Urlaubsgrüße nach Mallorca: Alemannia in der Einzelkritik

Von: Benjamin Jansen, Christian Ebener und Christopher Gerards
Letzte Aktualisierung:
Alemannia Saisonfazit Collage
Hallo, wir sind jetzt Vize-Meister: Kevin Behrens, Michael Lejan und Dominik Ernst (v.l.). Fotos: Martin Ratajczak, sport/team 2

Aachen. Wie Alemannia Aachens fußballspielende Angestellte ihre Saison beenden, weiß die Welt seit Montag, sie weiß es dank Frederic Löhe. Frederic Löhe ist der Torhüter von Alemannia Aachen, er ist zudem ein Mensch, der seine Erlebnisse gern per Facebook mit der Welt teilt. Am Montagmorgen, um präzise 8.31 Uhr, teilte Frederic Löhe mit der Welt: das Bild einer großen Bierdose und eines schon/nur noch halb gefüllten Bechers.

„Guten Morgen!“, meldete der Mallorca-Reisende Frederic Löhe, „wir ( dodo , Basty , Dennis , Kevin ,Lüne ( der heute Geburtstag hat ), stiene , Fabi , wirtzi , Hoffi ,Viktor und ich) halten euch ein wenig auf dem Laufenden !!:)“ Es ist nicht ganz klar geworden, was das Laufende sein wird, und natürlich verbietet es sich, über den Grund dieser Unklarheit zu spekulieren. Man spricht viel besser über das bereits Gelaufene: zum Beispiel über die nicht wenig erfolgreiche Saison. Eine Einzelkritik zum Urlaub – mit dodo, Basty, wirtzi und all den anderen.

Fünfstern-Superior-Klasse:


Marcus Hoffmann: Ist froh gewesen, als „dieser Sch...-April“ vorbei war. Hat im Sch...-April nicht nur drei Mal verloren, sondern auch für einen Innenverteidiger namens Marcus Hoffmann unfassbar viele Gegentore nicht verhindern können: drei. Hat sich in den anderen Monaten sehr erfolgreich geweigert, Gegentore zuzulassen: Ohne den Sch...-April waren es 17 in 29 Spielen. Trägt trotz staatlich zertifizierten Daseins als sog. Kopfballungeheuer bedauerlicherweise noch immer nicht den Spitznamen „Hubschrauber“ (vgl. Hashemian, Vahid). Wird ihn in Aachen womöglich auch nicht mehr erhalten: Hoffmanns Vertrag endet im Sommer.

Dominik Ernst: Flankt alles in den Sechzehner, was ihm vor die Füße fällt. Der Rechtsverteidiger würde vermutlich auch einen Medizinball punktgenau auf den Elfmeterpunkt befördern. Hat sich das Prädikat „Flankengott“ somit redlich erflankt. Da er auch die Defensivarbeit mit großer Seriosität absolviert, hat er sich auf den Wunschzettel einiger Drittligatrainer gespielt. Wünsche werden aber bekanntlich erst am Jahresende erfüllt, und so gab’s nur für Aachens neuen Trainer Christian Benbennek die vorzeitige Bescherung: Ernst wird auch in den nächsten zwei Jahren Flanken schlagen, bis der Aufstieg kommt.

Fünfstern-Klasse:


Frederic Löhe: Versuchte sich zuletzt nicht nur im Bällefangen, sondern auch als Kommentator im Radio (nach verordneter Auszeit durch Chef Peter Schubert) und Analytiker auf Facebook. Seine Haupttätigkeit verrichtete der 1,93-Meter-Schlaks mit großer Zuverlässigkeit und sorgte im Zusammenspiel mit seinen Vorderleuten nicht nur für die Bestmarke der Liga (nur 20 Treffer kassiert), sondern auch für einen Vereinsrekord (wenigste Anzahl an Gegentreffen überhaupt). Seine Fähigkeiten abseits des Platzes sind ausbaufähig, aber dafür hat er dank Vertragsverlängerung ja noch zwei Jahre Zeit.

Peter Hackenberg: Sorgte zusammen mit Marcus Hoffmann dafür, dass die Innenverteidigung der Aachener meistens sicherer stand als die Bank von England. In 31 Einsätzen erlebte der Ersatz-Kapitän nur 19 Gegentreffer. Mit seinen 1,96 Meter Körpergröße gab es in Luftduellen für seine Gegner fast nichts zu holen. So könnte es auch in den nächsten zwei Jahren sein: Seinen Vertrag hat Hackenberg bis 2017 verlängert.

Aimen Demai: Wird vermutlich kein Anhänger mehr jürgenkloppistischer Großtheorien. Rennt nicht immer schneller als seine Gegenspieler, spielt auch nicht immer beschleunigende Pässe. Spielt aber oft ankommende Pässe, steht zudem oft sehr richtig. Schießt auch schon mal wichtige Tore gegen die Mönchengladbachzweis dieser Welt. Nimmt sich allerdings heraus, nicht jünger zu werden. Gerät aufgrund dieser Nachlässigkeit in ein Alter, in dem es schnell mal zwickt und zwackt: Im Dezember wird Demai 33 – nach Lage der Dinge aber als Fußballspieler von Alemannia Aachen.

Tim Jerat: Was hat der 33-jährige Mittelfeldspieler, der vor Saison aus Bielefeld kam, eigentlich noch nicht erlebt? Meisterschaften und Abstiege, die fünfte und zweite Liga, Kiel und Unterhaching – Tim Jerat war dabei. In dieser Saison war er mit 30 Einsätzen einer der Dauerbrenner bei den Schwarz-Gelben. Trotz seines soliden Fußballeralters würde er „die Alemannia gerne auf dem Weg in eine höhere Liga begleiten“. Seine Stärke als Schütze von Ecken und Freistößen hat ihm dabei schon oft geholfen. In der kommenden Saison ist er mit seiner Erfahrung weiter dabei – mit Option auf ein weiteres Jahr.

Fabian Graudenz: Hat die Lizenz zum Toreschießen. Der Angreifer ist – nach quantitativen Gesichtspunkten – der treffsicherste Akteur am Tivoli (14 Saisontreffer). Hätte aber auch gut und gerne doppelt so viele Tore auf seinem Konto haben können, wenn er nicht so häufig am Aluminium oder an seinen Nerven gescheitert wäre. Bringt eigentlich alle Qualifikationen mit, die ein guter Stürmer braucht. Ob er diese Qualifikationen weiterhin in Aachen einbringt, ist noch fraglich. Vielleicht funktionieren die Überredungskünste der Führungsetage ja auch bei Aachens Teilzeit-Knipser.

Kevin Behrens: Heißt mit Vornamen Kevin. Heißt nicht Hanno, obschon der 11Freunde-Liveticker das die Republik beim Spiel gegen Rot-Weiss Essen hat glauben lassen. Heißt laut Kevin Behrens auch lieber Kevin. Dürfte als solcher mittlerweile allgemein bekannt sein: Mit acht Treffern war er zwar nicht unwirklich torgefährlich, dafür unwirklich wuchtig und für viele Abwehrspieler unwirklich unangenehm (Anm. d. Red.: für mögliche Ausnahmen vgl. Hoffmann, Marcus/Hackenberg, Peter). Wird weiter als Kevin spielen. Würde das gern in einer höheren Liga tun.

Vierstern-Klasse:


Michael Lejan: Ist die Reinkarnation von Kampfschwein Willi Landgraf. Nur eben auf der anderen Seite. Rackert, wühlt, gräbt den Tivoli um und würde jeden Maulwurf stolz machen. Überschaubares Talent als Aufbauspieler und Hochleistungssprinter, dafür aber immer mit Herz und Leidenschaft unterwegs. In der kommenden Saison schlägt sein Herz für Ligakonkurrent Viktoria Köln.

Bastian Müller: Konkurriert im defensiven Mittelfeld mit Aimen Demai und Tim Jerat um die Plätze. Trotzdem brachte Müller es in seiner ersten Saison in Aachen auf 1.500 Einsatzminuten. Hat sich dabei das Prädikat „Abräumer“ redlich verdient. In Sachen Standards kann er sich aber noch etwas von Jerat abschauen – ein Freistoß von Müller beim Spiel in Lotte dürfte sich noch heute irgendwo in der Umlaufbahn befinden. Auch er ist noch mindestens ein Jahr bei der Alemannia.

Dennis Dowidat: Hat seinen Vertrag bis 2017 verlängert und kann laut Sportdirektor Alexander Klitzpera „super Verhandlungen“ führen. Kann auch super Fußball spielen; kann allerdings nicht super konstant super Fußball spielen. Spielt mal hier und mal dort, und hat von hier und von dort vier Tore geschossen und zwei vorbereitet. Ist defensiv nicht super, aber besser geworden. Sagt jedenfalls Alexander Klitzpera.

Viktor Maier: Kam im Winter und hatte ein paar Anlaufschwierigkeiten. Zusammen mit Stoßstürmer Kevin Behrens wurde der Ostwestfale jedoch von Spiel zu Spiel stärker. In den letzten drei Partien erzielte Maier vier Tore. Bei seinem Ex-Klub, dem SV Lippstadt, war er mit 31 Toren in einer Saison zum Aufstiegshelden geworden. Sicherlich hätte kein Alemannia-Fan etwas dagegen, wenn's für den 25-Jährigen und seinen neuen Verein ähnlich gut laufen würde.

Vierstern-Klasse, ohne Wellness-Bereich:


Rafael Garcia: Musste neulich über sich lesen, auszusehen wie Angel di Maria. Konnte selten aus erfreulicheren Anlässen zur vergleichenden Di-Maria-Forschung beitragen: 29 Mal hat Garcia gespielt, aber nur 14 Mal von Anfang an. Ist eigentlich ein Peter-Schubert-Spieler: schnell und zweikampflustig. Garcias Pech war die Vielzahl an hochqualifizierten Peter-Schubert-Spielern im eigenen Fachbereich (FB Torgefahr). Wird wechseln, wahrscheinlich nicht nach Manchester.

Taku Ito: wartet noch auf sein erstes Kopfballtor. Kein Wunder, 1,72 Meter sind kein Gardemaß für einen Angreifer. Zeigt sein Können aber ohnehin wesentlich lieber in 1:1-Situationen und hat als Einwechselspieler schon einige Hintermannschaften schwindelig gespielt. Das Experiment als agiler Stoßstürmer von Beginn an scheiterte dagegen kläglich. Physisch sollte der Japaner noch ein bisschen zulegen, Kevin „Hanno“ Behrens könnte auf diesem Gebiet mit Sicherheit Hilfestellungen leisten.

Tim Lünenbach: Das Aachener Eigengewächs hat keinen leichten Stand. In der Rückrunde gab es nur 110 Einsatzminuten für den 22-Jährigen. Während der Rest des Teams sich in den letzten zwei Jahren stetig verbessern konnte, scheint Lünenbach nicht ganz Schritt halten zu können - bislang. Bereits im vergangenen Sommer sagte er im Interview, dass er „ohnehin eher der Typ [ist], der kämpft und sich nicht hängen lässt.“

Dreistern-Superior:


Domagoj Duspara, Sahin Dagistan, Kris Thackray: Tragen alle Vor- und/oder Nachnamen, die Stadionsprecher nicht mögen können. Durften zumindest in der Hinrunde Robert Moonen immer wieder mal ärgern. Haben Robert Moonen im neuen Jahr in Frieden gelassen: Spielten zusammengenommen präzise 34 Minuten.

Tobias Mohr, Sebastian Wirtz, Marvin Brauweiler: Sind jünger als Aimen Demai. Sind auch jünger als Tim Jerat; sind 19, 22 und 23. Den demographischen Wandel werden Brauweiler und Wirtz aber künftig bei anderen Vereinen aufhalten; nur Mohr spielt nächste Saison für Alemannia Aachen.

Maciej Zieba, Roberto Guirino: Kamen zur Rückrunde nach Aachen und machten vor allem damit auf sich aufmerksam, dass sie zur Rückrunde nach Aachen kamen.

Florian Abel, Niko Opper: Waren nicht die diensthabenden Glückspilze der Saison. Ein Kreuzbandriss kostete Opper dieselbe, Abel spielte vor allem für die Reserve. Werden den Verein verlassen.

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