, Leverkusen, Dortmund und Bayern sah er im Sommer seine Borussia mit Teams wie Hamburg, Stuttgart und Hannover auf Augenhöhe.

Zwar schauen die Gladbacher tabellarisch und spielerisch längst von oben auf diese Konkurrenz. Aber Eberl bleibt immer schön gelassen, nur nicht abheben.

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