Als André Hahn die Celtic-Fans zum Schweigen brachte...

Von: Daniel Theweleit
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Auswärtsschwäche? Nie davon gehört! André Hahn nach seinem 2:0. Foto: dpa

Glasgow. Am liebsten schienen die Gladbacher das Paradies gar nicht mehr verlassen zu wollen. Die Ränge des legendären Celtic-Parks, der den Spitznamen „Paradise“ trägt, hatten sich längst geleert, als Trainer André Schubert und Sportdirektor Max Eberl immer noch am Spielfeldrand standen. Schweigend, den Moment aufsaugend.

Und drüben in der Ecke mit den Gästefans badeten die Spieler mit ihrem Anhang im Glück über ein ganz großes Fußballerlebnis. „Was die Atmosphäre betrifft, hat das alles übertroffen, was ich bisher erlebt habe“, sagte André Hahn etwas später, um nach einer kleinen Kunstpause zu verkünden: „Noch mehr Spaß“ habe er aber daran gehabt, „diese Fans zum Schweigen zu bringen“.

Kein Wunder, dass sie nach ihrem beeindruckenden 2:0-Sieg in der atemberaubenden Atmosphäre von Glasgow jeden kleinen Augenblick auskosten wollten. Borussia Mönchengladach hat mit dem ersten Champions League-Auswärtssieg überhaupt Klubgeschichte geschrieben, und sie konnten einen Haupthelden feiern: André Hahn. Der 26-Jährige hatte als Arbeiter, Kämpfer und als Teil einer bestens funktionierenden Mannschaft geglänzt. Vor allem jedoch hatte er mit seiner speziellen Spielweise den Schlüsselmoment der Partie erzeugt.

Kaum ein anderer Stürmer in der Champions Leauge hätte nach knapp einer Stunde den eher hoffnungslosen Versuch unternommen, Altmeister Kolo Touré zu überrumpeln. Der super erfahrene Innenverteidiger, der seinen Karriereherbst nach vielen Jahren beim FC Arsenal in Glasgow verbringt, wollte einen Ball abschirmen und ins Toraus laufen lassen.

So wie er es schon tausend Mal souverän gemacht hat. Doch Hahn schlängelte sich irgendwie dazwischen, grätschte den Ball zurück auf Lars Stindl, der zum 1:0 traf. „Ich mache das oft in diesen Situationen, heute bin ich gut um den Gegenspieler herumgekommen“, sagte Hahn, der mit diesem bemerkenswerten Akt des Willens sogar den zweiten Treffer vorbereitet hatte.

Touré erzählte nämlich später, dass er so „intensiv über seinen Fehler nachgedacht“ habe, dass ihm ein zweites folgenschweres Missgeschick unterlief: Diesmal vertändelte er den Ball gegen Stindl, den anschließenden Konter vollendete Hahn zum 2:0.

Die beiden Spieler, die am Samstag beim 0:0 gegen den HSV jeweils einen Elfmeter verschossen hatten, waren die Hauptprotagonisten der vielleicht größten Gladbacher Europapokalnacht seit Jahrzehnten geworden. Und Hahn durfte sich nicht nur wegen seiner wegweisenden Balleroberung als Anführer einer stolzen Bande wilder Ungeheuer feiern lassen.

Schubert, der Hahn gerne mal als „Mentalitätsmonster“ bezeichnet, hatte vor der Partie all seine Spieler aufgefordert, sich in Fußballwesen zu verwandeln, die auch überlegene Gegner durch Willenskraft und Körperlichkeit quälen können. Diesen Vorsatz haben sie großartig umgesetzt, wobei es einen weiteren zentralen Grund für den Erfolg gab: „Reif und ausgewogen“ habe das Team jenseits aller Kampfkraft agiert, sagte Schubert, trotz des vielen Testosterons, das im Celtic-Park ausgeschüttet worden war.

Besonders die zentrale Achse mit dem überragenden Innenverteidiger Jannik Vestergaard, den ebenso nervenstarken wie umsichtigen Mittelfeldstrategen Christoph Kramer und Tobias Strobl sowie den Tageshelden Stindl und Hahn davor, war brillant, „international haben wir Ruhe und Gelassenheit gelernt“, erklärte Eberl erfreut.

Endspiel in Barcelona?

Denn die Qualifikation für die Europa League ist plötzlich sehr realistisch, sogar vom Achtelfinaleinzug können sie wieder träumen, zumal der Spielplan ziemlich günstig erscheint. Erst kommt Celtic in den Borussia-Park, dann Manchester, und am Ende steht noch die Partie beim dann vielleicht schon als Gruppensieger feststehenden FC Barcelona an.

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