Wer zerschlägt den Gordischen Knoten?

Von: Klaus Schmidt
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Wenn´s doch nur immer so gut gefüllt wäre... Der neue Tivoli, hier im Flutlicht-Glanz gegen Mainz, bereitet Alemannia ein paar Sorgen zu viel. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die Mannschaft spielt seit dieser Saison wieder attraktiven Fußball und fährt seit Wochen auch schöne Erfolge ein. Der Pokal-Coup gegen den FSV Mainz 05 machte am Sonntag in der Liga gegen den VfL Osnabrück rund 5000 Zuschauern mehr Beine als zuvor gegen den FC Ingolstadt.

Eigentlich alles wieder in ruhigem Fahrwasser - doch nun, knapp 15 Monate nach der Eröffnung des schicken neuen Tivoli, ist der Aufsichtsratsvorsitzende der Alemannia Aachen GmbH mit einem Interview an die Öffentlichkeit gegangen, das den Fußball-Zweitligisten eher in schwerer See wähnt. Kernsatz von Meino Heyen auf der Vereins-Homepage: „Wenn wir nicht jedes Jahr dieselben Probleme wälzen wollen, müssen wir die Kapitalkosten für das Stadion mindestens halbieren.”

Ungewöhnlich, dass ein Klub so offensiv mit einem unangenehmen Thema umgeht. Den ersten Eindruck, hier schreie jemand aus lauter akuter Not um Hilfe, wischt Heyen, seit drei Monaten im Amt, jedoch vom Tisch. „Ich habe mir auf die Fahne geschrieben zu sagen, wo der Hammer wirklich hängt bei Alemannia.”

Was in der Vergangenheit gerade in Sachen Stadionfinanzierung oft nur tröpfchenweise ans Tageslicht kam, will Heyen konkret benennen. „Wir liegen im Plan. Die Zuschauerzahlen haben uns zwar ein bisschen zurückgeworfen, aber der Pokal hat´s wieder rausgerissen. Wir werden die Saison gut überstehen.”

Aber: Der Chef des Aufsichtsrats möchte „auch mal wieder in der Lage sein, Erik Meijer zu sagen: Diesen Spieler kannst Du behalten. Das geht im Moment nicht.” Im administrativen Personalbereich wurde schon gespart, „doch damit durchschlägt man den Gordischen Knoten nicht. Wenn wir langfristig überleben und gut aufgestellt sein wollen, müssen wir an den Brocken Stadionfinanzierung ran.”

Der Klub, der stets voller Stolz die Eigenfinanzierung, ohne öffentliche Mittel, zum 50-Millionen-Euro-Festpreis herausgestellt hatte, trägt eine schwere Last - sechs Millionen Euro jährlich. Den „Namen Tivoli jetzt doch noch zu versilbern, ist nicht Teil der Planungen”, stellt Geschäftsführer Frithjof Kraemer klar. Es geht um eine Umfinanzierung und damit um eine Neuregelung der Eigentümerverhältnisse.

„Ein Großteil, nicht alles, ließe sich umschulden”, sagt Meino Heyen und hofft, in den nächsten Monaten einen oder mehrere strategische Partner ins Boot holen zu können. Wie hoch eine Mehrheitsbeteiligung am Stadion ausfallen könnte, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Heyen betont allerdings: „Wir werden das Thema Alemannia nicht aus der Hand geben.”

Finanzexperten, so Heyen, fielen „immer vom Stuhl, wenn sie hören, wie hoch die Belastung für das Stadion bei uns als Zweitligist ist”. Der mit einem Fassungsvermögen von 32900 Zuschauern optimistisch - manche sagen auch: viel zu groß - gestaltete Tivoli hat Alemannia zweifellos unters Sauerstoffzelt gebracht. Dass nun auch noch die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden muss, sieht Heyen nicht. „Jetzt”, in einer Phase, die aus sportlicher Sicht wieder Spaß macht und eine Perspektive verspricht, „ist die Zeit, mit den Leuten zu reden. Und ich hoffe, es gibt in der Stadt ein paar kluge Leute.”

Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp hatte vergangene Woche ein Gespräch mit Klub-Vertretern geführt - „offen und direkt”, dafür war der OB „dankbar”. Die Stadt als Eigentümer des neuen Tivoli schloss Philipp kategorisch aus. Wenn nun „eine Institution oder ein Investor” bei der Umfinanzierung helfen würde, wäre das allerdings „auch für die Stadt Aachen gut”. Die hatte der Alemannia im Frühjahr mit Bürgschaften über 5,5 Millionen Euro den Gang ins Insolvenzverfahren erspart...
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