Viel Leidenschaft: Alemannia gelingt der nächste Coup

Von: Christoph Pauli
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Alemannia jubelt, Essen ist entsetzt: Torschütze Philipp Gödde (Mitte) und Joy-Lance Mickels (links daneben) feiern an der Hafenstraße. Foto: Jérôme Gras

Essen. Vor dem Anpfiff stellten sich die Spieler vor ihrer Fankurve auf. Sie feuerten sich gegenseitig an. Das Ritual nimmt man sonst so beiläufig wahr wie den Sicherheitshinweis der Stewardess, aber es wirkte diesmal inniger, so als schwöre sich eine Schicksalsgemeinschaft noch einmal ein, die nächste Herausforderung gemeinsam zu bewältigen.

Am Freitagabend lief Alemannia Aachen zum ersten Mal wieder auf, seitdem die nächste Insolvenz bekannt ist. Essens Stadionsprecher begrüßte einen „Verein, mit dem man Mitleid haben kann“. Der Mann kennt sich aus, auch die Rot-Weißen haben eine Insolvenzvergangenheit. Am Ende des Abends jubelte nur eine Mannschaft. Alemannia gelang in finsteren Zeiten der nächste Coup: Die Mannschaft siegte an der Hafenstraße mit 2:1.

„Einfach ein Mega-Abend“, sagte Torhüter Mark Depta, und Mergim Fejzullahu erinnerte daran, „dass wir inzwischen dafür bekannt sind, Tore in der Schlussphase zu machen. Wir wollten den Sieg für uns und unsere Fans.“ Philipp Gödde schließlich sagte: „Wir haben uns in den letzten Tagen eine Jetzt-erst-recht-Mentalität zugelegt.“

Die Gäste hatten sich entschlossen, den alten Westschlager offensiv anzugehen. Aachens Spieler wählten den Jetzt-erst-recht-Modus. Sie übernahmen das Kommando, die Gastgeber setzten gezwungenermaßen auf ein paar Konter und ihre ausgeprägte Stärke nach ruhenden Bällen. Mergim Fejzullahu hatte sein bemerkenswerter Kurzauftritt beim letzten Liga-Spiel wieder in die Startformation gespült.

Er ersetzte den gesperrten Meik Kühnel. Es war die einzige personelle Änderung, die andere Änderung war ein anderes taktisches System. Fuat Kilic wollte mit einer Raute das torgefährliche Essener Mittelfeld an die Kette legen.

Nicht einmal drei Minuten waren gespielt, da hätte Alemannia schon in Führung liegen können. Joy-Lance Mickels schlängelte sich elegant um zwei Gegenspieler, um dann aus spitzen Winkel an Essens Keeper Niclas Heimann zu scheitern. Mickels begann den Abend durchaus abenteuerlustig.

Fußballerisch hinterließen die Aachener den besseren Eindruck, aber die letzte Präzision fehlte, zu selten wurden Gelegenheiten zum Abschluss genutzt.

Nahezu alle Essener Torschüsse im ersten Durchgang feuerte Benjamin Baier ab. Der Kapitän ist ligaweit durchaus gefürchtet für seine Wucht. Der erste Versuch landete noch im verwaisten Oberrang. Beim nächsten Anlauf demonstrierte Mark Depta sein Können.

Der 19-Jährige wehrte den kernigen Schuss aus 14 Metern mit einer feinen Parade ab. Gespielt waren da schon 36 Minuten, viele Gelegenheiten bekamen die Fans bis zum Seitenwechsel nicht zu sehen. RWE hatte in der Woche das Niederrhein-Pokalfinale durch einen Sieg gegen den Wuppertaler SV erreicht, aber beflügelt hatte das Ergebnis das Team nicht wirklich erkennbar.

Nach dem Wechsel stifteten die Hausherren ein bisschen Verwirrung bei einigen Eckbällen, Aachen überstand die Konfusion. Und ging in Führung: Fejzullahu scheiterte noch an Essens Keeper, den Abpraller staubte Gödde fröhlich ab zum 0:1 (52.).

Essen reagierte umgehend. Depta verhinderte den schnellen Ausgleich noch gekonnt gegen Roussel Ngankam, der frei vor ihm auftauchte (53.). Gegen die Schusskunst von Benjamin Baier war aber auch er machtlos: Der Mittelfeldregisseur schlenzte den Ball aus 20 Metern hoch ins Tor zum Ausgleich (55.).

Das Publikum wurde wach, Essen nahm Witterung auf. Der schnelle Ngankam entwickelte sich kurzfristig zu einem Problemfall für die Aachener Defensive. Der Stürmer legte zurück für den Kollegen Marcel Platzek. Jannik Löhden verhinderte resolut den Rückstand (64.).

Für einige Minuten verloren die Aachener die Ruhe am Ball und gerieten in Gefahr. Die Mannschaft funktioniert aber weiterhin als Gruppe, sie bekam ihre Sicherheit schnell wieder zurück.

Mickels hielt mit einem Solo dagegen, sein Schuss aus 17 Metern prallte an den Fäusten von Torwart Heimann ab (71.). Die Schlussphase wurde eingeläutet, und die Aachener hatten wie schon beim letzten Spiel noch eine letzte Pointe auf Lager. Mickels wurde im Strafraum von Philipp Zeiger klar gefoult. Die Elfmeter verwandelte Jerome Propheter.

Der Verein hat große Probleme, aber die Mannschaft lebt.

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