„Aufwärts“ für den schnellen Weltmeister in der Schach-Bundesliga

Von: Roman Sobierajski
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In der kommenden Saison der Schach-Bundesliga Aachens Spitzenspieler: Der Ukrainer Vassily Ivanchuk, amtierender Schnellschach-Weltmeister, tritt für Aufwärts an. Foto: imago/Xinhua

Aachen. Im Profifußball würde man von einem „Königstransfer“ sprechen, im Schach ist man da allerdings zurückhaltender. Dennoch dürfte die Tatsache, dass Schach-Bundesligist Aufwärts Aachen in der kommenden Saison mit dem ukrainischen Schachgroßmeister Vassily Ivanchuk antreten wird, zumindest in der Schachwelt für riesengroßes Aufsehen sorgen.

Denn der 48-Jährige ist nicht nur amtierender Schnellschach-Weltmeister und ließ auf dem Weg zum Titel auch den aktuellen Weltmeister Magnus Carlsen und den früheren Viswanathan Anand hinter sich.

„Für unsere Mannschaft ist die Verpflichtung von Vassily Ivanchuk natürlich eine Sensation“, schätzt Mannschaftsführer Peter Jansen ein. Tatsächlich hat sich der Auftritt der Aachener in der ersten Bundesliga-Saison unter den Spielern herumgesprochen – und für Aufsehen gesorgt. „Ivanchuk, der in der vergangenen Saison noch bei unserem bisherigen Reisepartner Trier gespielt hat, kam und fragte, ob er nicht für uns spielen kann und gesagt, dass es ihm sehr gut gefallen würde“, ist Jansen zufrieden.

Der Ukrainer war Europameister, Fide-Vizeweltmeister und ist vierfacher Mannschafts-Olympiasieger und gilt in Fachkreisen wegen der Schönheit seines Spiels als „Schachgenie“. Eigentlich dreht sich das ganze Leben des Ivanchuks um das königliche Spiel, wenn es nicht noch eine andere Leidenschaft gäbe. Aber zumindest findet das Dame-Spiel auf den selben Spielbrettern statt.

In der Breite verstärkt

In der abgelaufenen Saison hatte der Aufsteiger den Klassenerhalt schon vor der großen Endrunde in Berlin sicher, so dass Jansen mit den beiden Niederlagen zwar leben kann, aber nicht zufrieden ist. „Die Gegner hatten superstark aufgestellt, wir haben katastrophal gespielt. Aber auch mit zwei Siegen wäre nur ein, höchstens zwei Plätze nach oben drin gewesen“, schätzt er ein.

Dennoch soll die Mannschaft für die kommende Saison, die im Oktober für die Aachener gegen Bayern München beginnt, vor allem in der Breite verstärkt werden. „Wir waren an den vorderen Brettern sehr stark, haben aber an den Brettern dahinter zu viele Punkte liegen lassen. Das wollen wir in der nächsten Saison ändern.“

So werden neben dem 19. der Weltrangliste auch die beiden rumänischen Topspieler Mircea Parligras und Constantin Lupulescu Aufwärts Aachen verstärken. Und mit Dr. Florian Handke stößt auch ein Fast-Aachener dazu, denn der Großmeister ist als Richter am Landgericht Aachen tätig.

Mit Solingen haben die Aachener in der anstehenden Spielzeit zudem einen neuen Reisepartner, so dass die Heimbegegnungen alle ortsnah stattfinden können: Eine Heimpartie der Solinger Mülheim/Ruhr statt, die beiden Aachener Heimspiele am 11./12. November und am 24./25. Februar 2018 werden in der Nadelfabrik ausgetragen. Für Peter Jansen geht schon lange, bevor die erste Figur bewegt worden ist, die Rechnerei los.

„Ein absoluter Leckerbissen“

„Unser sportliches Ziel ist es, Platz sechs zu erreichen, uns unter den Mannschaften aus dem Mittelfeld zu etablieren. Wenn alles gut läuft, sind wir noch oben mit dabei, wenn wir den amtierenden Meister Baden-Baden empfangen. Wenn es für beide Mannschaften noch um etwas geht, dann werden sechs bis sieben Spieler aus der absoluten Weltspitze an den Brettern sitzen. Das wird ein absoluter Leckerbissen“, schwärmt Jansen voller Erwartungen.

Verstärkt haben sich die Aachener auch mit einigen jungen Hoffnungsträgern aus den Niederlanden, aber auch mit dem erst 26-jährigen deutschen Großmeister Falko Bindrich aus Zittau.

„Die jungen Niederländer sollen an das Bundesliga-Niveau herangeführt werden und treten zunächst einmal in unserer zweiten Mannschaft an“, will Jansen die Junioren die nötige Wettkampfhärte behutsam vermitteln.

Doch auch unterhalb des Spitzenteams mischt Aufwärts Aachen weit oben mit: Die zweite Mannschaft hat den Aufstieg in die Zweite Bundesliga geschafft und ist somit das ideale Sprungbrett für den internationalen Nachwuchs. Das eigene Jugendteam hat ebenfalls den Sprung ins Oberhaus geschafft und tritt demnächst ebenfalls in der Junioren-Bundesliga an.

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