„Wir hatten mehr verdient“: Alemannias Serie reisst in Köln

Von: Christoph Pauli
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Zum ersten Mal in dieser Saison geriet Aachens Mannschaft in Gefahr, unter die Räder zu kommen - kämpfte sich aber in die Partie zurück. Foto: Jerome Gras

Köln. Wenn man die Gelegenheit gehabt hätte, das Stadion am Höhenberg aus der Luft zu fotografieren, wäre es ein ziemlich schwarz-gelbes Bild geworden. Formell fand da ein Heimspiel von Viktoria Köln statt, in Wahrheit waren die Aachener Fans in deutlicher farblicher und akustischer Überzahl. Überraschend hat die blutjunge Mannschaft ein bisschen Euphorie ausgelöst. Beim Meister kassierten die Aachener mit 2:4 ihre erste Saisonniederlage.

Und doch war diese Partie kein Rückschritt, „weil wir unser Spiel auch gegen so einen hochkarätigen Gegner durchgezogen haben“, bilanzierte Tobias Mohr. Die Aachener hatten den nächsten mutigen Auftritt hingelegt, sie scheiterten am Ende des Tages an ihrer bedenklichen Schwäche bei Standardsituationen. Alle vier Gegentore fielen nach ruhenden Bällen.

Fuat Kilic hatte überraschend Illias Azaouaghi in die Startelf geschoben, der es letzte Woche nicht mal in den Kader geschafft hatte. Der Neuzugang sollte dem offensivstarken Patrick Koronkiewicz ein paar Fesseln anlegen. Aachens Trainer überraschte auch taktisch, denn aus dem Abwehrchef Maurice Pluntke wurde an diesem Nachmittag – zumindest über weite Strecken – ein defensiver Mittelfeldspieler. 

Die Aachener zeigten wenig Angst vor großen Namen, auch beim Meister kamen sie als Draufgänger auf das Feld. Die ersten kleineren Gelegenheiten gingen an die Gäste. Mal flog ein Fernschuss von Tobias Mohr am Tor vorbei (16.), dann fiel ein Kopfball von Junior Torunarigha aufs Tornetz (18.). Viktorias Trainer Marco Antwerpen  stand schon früh an der Seitenlinie und schob seine Spieler pantomimisch nach vorne wie ein Hafenarbeiter leere Kisten.

Seine Mannschaft musste sich auf Konter beschränken. Gefährlich war das lange Zeit nicht, bis zur 29. Minute. Andre Wallenborn entwischte dem sonst so aufmerksamen Nils Winter, Aachens Alexander Heinze kam zu spät. Elfmeter. Vergeblich forderte Kölns Manuel Junglas noch eine weitere Gelbe Karte für den bereits vorbestraften Aachener Innenverteidiger. Ein Meter Anlauf reichten Mike Wunderlich, um sicher den Elfmeter zu verwandeln.

Kölns Kapitän drehte auf, seinen abgefälschten Schuss aus 16 Metern parierte Mark Depta glänzend (31.). Ein paar Sekunden später war der Keeper dann machtlos, Wunderlich zirkelte gekonnt einen Freistoß aus 25 Metern zum 2:0 ins Tor (33.). Der Großmeister des ruhenden Balles hatte wieder zugeschlagen.

Zum ersten Mal in dieser Saison geriet Aachens Mannschaft in Gefahr, unter die Räder zu kommen. Das Team schüttelte sich, um sich dann entschlossen zurückzumelden. Mergim Fejzullahu spritzte in die nächste Vorlage von Tobias Mohr und verkürzte aus drei Metern zum 2:1 (40.). Für den Angreifer gilt bislang das feine Motto: jedes Spiel ein Treffer.

Aachen hätte noch vor dem Wechsel ausgleichen können: Torunarigha scheiterte per Kopf an Torwart Sebastian Patzler (42.), dann zirkelte der starke Mohr einen Freistoß vom Strafraumeck am Tor vorbei (45.). Die Gäste machten keinen Hehl aus ihren Ambitionen. Sekunden nach dem Seitenwechsel knallte Mike Kühnel den Ball aus 19 Metern volley an den Innenpfosten. Der Ausgleich bahnte sich an, und er fiel umgehend. Heinze köpfte einen Fejzullahu-Eckball wuchtig ein zum 2:2 (47.).

Das Pendel schlug wieder in die andere Richtung aus, die Gäste wollten mehr. Aber dann fiel ein Treffer, der nicht so richtig zu dieser intensiven Partie passte. Der Ex-Aachener Manuel Junglas verlängerte mit dem Kopf einen Ball in Richtung Aachener Tor. Es war eine harmlose Bogenlampe, die dennoch zum 3:2 führte, weil Depta zu weit vor seinem Tor stand (55.). „Das war der Genickbruch für uns", war nicht nur Kilic am Ende sicher.

Er wechselte noch ein paar Stürmer ein, variierte das System, aber zu guten Möglichkeiten kamen die Jungspunde nicht mehr. Mit nervigem Zeitspiel bewegte sich Viktoria in Richtung Ziellinie. Der lange Dominik Lanius köpfte noch das 4:2 (86), selbstredend nach einem Eckball. „Spielerischer Durchschnitt, glücklich gewonnen“, lautete das Fazit von Siegertrainer Marco Antwerpen.

Sein Kontrahent kletterte nach der bitteren Niederlage enttäuscht in den Bus. „Das Ergebnis spiegelt die Partie nicht wieder, wir hatten mehr verdient.“

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