André Schubert: Ein stiller Beobachter und gemäßigter Antreiber

Von: Marc Basten
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Anweisungen vom Favre-Nachfolger: André Schubert bereitet die Borussia auf die Rückrunde vor. Foto: Norbert Jansen/Fohlenfoto

Belek. Die Geschichte von André Schubert und Borussia Mönchengladbach ist wirklich nicht alltäglich, auch wenn sie eigentlich ganz normal begann. Nachdem Lucien Favre plötzlich und unerwartet Ende September letzten Jahres die Brocken hinschmiss, wurde mit Schubert der Coach der zweiten Mannschaft zum Interimstrainer befördert.

Es war klar definiert, dass der 44-Jährige diese Funktion so lange ausüben sollte, bis ein neuer Cheftrainer gefunden wird. Da Borussia nach einem Katastrophenstart in Bundesliga und Champions League ohne Punkte dastand und gleich mehrere Partien in Folge anstanden, blieb Schubert nicht viel Zeit. Er sprang von heute auf morgen ins kalte Wasser und musste sich freischwimmen.

Knapp zwei Monate nach seiner Amtsübernahme wurde André Schubert mit einem Vertrag als „echter“ Cheftrainer ausgestattet. Und jetzt, in der Vorbereitung auf die Rückrunde, kann er zumindest mal ein paar Tage mit der Mannschaft so arbeiten, wie es ihm vorschwebt. Im Trainingslager an der türkischen Riviera in Belek, wo die Gladbacher noch bis Donnerstag verweilen, konnte man erste Eindrücke gewinnen.

Nach viereinhalb Jahren unter Trainer Lucien Favre fallen die Unterschiede deutlich ins Auge. Favre war in seiner ganzen Arbeitsweise sehr pedantisch, selbst das „Hütchen aufstellen“ vor dem Training war eine Wissenschaft für sich. Seine Trainingseinheiten beinhalteten sehr komplexe und anspruchsvolle Übungen. Taktisches Verhalten und das „Einschleifen“ von Automatismen standen im Vordergrund.

Schon nach wenigen Einheiten unter André Schubert in Belek fällt auf, dass dieser konventioneller trainieren lässt als sein Vorgänger. Die Übungen sind weit weniger vertrackt, so als ob er die Spieler nicht unnötig überfrachten will. „Fangen spielen“ gehört genauso zum Repertoire wie die Simulation einfacher Abschlusssituationen. Bei Spielformen im Elf gegen Elf wird klar, dass Schubert an der bislang unter seiner Regie praktizierten Grundausrichtung festhält. Pressing, Gegenpressing und schnelles Umschalten will er sehen. Vertikales und schnörkelloses Spiel in die Spitze, alles muss zielführend sein. So lässt er auch trainieren.

Viel Lob ohne große Reden

Schubert wechselt während des Trainings zwischen der Rolle des stillen Beobachters und des gemäßigten Antreibers. Er lobt auffällig oft, und wenn er unterbricht, um etwas zu erklären, macht er dies sachlich und ruhig. Große Reden schwingt er auf dem Platz nicht, dennoch ist er eindeutig der Chef. Abseits der Arbeit auf dem Rasen ist er sehr kommunikativ, erklärt den Spielern, was er vorhat, und nimmt sie mit ins Boot, um sie für die gemeinsame Sache begeistern.

Das hat bislang gut geklappt, und daher gibt es für Schubert keinen Grund, von seiner Marschroute abzuweichen. Mit Beginn der Rückrunde muss Borussia nur noch in der Liga ran, und auf die Personalprobleme wurde durch die Verpflichtung von Jonas Hofmann (Offensivspieler aus Dortmund) und Martin Hinteregger (Innenverteidiger aus Salzburg) reagiert. Künftig wird es „normale“ Trainingswochen mit genügend Zeit für eine umfassende Vorbereitung inklusive Gegneranalyse geben. Erst dann wird sich zeigen, wie tiefgründig André Schubert arbeitet und ob seine Philosophie auch längerfristig funktioniert.

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