Aachen - Zahnlose Aachener kassieren dritte Pleite in Folge

Zahnlose Aachener kassieren dritte Pleite in Folge

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
FC Energie Cottbus - Alemannia Aachen 3:1 (2:0)
Aachens Torwart Thorsten Stuckmann hebt enttäucht die Arme, nachdem der Ball zum 0:2 im Tor gelandet ist. Energie Cottbus gewinnt gegen Aachen 3:1 (2:0). Foto: dpa

Aachen. Thomas Stehle wird sich auf der Ersatzbank wie ein Herbergsvater vorgekommen sein. Neben ihn nahmen Abdul Özgen, Alper Uludag, Andreas Korte, Vladimir Schattner und Daniel Engelbrecht Platz. Alemannia gehen die Profis auf, die Amateuren rücken nach.

Das waren nicht die besten Vorzeichen vor dem Ausflug zu Energie Cottbus. Die Partie endete folgerichtig mit einer 1:3-Niederlage. Aber spielentscheidend waren nicht die Irrungen der heranwachsenden Fußballer, in der Lausitz patzten reihenweise die gestandenen Fußballer.

Es war zwar eine ungewöhnliche Formation, die Trainer Michael Krüger ins frostige Gefecht schickte, aber es war keine Notelf, sondern eine enorm routinierte Mannschaft. Ausnahme: Marco Höger: Der Kapitän der Amateure stand zum ersten Mal in der Elf, spielte in der Raute zunächst links, später rechts und bekam als einer der ganz wenigen ein Sonderlob. „Kompliment für den Jungen”, sagt Erik Meijer.

Ansonsten hatte der Sportdirektor, der die zweite Halbzeit hinter dem eigenen Tor verbrachte, wenig gute Nachrichten entdeckt. Nach Spielende versammelte er den gesamten Tross inclusive Physiotherapeuten. Betreuer und Mediziner in der Kabine. Meijer wurde laut und scharf. „Die Jungen, die die Mannschaft tragen sollen, haben sich versteckt”.

Der 40-Jährige erzählte die Geschichte der Gegentore, es war die Geschichte grotesker Missgeschicke. Beim 1:0 (36.) ließ sich Herzig überlisten, Olajengbesi hob das Abseits auf. Thorsten Stuckmann verließ auch diesmal nicht energisch sein Tor, um das Unheil zu verhindern. Vor dem 2:0(42.) stürzten sich beide Innenverteidiger auf Emil Jula. Von der Aachener Fehlerkette profitierte jeweils Nils Petersen.

Die Gastgeber, deren Fans aus Protest gegen jüngste Leistungen 15 Minuten schwiegen, hatten gegen pomadige Gäste ein leichtes Spiel. „Da sind wir ideal, angeschlagene Gegner aufzubauen”, flüchtete Michael Krüger in Ironie.

Aachen war zahnlos, und doch gelang den Gästen der unverhoffte Anschlusstreffer. Ein Abschlag von Keeper Gerhard Tremmel landete nach wenigen Metern Flug bei Benny Auer, der schickte Babacar Gueye auf die Reise. Tremmel bügelte rustikal seinen Fehler gegen den Angreifer aus. Gelbe Karte, Strafstoß, 2:1 durch Aimen Demai (53.).
Der rechte Verteidiger sorgte dafür, dass die Hoffnung nicht allzu groß wurde. Er verlor Gegenspieler Stiven Rivic aus den Augen, dass jeder ambitionierte Trainer einer Thekenmannschaft getobt hätte. Cottbus führte wieder mit zwei Toren (58.).

Alemannias Spiel wurde munterer, weil die phlegmatischen Burkhardt und Gueye den jugendlichen Özgen und Uludag weichen mussten. Am Ergebnis änderte sich nichts mehr, Cottbus traf noch den Pfosten (62.), auf der anderen Seite verzogen Auer (66.) und Özgen (84.). Dann stand die nächste Pleite fest. Alemannia und Cottbus tauschen die Plätze, der Klub kommt der Abstiegszone wieder etwas näher. „Fakt ist, wenn die Leute, die uns sonst so stabil machen, wegbrechen, reichen 30 Punkte nicht”, betonte Meijer. Von der Kritik seiner Abwehrspieler nahm der Niederländer nur den linken Verteidiger Allan Jepsen aus.

Eine Trainerdebatte wollte Meijer nicht eine Sekunde führen. „Die Fehler haben erfahrene Jungs gemacht, die hier sehr viel Geld bekommen.”

So trostlos endete auch dieser Betriebsausflug. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht in einen Strudel hineingeraten”, sagte Krüger. „Ich bin mir nach dieser Partie nicht so sicher, ob jeder weiß, dass vom Klassenerhalt die Existenz des Vereins abhängt.”
Kollege Pele Wollitz machte sich ein paar grundlegende Gedanken. „Einen solchen Strudel habe ich auch bei uns befürchtet. Man kennt das ja: Da gibt es eine Eigendynamik, und einige sind unterwegs nach dem Motto: Rette sich wer kann.”
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