Zoltan Stieber kommt und bringt den Sieg

Von: Klaus Schmidt
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Auf Nummer sicher: Aachens Torwart David Hohs faustet den Ball im Schneetreiben aus der Foto: Christian Weische

Bielefeld. Ob das jetzt eine (sportlich) lohnenswerte Sache werden sollte, konnte am Freitagmorgen noch niemand wissen. 40 Freiwillige waren angerückt, um Rasen und Tribünenaufgänge der Bielefelder „Alm” von den jüngsten Spuren des Winters zu befreien.

Der DSC Arminia dankte den Helfern für so viel Einsatz mit freiem Eintritt am Abend, doch mancher Fan hätte sich am Ende gewünscht, dass dem Morgen-Trupp die Finger eingefroren wären. Es jubelte nur die kleine Aachener Delegation. Mit 3:1 gewann Alemannia zum Hinrunden-Abschluss und erstmals seit über 15 Jahren wieder in Ostwestfalen. In den letzten vier Minuten rissen die Schwarz-Gelben noch drei Punkte aus dem Feuer, von denen selbst Peter Hyballa sagte, dass sie „nicht verdient” gewesen seien.

Nach knapp vier Minuten hatte die Mannschaft ihren Chefcoach glauben lassen, „dass man sich zurücklehnen und mal einen entspannteren Abend erleben kann”. Mit dem ersten Angriff ging Alemannia in Führung, Benny Auer staubte ab. Das sind Szenarien, von denen Gastmannschaften träumen, die den Gastgeber gehörig aus dem Takt bringen. Erst recht, wenn man Tabellenletzter ist und zehn der letzten zwölf Spiele verloren hat.

Doch Aachens wieder mal letztes Aufgebot - auf der Bank saß nun auch erstmals der 21 Jahre alte italienische Innenverteidiger Patrizio Frau aus der U23 - wähnte sich zu schnell in Sicherheit. „Die Platzverhältnisse dürfen wir nicht als Ausrede nutzen”, sagte Tolgay Arslan später. „Wir haben uns nach dem 1:0 ausgeruht und nicht mehr die Drecksarbeit gemacht”, mit „wir” meinte die HSV-Leihgabe explizit die „Vier im Mittelfeld”.

Der Platz war seifig, er war holprig, es fing wieder an zu schneien, und natürlich war das „fies”, wie Kevin Kratz es ausdrückte. Die Umstände erklärten nicht, warum Alemannia nachließ und den angeknockten Gegner aufbaute. „Unglaublich blöd von uns, eine Mannschaft wie Arminia Bielefeld ins Spiel kommen zu lassen”, stellte Sportmanager Erik Meijer fest. Die Strafe folgte in der 52. Minute. Einen Konter - mit zwei Arminen gegen fünf Aachener - schloss Heidinger zum Ausgleich ab.

Die Partie drohte zu kippen, Bielefeld kämpfte auf Biegen und Brechen. Heidinger verpasste wenig später nur knapp den Führungstreffer. Gefahr war in Verzug, Peter Hyballa hatte längst „zu wenig Arbeitsleistung” ausgemacht, „wir haben die Räume nicht besetzt”. Es drohte der Blues vor dem Pokal-Achtelfinale am Mittwoch gegen Eintracht Frankfurt, doch die Trainer entwickelten die entscheidende Idee: Zoltan Stieber kam rein und damit doch noch Schnelligkeit.

Den Sieg eingewechselt: Der kleine Ungar wurde zum Mann des Abends. Arslan hatte zunächst die Latte getroffen, dann wurde dem Deutsch-Türken von Stieber aufgelegt. Der Flachschuss rauschte in der 86. Minute zum 2:1 über die Linie. Und in den Schlusssekunden profitierte auch nochmal Benny Auer von Stieber und erhöhte sein Torkonto auf neun.

„Wir haben Glück gehabt, dass wir noch die beiden Tore machen”, sagte Kevin Kratz. Peter Hyballa sprach von einem „dreckigen Sieg”, nach der frühen Führung „haben wir gedacht, wir könnten mal eben ein bisschen spielen wie ein Champions-League-Teilnehmer”. Mund abputzen: „24 Punkte nach der Hinrunde sind für diese junge Mannschaft ein gutes Ergebnis.”

Erik Meijer schaute bereits auf Mittwoch. „Wir werden gegen Frankfurt gewinnen. Das ist meine innere Überzeugung.” Kontrastprogramm zu diesem unwirtlichen Abend in Bielefeld - und Meijer will dem Alemannia-Jahrgang 2010/11 berichten, wie das damals war, im Pokal, vor sieben Jahren...
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