Warum die Frage des Präsidenten plötzlich so emotional ist

Von: Angemerkt von Hans-Peter Leisten
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Was ist bislang passiert? Erstens: Die in einer Interessengemeinschaft organisierten Fans haben sich ihren Lieblingskandidaten für das Präsidentenamt ausgeguckt. Der Alte soll auch der Neue sein. Vollkommen legitim, zumal die IG absolut firm in Sachen Vereinssatzung ist. Die IG hat Vorschlagsrecht.

Zweitens: Der Verwaltungsrat hat diesen Kandidaten abgelehnt. Wozu er laut Satzung zweifelsfrei das Recht hat. Im Grunde also auch legitim.

Zum Problem scheint allerdings die Außendarstellung dieser gegensätzlichen Positionen zu werden, weil letztlich niemand die Karten wirklich auf den Tisch legt. Sprich: Welche Gründe gegen den Präsidenten sprechen.

Horst Heinrichs hat eine enorme Reputation bei den Fans - weil er im Grunde aus ihren Kreisen kommt und weil seine Ägide die vielleicht erfolgreichste der Vereinsgeschichte ist. Diese sieben Jahren stehen auch für eine bemerkenswerte personelle Kontinuität.

Und genau hier könnte das eigentliche Problem liegen, denn in dieser Zeit hat sich 2006 eine klare Machtverschiebung vollzogen: weg vom Verein Alemannia Aachen hin zur Alemannia GmbH. Die Lizenzspieler-Abteilung ist in ein Wirtschaftsunternehmen umgewandelt worden und kein Verein mehr.

Egal wie die Kicker nun glänzen oder dilettieren, sie sind und bleiben das Premium-Produkt der Alemannia. Und zuständig ist der Aufsichtsrat und nicht das Vereinspräsidium mit Horst Heinrichs. Dies zu akzeptieren fällt Horst Heinrichs offensichtlich schwer. Wer sieht schon gerne zu, wenn sich die Scheinwerfer von ihm abwenden...

Es ändert aber nichts daran, dass die Präsidentenfrage relativiert werden muss. Die eigentliche Bedeutung des kommenden Vereinspräsidenten - ganz gleich, wie er heißt - ist, die Alemannia-Seele zu verkörpern. Und das kann nur im Verein mit seinen Abteilungen und nicht in der ausgegliederten GmbH funktionieren. Die Fans spüren dies offensichtlich und machen sich wohl auch deshalb so stark für ihren „Präsi”.

Im deutschen Profi-Fußball hat sich dieser Zeitenwechsel hin zu modernen Unternehmen allerdings allgemein längst vollzogen. Der Präsident ist Repräsentant und qua Amt als Mitglied in der GmbH einer von vielen.

Horst Heinrichs hat wohl im Verwaltungsrat nicht mehr allzu viele Freunde - so berichten jedenfalls die viel zitierten gut unterrichteten Kreise. Und es soll dort nach Informationen unserer Zeitung Mitglieder geben, die ihren Verbleib im Gremium bei einer weiteren Präsidentschaft von Heinrichs ausschließen - und die nach Stand der Dinge in der Mehrheit sind.

Im Grunde ist also im Vergleich zu früheren Zeiten bei der Alemannia nicht wirklich etwas passiert. Da hat man rund um den Tivoli schon ganz andere Dinge erlebt. Zur Schlammschlacht könnte die Präsidentenwahl aber wirklich werden, wenn der Verwaltungsrat die Begründung für seinen Kandidaten nicht transparent macht.

Aus Kreisen der Fan-IG gibt es bereits heute eine unmissverständliche Botschaft: Die Alemannia-Seele schlummert im „e.V.”, bitte keine Apparatschiks an die Spitze des Vereins setzen.

Ein Kandidat aus dieser Gruppe würde große Gefahr laufen, bei der Mitgliederversammlung enorm Gegenstimmen zu provozieren, und wäre bereits am Start beschädigt. Der Präsident bleibt in der öffentlichen Wahrnehmung nun mal ein exponierter Repräsentant „der Alemannia”.
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