Von der Ehre, für solch einen Klub zu arbeiten

Von: Klaus Schmidt
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Gibt‘s mal wieder ein Erfolgserlebnis zu notieren? Uwe Fecht, Assistent von Christian Benbennek. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Um zu verstehen, wie dieser Mann tickt, muss man sich erinnern an die Zeiten, in denen er noch selbst Fußball gespielt hat. Es waren die Achtziger Jahre, als die Verteidiger noch Vorstopper hießen, einen Libero hinter sich hatten und das Wort Raumdeckung noch in keinem Fachbuch auftauchte.

Diese Vorstopper klebten ihren Gegnern am Leib, Uwe Fecht war da ziemlich eifrig gegen Jürgen Klinsmann, Bruno Labbadia, Jimmy Hartwig oder auch Norbert „Jerry“ Dörmann, wenn der mit Alemannia Aachen auf den MSV Duisburg traf. Fecht hat diese Spiele auf dem alten Tivoli erlebt, den Libero Kees Bregman hinter sich, und Fecht hat es genossen.

Ein Fußballverrückter

Seit dieser Saison ist der inzwischen 56-Jährige Co-Trainer am neuen Tivoli, und wenn er darüber redet, leuchten die Augen, die Stimme gibt sich keine Mühe, mit der Begeisterung hinter dem Berg zu halten. „Wenn ein Verein wie Alemannia Aachen anruft, dann fährt ein Fußballverrückter – und ich bin ein Fußballverrückter – auch mit dem Fahrrad da hin.“

Uwe Fecht ist einer vom alten Schlag, er war nicht übermäßig ausgestattet mit fußballerischen Qualitäten. Aber er hat das Beste daraus gemacht, kämpfte mit dem MSV um den Aufstieg in die Bundesliga und hängte die Schuhe erst mit 38 beim Wuppertaler SV an den Nagel.

Was dieser Mann nicht verstehen kann: wenn einer seine Fähigkeiten verschleudert. Das hat er schon manchem im Laufe seiner Trainerkarriere gesagt: „Wenn ich Dein Talent gehabt hätte, wäre ich Erstligaspieler geworden.“

Auch die Schwarz-Gelben haben manchen feinen Fußballer in ihren Reihen, aber die Mannschaft schreitet gerade durch schwierige Wochen. Fecht kennt solche Phasen und weiß, dass gerade „ein psychologisches Spiel“ stattfindet.

Man stehe ja immer noch „ordentlich da“, das Problem ist nur: die Reihenfolge von Siegen und Niederlagen. „Wären die anders verteilt, würde ja keiner was sagen. Gerade in dieser Regionalliga fegt keine Mannschaft so durch. Es ist eine Floskel, aber wahr: Die Spiele werden im Kopf entschieden.“ Nächste Gelegenheit: heute (14.00 Uhr) bei der aufstrebenden SG Wattenscheid 09.

Fecht wurde von Manager Alexander Klitzpera mit Christian Benbennek zusammengeführt. Der Chef und der „Co“ (zuvor beim KFC Uerdingen in gleicher Funktion) berichten übereinstimmend, dass man sich von Anfang an verstanden habe, sie schätzen sich und teilen die Aufgaben so, wie es in vielen Trainergespannen üblich ist. „Der Assistent nimmt einen Spieler schon mal eher in den Arm.“

Manche brauchen das Streicheln über den Kopf, andere eher eine härtere Ansage. Uwe Fecht appelliert gerne an die Ehre, für einen Klub wie Alemannia unterwegs sein zu dürfen. Und er verlangt, was er stets von sich selbst in seiner Zeit als Fußballer verlangt hat: „24 Stunden für den Verein zu leben.

Auf Strecke wird ehrliche Arbeit belohnt.“ Fecht ist authentischer Vertreter solcher Werte wie Ehrlichkeit, ein Verfechter des Teamgeists, er sagt: „Charakter und Leidenschaft schlagen Talent. Talent gewinnt vielleicht drei Spiele im Jahr. Dann ist Ende.“

Der Mann kann das beurteilen, er war Scout für Schalke 04 und hielt zwischen 2006 und 2009 für Borussia Mönchengladbach die Augen offen. Das verlockende Angebot einer Festanstellung schlug er aus. „Nach zwei schlaflosen Nächten. Am Ende hat der Verstand gesiegt“, Fecht mochte seinen Job bei einer Bank, den er über 30 Jahre ausgeübt hatte, nicht opfern, vor allem aus einer Verantwortung heraus gegenüber der Familie mit drei Kindern. Fußballverrückt – ja. Aber so verrückt dann auch wieder nicht.

Voraussichtliche Aufstellung: Löhe - Ernst, Hackenberg, Löhden, Vrzogic - Müller, Staffeldt, Demai (Lünenbach), Graudenz - Zieba, Rüter

Schiedsrichter: Lukas Sauer (Kamen)

Bilanz gegen Wattenscheid: 46 Spiele/18 Siege, 7 Remis, 21 Niederlagen

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