Wegberg hat die Alemannia im Schwitzkasten

Von: Klaus Schmidt
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Im Laufschritt: Wegberg-Beecks Patrick Ajani (links) versucht, Alemannias Florian Rüter (Mitte) zu stoppen. Am Ende verdiente sich der Außenseiter ein 2:2 gegen die Aachener. Foto: Günter Passage

Wegberg. Nach Spiel eins nach Alexander Klitzpera musste sich Fuat Kilic erst mal sortieren. Auf den Trainer von Alemannia Aachen kommen ab Montag schließlich zusätzliche Aufgaben zu; ob zum Beispiel eine Rückkehr von Bastian Müller in den Kader ein Thema sein könnte, wollte Kilic noch nicht beantworten.

Der Coach musste sich auch sortieren ob dieser erst in der Schlussphase energischen Leistung seiner Mannschaft im Regionalliga-Derby beim FC Wegberg-Beeck, der den Favoriten im Schwitzkasten hatte. In Unterzahl machte Alemannia Aachen aus einem 0:2 noch ein 2:2, zufrieden durfte indes nur der Kollege Friedel Henßen sein „mit der Einstellung und Bereitschaft“ seines Teams. „Auch wenn das bitter und ärgerlich ist, noch zwei Tore zu bekommen.“

Die Alemannia-Fans hatten hinterher noch Redebedarf. Rund 200 Anhänger versammelten sich auf der Straße vor dem Waldstadion, Trainer und Mannschaft stellten sich einer (friedlich verlaufenden) Runde der Kritik, unter den Argusaugen von rund 40 Polizisten. Der Bus konnte erst eineinhalb Stunden nach dem Abpfiff losrollen.

„Nicht unser Anspruch“

„Es war wie in den letzten Wochen“, sagte Aachens Tobias Mohr. „Wir haben in den ersten 20 Minuten das Heft in der Hand und kassieren dann ein dummes Tor.“ Und Philipp Gödde fasste zusammen: „Es ist nicht unser Anspruch, in Wegberg 2:2 zu spielen.“

Gegen den seit Ostermontag auch rechnerisch als erster Absteiger feststehenden FC zog Alemannia schnell das Tempo an, vor allem über die Flügel machte der Favorit Dampf. Rüter passte von rechts auf Engelbrecht, der Mittelstürmer setzte den Ball neben den Pfosten (6.). Mohr holte eine Ecke heraus, in deren Anschluss Rossmann aus 16 Metern über die Latte schoss (9.). Wegberg-Beeck hatte reichlich zu tun in der eigenen Hälfte, konnte meist nur reagieren. „Wir standen zu weit weg von den Leuten“, monierte Friedel Henßen. Entlastung gab es tatsächlich mal, eine gute Viertelstunde war da gespielt, als Kumanini mit einem Versuch aus rund 18 Metern ein erstes Signal gab.

Die Gastgeber warteten geduldig auf ihre Konterchance, und sie kam. Nach einem Aachener Freistoß war der Raum frei, Richter schickte Lambertz, Alemannia-Keeper Kleinheider wurde umspielt, flach landete der Ball im langen Eck (23.). „Sobald der Gegner durch ist, geht das Ding auch rein – wie in den letzten Wochen“, sagte Kilic.

Wegberg erntete die Früchte für beherzten Einsatz, der Mut wuchs von Minute zu Minute. Die Schwarz-Gelben bauten dagegen dramatisch ab und verloren den Zugriff auf Gegner und Partie. Die Freude des FC über die Pausenführung wurde nur durch die blutende Lippenverletzung von Dagistan getrübt, der Ex-Alemanne musste auf der Trage vom Platz. Alemannias Auftritt reihte sich ein in die Serie peinlicher Vorstellungen in einer verkorksten Saison, mit schwacher Zweikampfführung, zunehmender Ideenlosigkeit, unstrukturierten Angriffsversuchen und hoher Fehlpassquote.

Kilic reagierte zum Seitenwechsel mit der Einwechslung von Graudenz für Lünenbach. Aimen Demai verbreitete auf der Tribüne noch Zuversicht, dass dieses Spiel eine Wendung nehmen würde. Das Gegenteil trat ein: FC-Kapitän Berkigt schlug einen Eckball auf den Kopf von Wirtz, der frei zum 2:0 einnetzen konnte (48.).

Walbaum im Pech

Die Amateure erspielten sich weitere Konterchancen, die Profis garnierten ihren Auftritt mit der Gelb-Roten Karte für Dowidat nach Foul an Wirtz (58.). Und mit einem vergebenen Elfmeter, nachdem Engelbrecht von Küppers gelegt worden war – Keeper Nettekoven lenkte den Ball von Aachens Nummer 9 um den Pfosten (63.).

Die Blamage nahm Konturen an, ehe Löhden mit einem Kopfballtor nach Ecke von Mohr (71.) verkürzte. Nettekoven parierte gegen Propheter, auf der anderen Seite hätte ein Freistoß von Walbaum um ein Haar den alten Abstand wiederhergestellt. „Wenn der reingeht“, sinnierte Henßen, „dann ist Aachen am Boden.“ So schlug Mohr einen Freistoß, der eingewechselte Gödde zog ab, der Ball wurde noch von Ajani zum 2:2 abgefälscht (80.). Wegberg baute konditionell ab, stemmte sich gegen die Niederlage. Und Nettekoven hielt in der Nachspielzeit den Punkt gegen Graudenz fest.

Löhden übertrug sein Fazit auf die ganze Saison: „Das hat nichts mit Mentalität, sondern mit Qualität zu tun. Da muss man einfach ehrlich sein.“

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