Krefeld - Uerdingens Rico Weiler gesteht seine Unsportlichkeit ein

Uerdingens Rico Weiler gesteht seine Unsportlichkeit ein

Von: Klaus Schmidt
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Nicht schwer zu erkennen: Rico Weiler faustet den Ball ins Tor. Der Treffer wird erst nach minutenlangen Disputen annulliert. Foto: Ole Sammla

Krefeld. Hans-Jürgen Weber hatte es in seiner Karriere bis zum Fifa-Schiedsrichter gebracht. Inzwischen kümmert er sich um den Nachwuchs, sitzt als Beobachter in den Stadien, und wenn der Weg nach dem Spiel schnurstracks in die Kabine des Unparteiischen führt, dann ist das kein gutes Zeichen – wie am Samstag für Thomas Altgeld.

Es fielen Worte wie „großes Lob“ (Frederic Löhe), „Hut ab“ (Tim Jerat) und „Respekt“ (Peter Schubert), sie galten auch nicht der Leistung von Alemannia Aachen. Nach dem 1:1 beim KFC Uerdingen prasselten die Hymnen auf einen Spieler des Gegners nieder, der in der Nachspielzeit den vermeintlichen Siegtreffer für die Gastgeber erzielt hatte.

Und nach wilden Aachener Protesten samt Rudelbildung im größten Stil gegenüber dem Schiedsrichter zugab: „Das war Handspiel.“ Rico Weiler mochte den kapitalen Irrtum von Altgeld (Bochum), der auch noch von dessen Assistent Jens Jeromin bestätigt worden war, nicht aufrechterhalten. „Sonst steht nachher in der Zeitung: Uerdingen hat durch Betrug gewonnen.“

„Nicht clever genug“

Die Schwarz-Gelben schraubten zwar den Vereinsrekord auf 18 Spiele ohne Niederlage, Grund zur Zufriedenheit gab es aber nicht. „Wir waren heute nicht clever genug“, monierte Chefcoach Schubert. „Wenn man 1:0 führt, muss man nicht binnen zwei Minuten das 2:0 machen. Wir haben zwei Punkte liegenlassen.“

Vor 3644 Zuschauern in der Grotenburg-Kampfbahn, darunter 2000 Alemannia-Fans, erspielten sich die Gäste trotz hoher Ballbesitzquote auf der Holperwiese in der ersten Halbzeit praktisch keine Chancen. Die auf drei Positionen umgebaute Elf (Müller für den gesperrten Demai, Behrens für Ito und erstmals nach drei Einwechslungen Zieba für Graudenz) bekam zudem ordentlich was auf die Socken.

Lejan spürte schnell und schmerzhaft einen Uerdinger Fuß am Sprunggelenk, Aydin trat Hoffmann in die Hacken, Alexiou setzte zum Kopfstoß gegen Dowidat an, der völlig überdrehte Ex-Aachener Drevina ging auf Müller drauf, checkte Ernst und sah erst in der zweiten Halbzeit nach einer Attacke auf Lejan die Gelbe Karte. Schubert war „froh, dass sich keiner ernsthaft verletzt hat“.

Thomas Altgeld hatte das Prinzip der „langen Leine“ ausgerufen, als Entschuldigung für den eigenen Auftritt führte das aber kein Alemanne an. Der Chefcoach: „Ich habe immer wieder gesagt: Jedes Spiel ist schwer.“ Erst nach der Pause erhöhten die Gäste die Schlagzahl mit einer Ecken-Serie und einer prächtigen Gelegenheit durch Dowidat, dessen Flachschuss knapp am Pfosten vorbeiging (57.). Jerat zielte auch nicht weit am Torwinkel vorbei, dann holte Hirsch Dowidat von den Beinen.

Jerat verwandelte den Elfmeter (64.) souverän, sah aber wenig später seine fünfte Gelbe Karte und ist Samstag beim VfL Bochum II gesperrt.„Wir wollten vielleicht danach das zweite Tor zu sehr erzwingen statt die Null zu halten“, sagte der Torschütze später. „Dabei hatten wir die drei Punkte fast schon im Bus. Ärgerlich.“

Löhe streut Asche auf sein Haupt

Nachdem auch Hirsch für ein rüdes Foul an Maier nur verwarnt worden war, gab Ellguth (83.) mit einem Kopfball eine erste Uerdinger Warnung ab. Zwei Minuten später hatte Alemannia den Sieg verspielt: Weiler hämmerte einen Freistoß aus 30 Metern zentral unter die Latte. „Der darf da nicht einschlagen, das ist mein Ding“, streute Freddy Löhe Asche auf sein Haupt.

Und dann hatte Weiler seinen zweiten großen Auftritt, er ließ sich zunächst auch feiern für das 2:1, bewies aber noch Größe mit seinem Geständnis und musste KFC-Präsident „Lakis“ Kourkoudialos („Wir wollen die erste Mannschaft im Jahr 2015 sein, die die Alemannia besiegt“) enttäuschen. Auch Trainer Murat Salar sprach Klartext: „Alle – außer dem Schiedsrichter – haben gesehen, dass das Hand war.“

Uerdingen bleibt ein schwieriges Pflaster für Aachen: Seit dem ersten Duell dort (2:1 in der Saison 1971/72) gab es keinen Sieg mehr.

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