„Wir sind einfach zu blind vor dem Tor”

Von: Klaus Schmidt
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Ratlosigkeit im Doppelpack: Se
Ratlosigkeit im Doppelpack: Seyi Olajengbesi (links) und Benjamin Auer trauern erneut den vergebenen Chancen nach. Foto: Andreas Steindl

Karlsruhe. Und plötzlich stand Sergiu Radu frei im Strafraum, halblinke Position. Längst lief die Nachspielzeit, der Rumäne hätte für einen der besten Momente seit seinem Wechsel zu Alemannia Aachen sorgen können.

„Vielleicht hat er ein bisschen zu lange überlegt”, mutmaßte hinterher Benny Auer, der Kapitän, „im Training macht Sergiu solche Dinger mit geschlossenen Augen rein.” Nun war erstens nicht Training, sondern DFB-Pokal, und zweitens hatte Radu vollen Blick auf Dirk Orlishausen. Der ist Torwart des Karlsruher SC - und verhinderte schließlich, dass Alemannia wenigstens die Verlängerung dieses Zweitliga-Duells erreichte. Als der (neuerdings) Fifa-Schiedsrichter Deniz Aytekin im Wildparkstadion abgepfiffen hatte, war Aachen 1:3 geschlagen - und zum ersten Mal seit neun Jahren (0:1 beim Bahlinger SC) gleich zum Pokalauftakt ausgeschieden.

Erneut herrscht Fassungslosigkeit

Wie schon nach dem Ligastart in Aue herrschte Fassungslosigkeit über ein Ergebnis, überflüssig wie ein Kropf. „Wir haben die Chancen, die haben keine - und machen das Tor”, den Grund für eine Rückfahrt ohne Freude hatte Bas Sibum schnell erkannt. Dabei war schon nach sieben Minuten endlich die Torlos-Flaute beendet: Marco Stiepermann startete ein Solo, Kempe wusste sich nur noch mit einem Foul zu helfen - und Kevin Kratz brachte Alemannia mit einem flach platzierten Elfmeter in Führung. Als jedoch Bilanz gezogen wurde, musste Chefcoach Peter Hyballa feststellen: „Wir haben uns jetzt in drei Pflichtspielen 20 richtig gute Chancen herausgearbeitet, aber nur einen Treffer durch einen Elfmeter erzielt. Wir sind einfach zu blind vor dem Tor.”

Da nutzte auch der vom Grundsatz her gelungene Versuch nichts, nach der schwachen Partie gegen Braunschweig auf 4-3-3 umzustellen. Mit dem Vorsprung im Rücken ließ Alemannia sich „etwas einlullen”, das gefiel Hyballa weniger. Und im Anschluss an eine Ecke erhielt Aachen die Quittung: Olajengbesi köpfte den Ball in den Fuß von Milchraum, Stiepermann hatte auch nicht aufgepasst, und der Ex-Alemanne glich aus 18 Metern aus (26.).

Wer nun Angst und Schrecken durch den KSC erwartet hatte, der wartete vergeblich. Schon kurz vor der Pause bekam Orlishausen Arbeit durch einen herzhaften Kratz-Freistoß; spektakulär vereitelte der KSC-Keeper eine kapitale Gelegenheit von Stiepermann, der wenige Sekunden nach dem Seitenwechsel eine Hereingabe von Uludag volley aufs Tor drosch. Und dann „klaute” Yabo den Ball an der Torauslinie gegen Hoheneder, passte auf Uludag - abgeblockt, den Abpraller verwertete Auer aus Abseitsposition.

„Ein glücklicher Sieg”

„Dass Karlsruhe noch ein Tor schießt, damit hätte ich nicht mehr gerechnet”, schüttelte der Kapitän den Kopf über das 1:2, ausgelöst durch einen (überflüssigen) Eckball von Krebs, vollendet durch einen Kopfball von Kempe (84.). Dann kam Sergiu Radu, und als in der 94. Minute alles ausgeflogen war aus der eigenen Hälfte, lupfte Krebs den Ball noch zum 3:1 ins Netz. „Ein glücklicher Sieg”, das räumte selbst Karlsruhes Trainer Rainer Scharinger ein.

Letzter in der Liga, im Pokal früh raus: Das ging Peter Hyballa „tierisch auf den Nerv, zum dritten Mal dem Gegner zu gratulieren”. Schon von einer Krise reden, das will Benny Auer nicht. „Das ist absoluter Quatsch. Wir müssen uns jetzt einfach selbst da rausziehen.” Das eine oder andere Tor täte Alemannia dabei gut; doch was tun, wenns im Training scheppert, nicht aber im Wettbewerb (siehe Radu)?

„Wir müssen weiter dran arbeiten”, sagt Hyballa. Und bastelt vor der nächsten Liga-Bewährung am Freitag beim Bundesliga-Absteiger FC St. Pauli einen Krückstock: „Das Schöne ist ja, dass viele uns jetzt erst mal wegwerfen...”
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