Weiter gesucht: Mut, Selbstvertrauen, Tore

Von: Klaus Schmidt
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Der Trainer als Aufbau-Arbeite
Der Trainer als Aufbau-Arbeiter: Friedhelm Funkel mit (von links) Alper Uludag, „Physio” Julian Holtz, Benny Auer und Reinhold Foto: Matthias Koch

Berlin. Mag sein, dass dies eine entscheidende Szene war. Nachdem die Feldspieler-Kollegen sich 20 Minuten lang schwergetan hatten, versuchte es mal die „letzte Instanz”. Boy Waterman also schlug einen klugen, entschlossenen und präzisen Ball aus seinem Strafraum, in den Fuß von Marco Stiepermann.

Die Leihgabe aus Dortmund zog an Pfertzel vorbei, aufs Tor zu, der Alemanne holte zum Schuss aus - und zielte knapp vorbei.

„Wenn er den reinmacht”, mutmaßte hinterher Timo Achenbach, „dann läuft das hier anders.” So lief es, wie es praktisch seit Saisonbeginn läuft für Aachens Fußball-Zweitligisten: bemüht, aber erfolglos. Daran änderte auch der Trainerwechsel nichts, 0:2 ging die Premiere von Friedhelm Funkel bei Union Berlin verloren. „Ich kann den Jungs ja nicht vorwerfen, dass sie nicht wollen”, so hatte man es auch von Vorgänger Peter Hyballa stets gehört. Und: „Wir haben das Spiel ganz gut kontrolliert. Aber das war zu wenig. Wir müssen mehr Nadelstiche setzen.”

Woche für Woche schreibt die Mannschaft ihre ernüchternden Bilanzen fort. Immer noch sieglos, saisonübergreifend seit elf Partien ohne „Dreier”. Seit 623 Minuten ohne Tor, nach neun Runden überhaupt erst einen Treffer erzielt. Das ist nicht nur vereins-, sondern auch ligahistorisch ein neuer Rekord. Die Harmlosigkeit in der Offensive konnte Funkel in den wenigen Tagen seit Amtsantritt auch an der Alten Försterei nicht austreiben.

Ein selbstbewussterer Gegner hätte Union wohl in die Knie gezwungen. Die Tore - Ergebnis von zwei „ruhenden Bällen”. Sechs Minuten vor der Pause hatte Mattuschka eine Ecke getreten, lang über den Strafraum hinweg. Ein großer Plan steckte nicht dahinter, als Kohlmann den Ball zurückdrosch. „Normalerweise”, ahnte Funkel, „geht der Ball fünf, sechs Meter am Tor vorbei.” Tat er nicht, weil Karl „im Weg” stand und quasi zum 1:0 gezwungen wurde. Für den Endstand sorgte dann Mattuschka (88.) mit einem Elfmeter, den Schiedsrichter Rafati nach Olajengbesis Duell mit Quiring verhängt hatte.

„Ein verdienter Sieg”, da wollte auch Funkel „nicht drumrum reden.” Zu dürftig war Alemannias Ausbeute in der Offensive. „Wir waren nicht zwingend, teilweise hat man der Mannschaft auch angesehen, dass das Selbstvertrauen nicht da ist”, sagte Kevin Kratz. Nach dem neuerlichen Misserfolg erhitzten sich die Gemüter im Block der mitgereisten Fans.

„Ich weiß nicht, ob es was bringt, dann zu diskutieren”, sagte Timo Achenbach, „wir müssen uns nicht beschimpfen und den Mittelfinger zeigen lassen.” Das Team ging dann zunächst in die Kabine, kam später aber noch mal heraus. Funkel: „Es gibt immer welche dazwischen, von denen man denkt, dass gleich die Halsschlagader platzt. Ich weiß, dass auch die Fans eine Leidenszeit haben. Aber die Mehrheit hat uns Mut zugesprochen.”

„Schlechter kann es ja nicht werden”, sagt Kevin Kratz; seit Sonntag ist Alemannia wieder Tabellenletzter. Timo Achenbach ist dennoch „nicht verzweifelt. Wir geben weiter Gas, dann werden die Siege auch kommen.” Das klingt wie das Rufen im Walde, genau so wie Kratz Einschätzung: „So schlecht sind wir doch nicht.” Das durfte schon einmal ein Kader von sich behaupten - am Ende der Saison 1989/90 war Alemannia in die Drittklassigkeit abgestiegen.

Eine schwierige Aufgabe für Friedhelm Funkel: Er muss den Spagat hinkriegen, Schwächen auszutreiben, ohne der Mannschaft den letzten Glauben an ihre Fähigkeiten zu nehmen. Das geht nur über das berühmte „Erfolgserlebnis, das müssen wir uns holen. Wir müssen freier werden, mutiger nach vorne spielen, schon am Freitag gegen den FSV Frankfurt. Da muss der Knoten platzen.”

So abgedroschen das klingt, Kevin Kratz liegt wohl richtig, wenn er sagt: „Nur mit Arbeit kommen wir da unten raus.”
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