Verblüffung bei Stadt und DFB über Kraemer

Von: Christoph Pauli
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Frithjof Kraemer erschien am Mittwoch freiwillig vor Gericht. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Das Verfahren wird nun schriftlich fortgesetzt. Bis zum 19. März können die Beteiligten ihre Schriftstücke beim Vorsitzenden der Kammer für Handelssachen, Frank Meier, einreichen, am Mittwoch, 16. April, will der Richter am Landgericht dann sein Urteil verkünden. Dort geht der ehemalige Geschäftsführer Frithjof Kraemer gegen seine fristlose Kündigung aus dem Herbst 2012 bei Alemannia Aachen vor.

Am Mittwoch startete die Beweisaufnahme mit ersten Zeugen. Im Verfahren schwingt auch die Frage mit, wann der Verein dann tatsächlich insolvent war und ob Kraemer es versäumt hat, die Zahlungsunfähigkeit anzuzeigen. Ein Gutachter, beauftragt vom Insolvenzverwalter, sah diese bereits im Januar 2012 gegeben. Tatsächlich angezeigt wurde sie erst am Ende des Jahres, Wochen nach Kraemers Rauswurf.

Als sich die Schlinge um die GmbH zuzog, wurde im Oktober 2012 ein Wirtschaftsprüfer hinzugeholt, der seit Jahren am Tivoli unterwegs ist. Der Experte machte „akuten Handlungsbedarf“ aus, weil die Gesellschaft Verbindlichkeiten nicht bedienen konnte. Aber keinesfalls will er eine Insolvenz festgestellt haben. Und auch der kurz darauf hinzugezogene Fachanwalt Michael Mönig habe die Lage zunächst noch „entspannter dargestellt“, erinnert sich der Wirtschaftsprüfer. Mönig verschärfte erst sein Urteil, als er selbst bald darauf mit Experten die Zahlen gesichtet hatte.

Beim DFB hat Kraemer inzwischen ein zweijähriges Funktionsverbot erhalten. Der Verband hält ihm „zahlreiche, grob fahrlässige Unregelmäßigkeiten“ im Zulassungsverfahren zur 3. Liga der Spielzeit vor. Der Lizenzbeauftragte des DFB erinnerte sich am Mittwoch an ein informelles Gespräch mit Kraemer und dessen Assistenten vom 26. September 2012. Zu seiner Verblüffung erfuhr er, dass sich die finanziellen Dinge beim Absteiger im ersten Halbjahr 2012 überraschend positiv entwickelt hatten. Kraemer und sein ehemaliger Mitarbeiter betonten am Mittwoch, dass die Zahlen noch unter dem Vorbehalt des ausstehenden Halbjahresabschlusses standen.

Beim offiziellen DFB-Prüftermin Ende Oktober 2012 war die Zuversicht gewichen. „Extrem hohe Abweichungen“ machte der DFB-Betriebswirt aus, die Aufwendungen und der Personalbestand waren höher als geplant, und auch das Ergebnis aus dem ersten Halbjahr 2012 war nun deutlich schlechter. Der DFB errechnete eine Liquiditätslücke von vier Millionen Euro, fühlte sich getäuscht, zog Alemannia zwei Punkte ab und Kraemer aus dem Verkehr.

Den DFB getäuscht?

Eine Rolle spielt in dem Verfahren ein Darlehen, das die Ufa als ehemaliger Vermarkter Alemannia zur Verfügung stellte. Beim Stichtag der Lizenzerteilung dokumentierte Alemannia angeblich vier Millionen frei verfügbares Bargeld. Stunden später wurde die Summe wieder aufgeteilt, ohne dass die GmbH davon direkt profitierte. Zwei Millionen legte die Stadt auf ein Treuhandkonto an, um damit die Fan-Anleihen abzusichern. Die übrigen Millionen flossen zurück an den Vermarkter. Hat also ein großes Täuschungsmanöver stattgefunden, um dem drohenden Lizenzentzug zu entgehen? Die Frage steht immer noch im Raum.

Der ehemalige Geschäftsführer der städtischen Beteiligungsgesellschaft, die im Zuge der Umfinanzierung der Stadionkredite Mitte 2012 gegründet wurde, wurde im Herbst des Jahres hellhörig. „Wir erfuhren von Zahlungsstockungen.“ Selbst das städtische Darlehen konnte in diesem Quartal nicht bedient werden. Bei einem kurzfristig vereinbarten Treffen lag die Deckungslücke bereits über 2,5 Millionen Euro, erinnerte sich der Zeuge. Eine Erklärung für das anschwellende Defizit hatte der städtische Controler nicht. Das ließ sich mit den vorliegenden Informationen nicht vereinbaren. „Wir sind davon ausgegangen, dass die Umfinanzierung trägt.“ Auch die Stadt fühlte sich getäuscht, stellte Strafanzeige wegen Betrugs gegen Kraemer.

Alemannias Anwalt Johannes Delheid interpretiert das aktuelle Verfahren als unnötige Belastung für den Justizapparat. Kraemer versucht gerade parallel auf dem Klageweg seine Forderung in Höhe von etwa 250 000 Euro Euro (Lohn- und Prämienzahlungen) beim Insolvenzverwalter durchzusetzen. Selbst wenn Kraemer Recht erhalten würde, bekäme er aufgrund der geringen Gläubiger-Quote nur rund 2000 Euro. Dies sei eine unbedeutende Summe im Vergleich zu den über 20 Millionen Euro, die der Verein von seinem Ex-Geschäftsführer fordert, findet Delheid und sieht keinen ökonomischen Sinn in dem Verfahren, das vor Ostern enden soll.

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