Zweite Insolvenz am Tivoli: Alemannia zieht die Notbremse

Von: Christoph Pauli
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Die Verantwortlichen am Tivoli blicken erneut in eine ungewisse Zukunft. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Am frühen Nachmittag wurde das Amtsgericht in Aachen informiert. Wenig später waren auch die Mitarbeiter des Klubs eingeweiht. Zum zweiten Mal innerhalb von vier Jahren reichte Alemannia Aachen einen Insolvenzantrag „wegen drohender Zahlungsunfähigkeit“ ein.

Die Zahlung der Märzgehälter war nicht mehr gesichert. Der vierköpfige Aufsichtsrat erklärte anschließend seinen Rücktritt. „Das halte ich für angemessen in dieser Situation“, sagt der nun ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Christian Steinborn. Schon in den letzten Wochen ließen sich die Funktionäre juristisch begleiten, um nicht in die Gefahr der Insolvenzverschleppung zu kommen. Bis zum Saisonende fehlen dem Verein etwa 500.000 Euro. Alle Versuche, die Lücke zu schließen, schlugen fehl in den letzten Wochen.

„Ablehnende Haltung“

Eine Perspektive sollte der Einstieg eines Investors sein. Die unverändert „ablehnende Haltung großer Teile von Fangruppierungen“ habe zum Scheitern dieser Option geführt, erklärte der Verein in einer Presseerklärung. Ein Einstieg von Geldgebern wäre nur mit einer überwältigenden Zustimmung der Mitglieder möglich gewesen. Doch Ja-Wort und damit Perspektive waren unsicher. Den möglichen Geldgebern schlug in den Foren Ablehnung entgegen.

Michael Kölmel hatte mit einer kleinen Gruppe zuletzt ein Angebot hinterlegt, um Anteile an der Gesellschaft zu übernehmen. Vier Jahre lang wollten die potenziellen Investoren je eine Million Euro anlegen und im Gegenzug Anteile erwerben. Auch in den letzten Tagen hatte Alemannia noch einmal nach einem Darlehen nachgefragt. Kölmel hatte dem Verein in den letzten Jahren mehrfach geholfen. „Diesmal schien es um größere Summen zu gehen, das ließ sich nicht so einfach umsetzen“, winkte Kölmel ab. „Ich bin erst einmal überrascht von der Entwicklung in Aachen“, sagt der Sportrechtehändler. Das Angebot für den Einstieg will er nicht automatisch zurückziehen. „Wir müssen neu diskutieren mit den Beteiligten.“

Das Amtsgericht benannte am Dienstagabend den Spezialisten Christoph Niering als vorläufigen Insolvenzverwalter. Der Fachanwalt soll die Weichen stellen, damit der Spielbetrieb bis zum Saisonende aufrechterhalten werden kann. Die Mitarbeiter und Spieler bekommen nun vermutlich drei Monate lang Insolvenz-Ausfallgeld bis zu einer Beitragsobergrenze. Ob das Insolvenzverfahren überhaupt eröffnet wird, hängt allerdings von der zur Verfügung stehenden Masse ab. Vor drei Jahren wurde der Schritt erst durch eine kurzfristige Kollekte möglich.

Die gesamten Verbindlichkeiten der GmbH liegen bei etwa einer Million Euro. Der einzige Gläubiger des Klubs ist nun der Vermarkter Infront, der mit einem Darlehen weitergeholfen hatte.

Ein Großteil der Misere wurde vor allem durch die Vorsaison ausgelöst, die noch vom ehemaligen Geschäftsführer Alexander Mronz geplant wurde. Sportlich und in der Außendarstellung verlief die Spielzeit chaotisch, am Ende stand ein Defizit von 1,2 Millionen Euro. Vor der laufenden Saison wurde der aktuelle Etat drastisch zusammengestrichen und der kalkulierte Zuschauerschnitt auf 6500 Fans gesenkt – aber auch die Annahme war zu optimistisch, obwohl das verbilligte Team durchaus überzeugte.

Sportlich bedeutet die Insolvenz einen Abzug von neun Punkten für den Tabellenvierten. Das Team von Fuat Kilic hätte dann noch 33 Punkte und läge auf Platz 11. Die Mannschaft fliegt ohnehin am Saisonende auseinander, weil kaum noch Verträge bestehen. Vor zwei Wochen hatte bereits der Trainer seinen Abschied zum Sommer angekündigt, weil ihm die Perspektive fehlte.

Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp spricht von einer „traurigen Entwicklung“ rund um den Traditionsklub. Noch am Montagabend erreichte ihn ein Hilferuf. Der Verein bat eindringlich darum, dass eine Restlücke im Etat von städtischen Gesellschaften geschlossen werden sollte. Philipp sah sich außerstande, kurzfristig zu helfen.

Auch die Stadt könnte noch zum Gläubiger werden, sie stundet dem Verein bis Ende Mai Gewerbesteuern aus der letzten Sanierung. Das Thema des Sanierungsgewinns ist allerdings durchaus umstritten unter Juristen. Philipp hat noch ein gutes Wort für die ehemaligen Räte übrig: „Die jetzt handelnden Personen tun mir am meisten leid, weil sie mit viel Aufwand und Leidenschaft versucht haben, ein Problem zu lösen, das scheinbar unlösbar ist.“

Nun soll der Insolvenzverwalter dafür sorgen, dass Alemannia doch noch eine Perspektive hat.

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