Ungewöhnlicher Typ: Neu-Alemanne Timmy Thiele

Von: Klaus Schmidt
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Muss auch sein in der Vorberei
Muss auch sein in der Vorbereitung: Timmy Thiele am Medizinball. Foto: Andreas Steindl

Bitburg. Dieser Junge fällt jedem auf, das lässt sich schon mal sagen. Nach jedem Tor pflegt Timmy Thiele das gleiche Prozedere: erst bekreuzigt er sich, „um Gott zu danken für das Glück, das ich in diesem Moment hatte”.

Dann fährt er mit den Innenflächen seiner Hände über das Gesicht, „so wische ich mir das Pech vom Körper”. Schließlich bestreicht er die Fußballschuhe „mit neuem Glück”. Thiele ist der vielleicht ungewöhnlichste Zugang bei Alemannia Aachen, nicht nur weil er bekennt: „Ich glaube an Gott und weiß, dass alles im Leben einen Sinn macht.”

Bis zum Testspiel gegen Regionalligist Eintracht Trier (19 Uhr, Gondenbrett bei Prüm) am Mittwoch hat Timmy Thiele schon neun Mal dem Herrn gedankt, Thiele ist der treffsicherste in Aachens Vorbereitung und kommt auf die längsten Einsatzzeiten. Es scheint irgendwie zu diesem Typ zu passen, dass sein Wechsel an den Tivoli auf eine ungewöhnliche Art zustande kam. „Im Prinzip habe ich mich angeboten. Und Albert Streit war der Verbindungsmann.” Den hatte Thiele in der U 23 von Schalke 04 kennengelernt, Streit musste dort auf Geheiß von Felix Magath spielen. Thiele nutzte den Kontakt zum Alemannia-Profi, Manager Uwe Scherr lud zum Probetraining ein - und der Stürmer erspielte sich einen Vertrag. „Im Vordergrund steht natürlich der Erfolg der Mannschaft. Aber ich versuche, mich hier durchzusetzen und mir einen Namen zu machen.”

Timmy Thiele, knappe 21, wurde in Berlin geboren, begann in Britz auf der Straße mit dem Fußballspielen. Der Vater war Torwart bei Tennis Borussia, den Sohn zog es in den Angriff. Fünf Jahre verbrachte er bei Hertha BSC, seine beste Saison hatte Thiele nach der Rückkehr zu TeBe: 34 Tore zum Bundesliga-Aufstieg der A-Junioren. Werder Bremen holte den 1,88 Meter großen Stürmer ins Internat, Thomas Wolter beförderte ihn in die 2. Mannschaft und so in die 3. Liga. Vor einem Jahr wechselte Thiele nach Schalke - und erlebte eine böse Überraschung: „Da haben sie einen Mittelfußbruch erkannt, der in Bremen nicht diagnostiziert worden war.” In der Winterpause, in der Halle, brach der Fuß zum zweiten Mal; Operation, insgesamt neuneinhalb Monate fiel Thiele aus und kam so nur auf acht Regionalliga-Einsätze. Diese Saison erklärt, warum der Jung-Profi seine Tore so begeht, wie er sie begeht: „Da realisiert man erst, wie wichtig die Gesundheit ist.”

Es wäre kein Paukenschlag mehr, wenn Timmy Thiele beim Saisonstart in Bielefeld (20. Juli) zur Startelf gehört. Er wurde zwar zum Mittelstürmer ausgebildet, kann in der Offensive aber sämtliche Positionen spielen, auch als „Zehner”. Thiele nutzt beide Füße zu Torschüssen, er legt auch für die Nebenleute auf. „Geschwindigkeit und Torgefährlichkeit” nennt Thiele als seine Stärken, die auch Cheftrainer Ralf Aussem bislang überzeugt haben. Noch steht Thieles Premieren-Treffer im Profifußball aus, lange dauern soll es nicht. „Ich möchte für gute Leistungen belohnt werden”, sagt der „Vollblut-Stürmer” - sprich: spielen. „Und bei schlechten Leistungen auch die Konsequenzen tragen.”

Auf seinen rechten Arm hat Timmy Thiele die Namen von Oma, Schwester, Mutter und Vater tätowieren lassen. „Die Menschen, die mir am wichtigsten sind. Aber Papa” - bei ihm ist er aufgewachsen - „spielt für mich eine ganz besondere Rolle im Leben.”

Florian Müller hat verlängert

Die Tinte ist trocken: Florian Müller, wegen zweier Kreuzbandrisse seit zwei Jahren außer Gefecht, hat einen neuen Vertrag für eine Saison unterschrieben.
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