Aachen - „Vier Regionalligen, vier Auf- und vier Absteiger“

„Vier Regionalligen, vier Auf- und vier Absteiger“

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Klare Vorstellung von der Zukunft der Regionalliga: Alemannia-Präsident Martin Fröhlich. Foto: Jérôme Gras

Aachen. Über Alemannia Aachen hat sich der DFB-Vize-Präsident Rainer Koch schon vor ein paar Monaten Gedanken gemacht. „Zwei Insolvenzen in fünf Jahren sind völlig inakzeptabel und Negativwerbung für den Fußball.“ Der Verein habe den höchsten Zuschauerschnitt aller Regionalligisten.

„Wenn ich mit mehr als 6500 Zuschauern pro Spiel nicht auskomme, kann es nicht an der Regionalliga als solcher liegen, wenn andererseits viele Vereine mit 1000 Zuschauern im Schnitt auskommen können“, urteilte Koch, der zuständig ist für den Amateurfußball beim weltgrößten Verband.

Die Vereine haben zuweilen eine andere Sicht auf ihre Lage als es Koch hat, der auch dem Bayerischen Fußballverband vorsteht. Fast alle Klubs beklagen die nahezu ausweglose Situation in der Regionalliga. Die 4. Liga ist wie eine einsame Insel, die nicht mal die stärksten verlassen dürfen. Wer hier gestrandet ist, hat düstere Aussichten.

„Diese Anomalie, dass nicht einmal der Meister aufsteigen darf, gibt es in keiner anderen Fußball-Liga“, klagt Alemannias Präsident Martin Fröhlich. Der Jurist ist am Wochenende in Leipzig als Redner eingeladen bei der „Herbsttagung der Arbeitsgemeinschaft Sportrecht im Deutschen Anwaltsverein“. Der Kongress beschäftigt sich mit der ersehnten Strukturreform.

Hohe Insolvenzdichte

Vor fünf Jahren ist die fünfköpfige Regionalliga eingeführt worden –mit Zustimmung der Vereine, die sich daran nicht mehr gerne erinnern. Mehr Ligen bedeutete kürzere Fahrstrecken und mehr publikumsträchtige Derbys. So war der Plan. Aber längst stellen die Beteiligten fest, dass die Insolvenzdichte der Regionalligisten unerwartet hoch ist. Besonders die Traditionsvereine fordern eine verbesserte Aufstiegsperspektive, sagt Fröhlich. Nur so würden die Klubs auch attraktiver für mögliche Sponsoren.

Fröhlich und viele seiner Leidensgenossen schlagen ein neues Modell vor: vier Regionalligen, vier Auf- und vier Absteiger. „Das wäre eine klares, einfaches System“, sagt Alemannias Präsident. „Das ist die präferierte Lösung vieler Traditionsvereine.“ Für die Zweitvertretungen von Bundesligisten will Fröhlich keine Sonderregelung. „Diesen Wettbewerb müssen wir annehmen.“ Aber bei den Erstligisten grassiert sowieso der Trend, die Nachwuchsmannschaften abzuschaffen, zu groß ist der Sprung in die Eliteliga.

Auch andere Modelle werden gerade debattiert. Der gemeinsame Nenner ist mindestens, dass sich die Zahl der Aufsteiger von jetzt drei auf vier erhöhen sollte. Als Vorschlag aus dem Süden, in dem Rainer Koch zu Hause ist, kommt noch ein anderer Vorschlag, der weiterhin eine fünfgliedrige Regionalliga vorsieht. Drei Ligen, in denen der Meister sofort aufsteigt, könnten per Losentscheid vorab festgelegt werden. Die verbliebenen zwei Meister spielen im direkten Vergleich das letzte Ticket aus. Die Vertreter der 3. Liga wehren sich kollektiv gegen vier Aufsteiger, auch sie wollen Planungssicherheit.

Den Handlungsbedarf sieht inzwischen auch der DFB. Bei einem außerordentlichen Bundestag am 8. Dezember geht es primär um den geplanten Neubau der Akademie. Aber auch die „Aufstiegsregelung zur 3. Liga“ steht auf der Tagesordnung. Nötig ist für eine Änderung eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Im Idealfall könnte die Reform der Regionalligen bereits ab der Saison 2018/2019 in Kraft treten.

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