Wollitz: „Ich werde es niemals verarbeiten”

Von: Christoph Pauli
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Der zwölfte Feldspieler: Cottbus-Coach Pelé Wollitz. Foto: imago/camera 4

Aachen. Diese Partie am Montagabend war das größte Spektakel in der 2. Liga seit zehn Jahren. 5:5 endete dieses atemberaubende Spiel zwischen Energie Cottbus und dem Karlsruher SC. Ein Teil des Spektakels zieht nun weiter, Energie gastiert am Freitagabend auf dem Tivoli.

Vor dem Spiel in Aachen unterhielt sich Gästetrainer Claus-Dieter Wollitz mit Redakteur Christoph Pauli.

Nach Spielende sind Sie ermattet in Ihren Sitz gefallen. Hat die Intensität des Spiels Sie so geschafft?

Wollitz: Nicht mehr als sonst, ich bin nach jedem Spiel erschöpft.

Das könnte auch daran liegen, dass Sie 90 Minuten lang an der Linie Gas geben.

Wollitz: Könnte wirklich sein. Dabei bin ich ja begrenzt in meiner Aktivität durch die Coaching-Zone, das ist dann auch gut so.

Warum ist diese Partie so anarchistisch verlaufen?

Wollitz: Es gibt keine schlüssige Erklärung, in jeder Partie gibt es eine Eigendynamik. Diesmal ist vor dem ersten Treffer der Karlsruher ein falscher Eckball gegeben worden, und aus meiner Sicht hätte es zudem eine dunkelrote Karte geben müssen. Ich kann den Beweis nicht antreten: Aber gegen zehn Karlsruher hätten wir eine 2:0-Führung über die Runden bekommen, auch wenn Karlsruhe an diesem Abend besser war.

Wird so eine Partie konkret wie üblich analysiert oder fällt dieses 5:5 so aus dem Rahmen, dass man sich die Analyse spart?

Wollitz: Wir haben die individuellen Fehler angesprochen und die Defensiv-Organisation. Vor dieser Partie hatten wir noch keinen Gegentreffer bekommen und nun fünf auf einen Schlag, weil wir fünf Totalausfälle hatten. Und trotzdem schießen wir fünf Tore. Alles unglaublich.

Welche Konsequenzen ziehen Sie für die Freitagspartie in Aachen?

Wollitz: Das soll eine Überraschung werden. Diese Mannschaft war nicht gut am Montag, hatte aber vorher eine überragende Organisation.

Die letzten beiden Spiele, die Sie mit unterschiedlichen Teams in Aachen geführt haben waren sehr speziell.

Wollitz: Im letzten Jahr haben wir mit Cottbus 1:1 gespielt, der Punkt war völlig unverdient, weil Aachen richtig stark war.

Im Jahr davor siegte Aachen dagegen mit 3:1 gegen überragende Osnabrücker. Diese Partie wird jetzt im Zusammenhang mit dem Manipulationsskandal genannt.

Wollitz: Das Problem ist, dass zwei VfL-Spieler (Marcel Schuon und Thomas Cichon; d. Red.) im Fokus der Ermittler stehen. Der eine Spieler, Marcel Schuon ist schon bestraft worden, weil er mehrmals versucht haben soll, mit Betrügern Spiele abzusprechen. Konkret soll es da um Auswärtsspiele gegangen sein, die angeblich ohnehin aussichtslos für den VfL waren. Das ist meine Interpretation.

Konkret in Aachen haben wir erst ein paar Stunden vor der Partie die Taktik verändert haben, die Spieler wussten nicht Bescheid, dass wir nur mit einer Spitze und fünf Leuten im Mittelfeld unterwegs waren. Aachen hat damit große Probleme gehabt. Ich weiß nicht, ob es in diesem Spiel eine Manipulation gab. Entscheidend für mich ist der Vorsatz von einigen Spielern, die sich auf solche Betrüger eingelassen haben.

Ist Ihr Glaube an das Gute im Fußball erschüttert?

Wollitz: Definitiv. Ich habe es nicht verarbeitet und werde es nicht. Ich begleite Spieler anders als üblich. Die Jungens bekommen großes Vertrauen, sonst kann ich nicht so arbeiten wie ich das mache.

Mir kommt die Geschichte immer wieder hoch, wenn ich zur meiner Familie nach Osnabrück fahre. Der VfL wäre damals nicht abgestiegen, aber das zählt nun zu den Fakten. In Osnabrück wurde eine Vision zerstört.

Haben Sich Schuon und Cichon in den letzten Monaten bei Ihnen gemeldet?

Wollitz: Natürlich nicht. Es sind nicht von ungefähr Spieler mit Problemen angesprochen worden. Sie hätten sich damals mitteilen müssen. Das haben sie schon verpasst, als der Fall vielleicht noch zu retten gewesen wäre.
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