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Alemannia gegen Viktoria Köln: Das beste Comeback der Saison

Von: Christoph Pauli
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Strahlende Gesichter: Daniel Hammel (l.) und Joy-Lance Mickels feiern Aachens Coup in Köln. Foto: Jérôme Gras

Köln. Nach 75 Minuten setzte die Party ein. Dreimal nannte der Stadionsprecher den Namen des Torschützen, die dreifache Erwähnung ist wohl das Äquivalent zu 21 Salutschüssen bei Viktoria Köln. Der Regionalliga-Tabellenführer war durch Fatih Candan gegen Alemannia Aachen in Führung gegangen, es winkte der krönende Abschluss des Spieltages, an dem die ärgsten Rivalen schon verloren hatten.

Ein paar Minuten später war der Spaß vorbei, Alemannia siegte nach einem furiosen Schlussspurt noch 2:1. Eine solche Leistung beim Spitzenreiter hätte man dem Team ein paar Tage nach dem schmucklosen Remis beim Tabellenletzten Sprockhövel kaum zugetraut. „Das war Leidenschaft pur“, feixte Joy-Lance Mickels am Ende des Tages, als sich schon die Krämpfe meldeten.

Die Mannschaft lieferte am Ende einer Englischen Woche einen eindrucksvollen Beleg dafür, dass sie die Saison mit viel Elan zu Ende spielen will, obwohl die finanzielle Zukunft am Tivoli sich gerade zuspitzt und die Zukunft für fast alle Spieler ungewiss ist. „Die Jungens haben alles rausgehauen, das war großartig“, verteilte Fuat Kilic viele Streicheleinheiten nach dem unerwarteten Auswärtssieg.

Aachens Trainer hatte die Luken geschlossen, seine Mannschaft hatte er auch unter den Aspekt der Robustheit aufgestellt. Vor drei turmhohen Innenverteidigern fungierte eine fünfköpfige Kette als Wellenbrecher. Und weil auch der Spitzenreiter über die Athletik kommt, entwickelte sich im Höhenpark ein Spiel mit hoher Zweikampfdichte, bei dem zuweilen die Funken flogen.

Die erste Stunde war weitgehend taktisch geprägt. Die Aachener wollten durchaus mutig auftreten. Joy-Lance Mickels scheiterte freistehend an Kölns Keeper Philipp Kühn (10.), nachdem ihn Necirwan Khalil Mohammad freigespielt hatte. Dem Ligakrösus fiel nicht sonderlich viel ein.

Sven Kreyer scheiteterte aus 20 Metern an Torwart Mark Depta. Der Favorit war weitgehend ideenlos. Vergeblich reklamierte er nach einem Zweikampf zwischen Nils Winter und Patrick Koronkiewicz auf Strafstoß (38.). Dann traf Felix Backszat per Fallrückzieher wuchtig das VIP-Zelt hinter dem Aachener Tor (40.). Das war die ganze Ausbeute einer Halbzeit.

Kölns Trainer Marco Antwerpen sortierte seine Elf neu in der Halbzeit, die Angriffe wurden präziser und wuchtiger, Aachen entdeckte kaum noch die andere Hälfte. Die breitschultrigen Innenverteidiger Jannik Löhden und Jerome Propheter räumten hinten auf wie früher Bud Spencer und Terence Hill. Die beste Chance zur Führung hatte Viktoria nach 68 Minuten, den Fernschuss von Florian Heister fischte sich Depta aus dem Winkel, der Nachschuss von Mike Wunderlich klatschte an die Latte – eine feine Mischung aus Können und Glück für Aachens jungen Torwart.

Es wurde der Tag der Einwechselspieler. David Jansens erster Ballkontakt war gleich eine Vorlage zur Führung. Unbehelligt konnte der Neuzugang von RW Oberhausen den Ball vor das Tor schieben, wo Fatih Candan mühelos vollstreckte (75.).

Fuat Kilic nahm das letzte Risiko, tauschte zwei Verteidiger gegen die Stürmer Mergim Fejzullahu und Daniel Hammel ein. Was dann passierte, konnten die Tabellenführer später nicht mehr erklären. Hammel köpfte schnell den Ausgleich nach einer Vorlage von Löhden (80.). Viktoria wurde plötzlich von Schüttelfrost befallen. Zwei „wilde Einwechslungen“, wie Antwerpen später beklagte, führten dazu, dass sein Team die Ordnung völlig verlor.

Bis in den letzten Winkel des Höhenparks war zu spüren, dass das Spiel gerade kippte. Am Spielfeldrand ruderten die Trainer so aufgeregt, als klebten Skorpione an seinen Fingern. Aber Einfluss auf die Dramaturgie hatten sie kaum noch. Fejzullahu scheiterte noch aus 16 Metern, aber zu bremsen waren die Aachener in den letzten Minuten nicht mehr. Sie konnten unbehelligt kontern.

Mickels und Fejzullahu stürmten von der Mittellinie unbegleitet in die gegnerische Hälfte, Fuat Kilic wollte nicht mehr hinsehen, doch seine Angreifer lösten die Aufgabe souverän. Mickels legte formvollendet auf, so dass auch der andere Einwechselspieler zu seinem Treffer kam. Es war die finale Pointe in diesem Spitzenspiel. „Vor ein paar Tagen waren wir nach dem Remis wieder mal die Deppen, heute hat das Team gezeigt, was in ihm steckt“, feierte Kilic das beste Comeback der Saison.

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