30 Minuten Leidenschaft werden belohnt

Von: Heribert Förster
Letzte Aktualisierung:
5052233.jpg
Hinein ins Glück: Gladbachs Amin Younes kann auch von der Dortmunder Übermacht nicht gebremst werden und erzielt den Ausgleich. Foto: imago/Moritz Müller

Mönchengladbach. Lange haben die Fans ihre Mönchengladbacher Borussia nicht mehr so kreativ erlebt, Torchancen wurden in Serie produziert, und auch beim Abschluss gab es nichts zu bemängeln. 7:1 gegen Dortmund hieß es nach 90 Minuten. Es waren Szenen aus den erfolgreichen 1970er Jahren, die vor der Partie der aktuellen Borussen-Teams über die Leinwände im Stadion flimmerten.

Und eine Stunde lang kamen die paar Filmschnipsel dem Betrachter immer wieder in den Sinn. Wehmütig war die Erinnerung an Netzer, Wimmer und Le Fevre, an offensive Power, an Spielwitz, an Ideenreichtum.

Das alles liegt anno 2013 ziemlich brach bei der Borussia aus Mönchengladbach. Das am Ende wieder einmal spektakuläre Spiel – wie schon gegen Leverkusen und Lazio Rom – taugt jedoch dazu, den Mantel des Schweigens über die Unzulänglichkeiten zu breiten. Denn die Zuschauer gingen zufrieden nach Hause. Hochzufrieden sogar.

Das 1:1 (0:1) gegen den Meister nötigt auch Respekt ab – großen Respekt. Diese finalen 30 Minuten zeigten wieder einmal, wozu die Favre-Elf in der Lage ist. Mit Galligkeit im Zweikampf, mit Aggressivität und mit Leidenschaft verwischte sie den Eindruck der biederen, mutlosen, uninspirierten 60 Minuten zuvor.

Mit dem verletzten Juan Arango und dem gesperrten Patrick Herrmann fehlte Mönchengladbach das bisschen Kreativität der letzten Wochen, und so schlug die Stunde von Amin Younes. 19 Jahre jung, 168 Zentimeter lang, 67 Kilogramm leicht, Deutscher mit libanesischen Wurzeln.

Er feierte im Angriff neben Mike Hanke (für Luuk de Jong) seine Startelf-Premiere („Wir haben einen sehr guten Kader, und ich bin dem Trainer unendlich dankbar, dass ich spielen durfte“) und zeigte als Einziger das, was den anderen Feldspielern fehlte: Unbekümmertheit, Frechheit, keine Angst. Für Sportdirektor Max Eberl war der, nun ja, verhaltene Beginn eine Folge des Ausscheidens in der Europa League – reine Kopfsache.

Der Vorwurf, in Rom nicht alles gegeben zu haben, habe an den Spielern genagt. Außer an Younes. Der kleine Wirbelwind zeigte seine Qualitäten im Duell Eins gegen Eins, „er war trotz seiner Größe in den Zweikämpfen sehr präsent“, wie Lucien Favre lobte – und erfolgreich.

Nach einem langen Pass von Alvaro Dominguez und Zuspiel von Oscar Wendt lenkte Felipe Santana den Schuss von Younes aus 14 Metern unhaltbar ab (67.). Es war der Ausgleich, nachdem Mario Götze einen von Marc-André ter Stegen an ihm selbst verursachten Foulelfmeter sicher zum 0:1 verwandelt hatte (31.).

„Es war wichtig, nach dem Aus in Rom so eine Leistung zu zeigen“, sagte Max Eberl, und Lucien Favre urteilte: „Die zweite Halbzeit war sehr, sehr gut.“ Die Krönung verpasste in der 90. Minute der eingewechselte Peniel Mlapa, der nach de Jongs feinem Zuspiel BVB-Torwart Roman Weidenfeller umspielen konnte, aber aus spitzem Winkel nur das Außennetz traf. Glück hatte Mönchengladbach dann noch in der Nachspielzeit, dass Sebastian Kehl aus drei Metern das leere Tor nicht traf. Zumindest haben die Gladbacher mit dem am Ende verdienten 1:1 und einem Auftritt mit viel Herz ihren Fans etwas zurückgegeben für das schwache Auftreten in Rom.

Die Dortmunder fanden das alles nicht so toll. Ohne echten Stürmer (Robert Lewandowski und Julian Schieber fehlten gesperrt) kontrollierte der Meister eine Stunde das Geschehen, tat sich aber gegen die meist gut postierte und gut arbeitende Gladbacher Defensive schwer. Und so stapfte Trainer Jürgen Klopp missmutig von dannen, konnte sich noch nicht mit dem Pokal-Schlagerspiel am Mittwoch bei Bayern München beschäftigen. „Dafür brauche ich eine positive Stimmung, und die habe ich noch nicht.“

Lucien Favre lächelte bei diesen Worten. „Wir können mit dem 1:1 gut leben.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert