Van Eck: „Das Team hat sich endlich einmal belohnt“

Von: Christoph Pauli
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Robert Leipertz
In der Nachspielzeit schaffte Robert Leipertz den 2:1-Sieg gegen Arminia Bielefeld. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Die letzten Bilder von diesem tristen Fußballjahr in Aachen: Hüpfende Fans auf den Tribünen, ein Trainer, der seine Freude in den Winterhimmel brüllt, und Spieler, die Gänsehaut beim Abpfiff bekommen. So bewegend endete Alemannias letztes Heimspiel 2012 gegen Arminia Bielefeld.

Und das Drehbuch sah eine letzte Pointe vor: In der Nachspielzeit schaffte Robert Leipertz den 2:1-Sieg gegen das Spitzenteam aus Westfalen. „Das war eine unglaubliche Atmosphäre wie Fans und Spieler in diese extremen Situation zusammenstehen“, urteilte selbst Thomas Hübner, und der ist immerhin Kapitän der frustrierten Verlierer.

Vermutlich ist es eine müßige Debatte, ob der erste Heimsieg seit dem Hochsommer (gegen Burghausen) verdient war oder nicht. Die größere Leidenschaft gab am Ende den Ausschlag. „Ich freue mich unglaublich für diese Mannschaft und für alle, die an diesem Verein hängen“, jubelte auch Trainer René van Eck nach seinem ersten Erfolg am Tivoli. „Das Team hat sich endlich einmal belohnt.“ Der erste Sonnenstrahl nach monatelanger Finsternis.

Der Trainer hatte in der Tat seinen bisherigen Abwehrorganisator Seyi Olajengbesi, der zuletzt mit einem Wackelkontakt unterwegs war, auf die Bank gesetzt. Für ihn rückte Kai Schwertfeger in die Innenverteidigung. Van Eck wollte mehr Passsicherheit in der Spieleröffnung erreichen, der Plan ging auf.

Der Schweigeprotest der Fans wurde auch auf die 3. Liga ausgedehnt. Bielefeld hatte die erste Möglichkeiten in dieser Ruhe. Sebastian Hille wurde das erste Opfer des Holperrasens. Er verzog in Richtung Mannschaftsbus (3.). Pascal Testroet traf am Elfmeterpunkt nur den Ball, aber nicht das Tor (7.), ehe Torjäger Fabian Klos an prominenter Position im Strafraum nur ein kanaldeckelrgoßes Luftloch schlug (8.). Das Spitzenteam aus Bielefeld hatte sich durchaus eindrucksvoll am Tivoli angemeldet.
Dann schufteten sich die Hausherren zurück in die Partie. 

7:1-Ecken war eine ansehnliche Ausbeute bis zur Pause. Thiele hätte nach einem Rückpass des erneut sehr starken Armand Drevina die Führung erzielen können (20.), heraus kam nur ein kümmerliches Schüsschen. Die beste Gelegenheit der Aachener hatte Leipertz, als er eine scharfe Flanke von Fabian Baumgärtel reaktionsschnell aufs Bielefelder Gehäuse lenkte, aber in Keeper Patrick Platins seinen Meister fand (42.).

Auch Aachens Keeper bekam noch vor dem Wechsel Gelegenheit, seine Kunst vorzuführen. Michael Melka parierte zwei Mal prächtig gegen den freistehenden Sebastian Hille (36./38.). Der Außenspieler holte das Versäumte nach, er traf nach einer Stunde zum 0:1. Der Treffer war umstritten, heftig reklamierte ganz Aachen auf abseits. Die verlangsamten Bilder bestätigten Schiedsrichter Marcel Unger in seinem Urteil. Aachens starker Rechtsverteidiger Robert Wilschrey war ausgerutscht, bekam das Abseits nicht mehr aufgehoben (60.). Aachen tobte, und Albert Streit schnappte sich den Ball „mit ganz viel Wut“. Der Kapitän dribbelte sich durch, steckte weiter zu Leipertz, und der Angreifer schaffte schnell wieder den Ausgleich (62.). Endlich einmal verlief so ein Heimspiel nicht nach dem gleichen Muster. 

„Wir sind Fußballer, auf dem Platz können wir die ganze Situation ausblenden“, berichtete der Torjäger später.  Sein zweiter großer Moment kam, als das Spiel schon in den letzten Zügen lag. Energisch schnappte sich Fabian Baumgärtel den Ball, kurvte nach vorne, und Leipertz vollendete auch diese Vorlage zum ersten Erfolg seit Wochen (90.).

Der Klub erlebt doch noch sportlich gute Phasen. „Als Fußballer drücke ich die Daumen, dass der Verein diese katastrophale Situation übersteht“, hinterließ Bielefeld Trainer Stefan Krämer. Selbst der Verlierer hatte im Laufe des Nachmittags Sympathien für eine Mannschaft entwickelt, die sich mit unglaublichem Elan gegen den Abstieg stemmt.

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