„Wir dürfen jetzt nicht träumen”

Von: Klaus Schmidt
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Sirtaki in Westfalen: „Chef-Eintänzer” Lewis Holtby und „Flötenspieler” Hrvoje Vukovic feiern Alemannias 2:0 an der Werse. Foto: Henning Wegener

Ahlen. Die Materialkisten waren zum großen Teil verstaut, viele Mitglieder der Belegschaft hatten sich schon im Mannschaftsbus niedergelassen. Dann das Kommando: Alle noch mal raus, zurück in die Kabine. Es folgte keine Predigt, Jürgen Seeberger teilte nur eine kurzfristige Änderung des Trainingsplans mit.

Eigentlich wollte Alemannia Aachens Trainer nach dem ungefährdeten 2:0 bei Rot-Weiß Ahlen „im Rhythmus bleiben” und den Kader am folgenden Vormittag zu Pflege und Auslaufen versammeln. Den freien Ostermontag hatten die Schwarz-Gelben schließlich Sportdirektor Andreas Bornemann zu verdanken - Seeberger ließ sich überzeugen und zog das Routine-Programm auf die unmittelbare Rückkehr an den Tivoli vor.

Dieser Ausflug nach Westfalen war eine unaufgeregte Sache, und mit etwas mehr Biss in der zweiten Halbzeit hätte Alemannia einiges fürs Torverhältnis tun können. Keeper Thorsten Stuckmann: „Da haben wir das Ergebnis nur noch verwaltet.” Der Chefcoach bemängelte denn auch: „Da mussten wir mehr Konter fahren.”

Die Effizienz bis zur Pause, als der Endstand durch Tore von Benny Auer (13.) und Lewis Holtby (37.) schon aktenkundig war, und die Souveränität im Abwehrverhalten reichten, um Zweifel bei Tribünengast Stefan Emmerling zu schüren - sein Trainervertrag ab Sommer in Ahlen gilt nur für die 2. Liga.

Aachens Sportliche Leitung wähnt ihr Team indes vor dem Endspurt einer Saison, die bislang wie mit Kaugummi unter den Sohlen wirkte, in der richtigen Richtung. Seeberger: „Es ist wichtig, jetzt Konstanz reinzukriegen.” Bornemann: „Die Art und Weise, wie die Mannschaft spielt, zeigt, dass sie sich inzwischen wohlfühlt mit dem, was dem Trainer vorschwebt.”

Nach drei Niederlagen folgten nun drei Siege in Serie, darunter zwei Mal auswärts - das gab es zuletzt gegen Ende der vergangenen Saison (vom 31. bis zum 33. Spieltag).

Eine Attraktion im Werse-Stadion war wieder einmal Lewis Holtby. Der 18-Jährige glaubte schon beim Frühstück geahnt zu haben, dass dieser Tag erfolgreich enden würde. 1899 Hoffenheim, neben Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg wohl der heißeste Interessent, hatte diesmal Co-Trainer Achim Sarstedt zur Beobachtung geschickt. Alemannias Roh-Diamant hat sich entschlossen, „die Saison zu Ende zu spielen und dann zu schauen, wie es weitergeht”. Doch da erwartet Andreas Bornemann vom Berater eine zeitnähere Äußerung: „Wir müssen schließlich auch planen.”

Holtby feierte sein Tor absprachegemäß mit den Kollegen Hrvoje Vukovic und Szilard Nemeth und einem griechischen Tanz, einer Vorlage aus „Britain´s got talent”, das Paul Potts berühmt machte. „Wir hatten das im Hotel gesehen und beschlossen: Das machen wir, wenn einer von uns trifft.”

Nur noch vier Punkte liegt Alemannia hinter Relegations-Platz drei. „Aber wir dürfen jetzt nicht anfangen zu träumen”, sagt der Jungspund, schon ganz wie ein altgedienter Profi. „Wir müssen jedes Spiel ernstnehmen, gewinnen und dann mal schauen.”

Pekka Lagerblom, der in Ahlen starke Argumente für eine Vertragsverlängerung auftischte, gab die allgemeine Sprachregelung vor. „Ob noch was drin ist? Wenn wir konzentriert bleiben, werden wir belohnt - oder nicht.”

Auch Andreas Bornemann hat in seiner kurzen Amtszeit schon zu oft in der Achterbahn gesessen. „Wir sind in den letzten Wochen gut damit gefahren, nur von Spiel zu Spiel zu schauen. Und am Sonntag ist das nächste Spiel.”

Was jetzt noch folgt? „Ziel muss der vierte Sieg in Folge sein”, sagt Thorsten Stuckmann. Das wäre mal was Neues - denn solch eine Serie hat es unter Jürgen Seeberger noch nicht gegeben.
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