Offenbach/Aachen - Widerspenstige lassen sich nicht zähmen

Widerspenstige lassen sich nicht zähmen

Von: Christoph Pauli
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Hinein ins Glück: Denis Pozder erzielt Aachens verdienten Ausgleich. Foto: Digitalfoto Matthias

Offenbach/Aachen. Die Spieler lagen am Boden, machten den Eindruck, sie wären mit 30 Kilo Marschgepäck durchs Gebirge geklettert. Nach dem Schlusspfiff sackten die Aachener Dauerläufer Oguzhan Kefkir, Sasa Strujic und Kristoffer Andersen zusammen. Drei Spiele innerhalb von acht Tagen auf tiefen Böden hatten unglaublich Kraft gekostet. Und in Offenbach stand für die junge Mannschaft eine neue Seminararbeit an, sie geriet kurz vor Ende erstmals in Rückstand.

Auch diese (mentale) Herausforderung bestand die Nachwuchsmannschaft durchaus bemerkenswert. 1:1 endete Alemannias Ausflug auf den Bieberer Berg.

Nach den ersten harten Aufgaben in der 3. Liga steht die überraschende Erkenntnis, dass diese enorm ausgedünnte Mannschaft mithalten kann. Drei Spiele, fünf Punkte, ein Gegentor: da sind keine Wettbewerbsverzerrer unterwegs, sondern enorm widerspenstige Wettkämpfer. „Wir müssen keine Angst haben, wir können mithalten“, ist der erste Zwischenbescheid des starken Kristoffer Andersen. „Diese Mannschaft“, sagt ihr René van Eck später feierlich, „diese Mannschaft hat eine unglaubliche Moral.“

Der Trainer hatte in Offenbach seine Mannschaft weiter verändern müssen, Thiele und Brauer fehlten, und Robert Leipertz wurde mit seinen Hüftproblemen zunächst geschont, für ihn rutschte Norikazu Murakami erstmals in die Startelf. Offenbach wollte das Jugendteam überrennen. Nach 130 Sekunden zirkelte Julius Reinhardt einen Freistoß aus 22 Metern aufs Tor, Mark Flekken lenkte die Kugel an die Latte. Auch die folgende Ecke stiftete ausreichend Verwirrung.

Offenbach hatte den Schlüssel gefunden – und warf ihn wieder weg. Die Mannschaft zog sich nach fulminanten drei Minuten zurück, überließ Alemannia respektvoll die Initiative. Eine Begründung dafür lieferte Offenbachs zunehmend kritisch beäugter Trainer Arie van Lent später nach: „Wir können nicht pressen, wir sind besser, wenn wir aus einem kompakten Block kommen.“ Die Offenbacher demonstrierten den gut 5000 Zuschauern sehr anschaulich, wie ein Team nach fünf Niederlagen in Serie an Sicherheit und Zuversicht verlieren kann.

Die Fehler häuften sich, aber auch die Aachener wussten mit den Freiräumen nicht sonderlich viel anzufangen. Vermutlich erst in der Halbzeit realisierten die Aachener dass an diesem winterlichen Tag die maximale Ausbeute möglich war. Sie wurden forscher. Wilschrey spielte Marquet frei, dessen Heber senkte sich knapp neben das Tor (50.). Dann traf Murakami aus 14 Metern mit einem platzierten Schuss nur die strammen Waden von Kapitän Sascha Herröder (51.).

Die Partie nahm endlich Fahrt auf. Der Ex-Aachener Fabian Bäcker kurvte in den Strafraum, hatte freie Schussbahn, scheiterte am großartigen Mark Flekken, der bis dato in der Liga noch unbezwungen war (65.). Offenbacher Gelegenheiten blieben die Ausnahme. Aachen war das fußballerisch bessere Team, aber in Führung gingen die Hausherren.

Ein ruhender Ball musste dafür herhalten. Standards sind nach dem Weggang/Ausfall guter Kopfballspieler die Sollbruchstelle im Aachener Spiel. Flekken wurde hart angegangen im Fünfmeterraum, bekam den Eckball nicht richtig vor die Fäuste, eher unverhofft köpfte Innenverteidiger Stefan Kleineheismann das 1:0 (79.). Van Eck reagierte, warf Leipertz und Pozder in die Partie. Alemannia konnte auch am Ende der englischen Woche noch einmal die Schlagzahl gewaltig erhöhen. Die verdiente Belohnung stellte sich ein. Leipertz traf freistehend die Latte, Kefkir verzog den Nachschuss, doch Pozder staubte fröhlich ab (85.).

Die junge Mannschaft setzte nach, wollte den K.o-Schlag, doch Offenbach rettete sich taumelnd über die Zeit. „Wir sind ein Team mit einer großen Moral, dieser Punkt fühlt sich an wie ein Sieg“, freute sich Robert Leipertz am Ende des Arbeitstages. Die Aachener haben es sich in der Außenseiterrolle eingerichtet. Van Eck hat seiner Mannschaft erklärt, dass außerhalb der Kabine das verminte Terrain beginnt. „Wir werden belächelt, weil wir nicht am Abend vorher anreisen, weil wir keinen einheitlichen Anzug haben. Aber wir sind eine Mannschaft, die sich wehrt.“


Dann trat der bunte Haufen mit durchaus individuellem Modegeschmack die Heimreise an. Belächelt wurde die „Touristengruppe“ nicht mehr.


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