Mönchengladbach - Als Dahoud das Kämpfen lernte

Als Dahoud das Kämpfen lernte

Von: Bernd Schneiders
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Stocher-Qualitäten: Mönchengladbachs Talent Mo Dahoud (rechts) attackiert den Ingolstädter Alfredo Morales. Foto: imago/Jan Hübner

Mönchengladbach. Von allen 28 Spielern im Borussia-Park besaß Yann Sommer die beste Übersicht: Mönchengladbachs Schweizer Nationaltorhüter hätte eigentlich am Samstagnachmittag auch die Strahlen der Spätsommersonne genießen können, die im Bundesligaspiel gegen den FC Ingolstadt noch den Weg ins Stadion fanden.

Abgesehen von einer Schrecksekunde gleich in der ersten Minute , als Alfredo Morales vor ihm auftauchte, beanspruchten die so gefürchteten Gäste die Fang- und Abwehrkünste des 27-Jährigen kaum. Und so hatte Sommer die Zeit, sich fast ungestärt der Vorstellung seiner Kollegen zu widmen – genießen konnte man trotz des 2:0-Siegs nicht sagen, denn es war ja immer noch Ingolstadt, bekannt als Verhinderer um nicht zu sagen Zerstörer eines attraktiven Fußballspiels. „Wir haben einen kleinen Schritt nach vorne gezeigt, wie wir auch mit solch schwierigen Spielen umgehen müssen“, lautete das Fazit seines 92-minütigen Studiums.

Dieser Schritt gelang in den Augen des Nati-Goalies zur rechten Zeit. „Vielleicht war das ein kleiner Wegweiser, wo es hingeht.“ Vorerst einmal auf Platz vier. Und den Treibstoff für diesen Sprung bezog Borussia nicht unbedingt aus dem Fußballkunst-Reservoir. „Wir mussten lernen zu kämpfen.“

Dafür steht ein Gladbacher, der vorgestern eine erneute Chance in der Startelf der Gladbacher erhielt – und sie auch nutzte. Mo Dahoud scheinen die Gespräche mit Trainer André Schubert wieder in die richtige Spur gebracht zu haben. Über den Kampf kam der 20-jährige Ausnahmespieler auch wieder zu seinen Kreativqualitäten. Die Zuschauer im Borussia-Park erlebten ein Revival seiner Balleroberungsfähigkeiten, die der Mittelfeldspieler mit zunehmendem Selbstbewusstsein auch mit Kostproben aus der Abteilung Feinkunst garnierte. Die Kombination, die dem 1:0 durch Lars Stindl vorherging, leitete er ein (42.), das 2:0 bereitete er direkt mit einem klugen Pass auf Oscar Wendt vor (76.).

Sein Trainer mochte sich aber nicht zum Autoren eines Heldenepos locken lassen. Schubert blockte alle journalistischen Vorlagen ab. Der 45-Jährige weiß, wie schädlich solche Lobhudeleien für einen 20-Jährigen sein können. Und obendrein war die Leistung Dahouds nicht überragend, sie ist ausbaufähig, aber immerhin eine deutliche Steigerung gegenüber seinen jüngsten Darstellungen mit dem Signal: „Ich habe verstanden.“

Zugute kam dem Mittelfeldsspieler, dass Schubert den schnellen und defensivstarken Fabian Johnson neben André Hahn in die Spitze beordert und seinen Profis aufgefordert hatte, den aggressiven Angriffsblock der Ingolstädter mit langen Pässen zu überwinden. „Gegen das Pressing ist es halt schwer, ein geordnetes Aufbauspiel zu haben“, erklärte der Borussen-Coach. „Heute haben wir den Ball deutlich schneller gespielt als in Leipzig. Dadurch haben sich immer mal wieder Lücken ergeben und wir konnten kombinieren.“

Diese eigentliche, unter Schuberts Vorgänger Lucien Favre automatisierte Spielweise wurde – diesmal erfolgreich – dem Kampfstil untergeordnet.Ein Spektakel, dass Gladbach unter dem ehemaligen U 23-Trainer schon so oft zu Hause geliefert hat, ist damit ausgeschlossen. Die Punkte aber versüßen diese Stil-Abweichung bzw. -Erweiterung. „Wir haben es zweimal nicht geschafft, Ingolstadt fußballerisch zu bezwingen. Also mussten wir anders spielen“, rechtfertigte Sportdirektor Max Eberl diese Entscheidung. Und beschrieb noch mal drastisch die Schanzer- „Qualität“: „Gegen diesen Gegner war es ein perfektes Heimspiel. Sie können andere Mannschaften zwingen, ins Chaos zu gehen.“

Gladbach blieb in der Ordnung und ermöglichte damit das Lob ihres Fußballlehrers: „Die Mannschaft hat einen Reifeprozess gezeigt.“ Es werden aber sicherlich auch Aufgaben kommen, bei denen Borussia beweisen muss, dass die Kombinationsvermögen unter Schubert nicht zu sehr gelitten hat – wenn auch nicht gerade am Mittwoch in der Champions League gegen den FC Barcelona.

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