Timo Staffeldt: „Niemand erwartet doch etwas von uns“

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Kapitän Timo Staffeldt spricht im Interview über die Chancen und seine „Senioren-Rolle“ im Team. Foto: imago/dünhölter

Aachen. Ab Samstag, 14 Uhr läuft die Wertung, Alemannia eröffnet die Saison bei den Sportfreunden Siegen. Für den Traditionsverein ist die Spielzeit eine Reise ins Ungewisse. Die Mittel sind reduziert, der sportliche Erfolg soll aber ausgebaut werden.

Zumindest die Vorbereitunsphase macht allerdings Hoffnung, dass da eine sehr ambitionierte Mannschaft am Tivoli zusammengestellt wurde. Vor dem Anpfiff hat sich unser Redakteur Christoph Pauli mit Alemannias Kapitän Timo Staffeldt getroffen.

Wie viele der 51 EM-Spiele haben Sie gesehen in diesem Sommer?

Staffeldt: Ich habe sie nicht gezählt, aber wenn kein Training war, habe ich mir schon etliche angesehen.

Sie brauchten keine fußballlose Zeit um abzuschalten nach der turbulenten Saison?

Staffeldt: Erst einmal fährt man zwei Wochen runter nach der Saison, dann setzt aber bald schon wieder die Lust ein. Selbst im Urlaub am Pool haben wir gespielt. Da war es vorteilhaft, dass ich mit vielen Ex-Mitspielern von Viktoria Köln und auch mit Jannik Löhden unterwegs war.

Hakt man die letzte Spielzeit schnell ab, oder war es auch aus Spielersicht ein bisschen zu viel an Aufregung?

Staffeldt: Es ist wirklich viel passiert, ich war froh, als die Saison vorbei war und ich die Reset-Taste drücken konnte. Zwei Wochen lang habe ich mich dann auch bewusst für nichts interessiert.

Verspüren Sie eine Sehnsucht einer langweilig normalen Saison ohne Trainerwechsel, Schlägereien, Suspendierungen und vielen Schlagzeilen oder gehört das zur Folklore bei einem Traditionsverein?

Staffeldt: Im Fußballalltag passiert eine Menge, aber die Häufung in der letzten Spielzeit war ungewöhnlich. Für einige Dinge konnten wir nichts, aber ein Teil der Misere haben wir Spieler zu verantworten. Wir sollten uns jetzt mal auf die sportlichen Dinge konzentrieren, die wir beeinflussen können.

Die knifflige Aufgabe besteht nun darin, mit weniger Etat sportlich erfolgreicher zu sein.

Staffeldt: Nach der starken Vorbereitung wachsen die Erwartungen, trotzdem werden wir kein Ziel definieren. Erst einmal sollten wir in Siegen siegen, und dann von Spiel zu Spiel denken – auch wenn das langweilig klingt.

Die Profis sind die wichtigsten Werbebotschafter des Vereins, die mit Erfolgen den Dauerkartenverkauf ankurbeln. Ist das eine zusätzliche Verpflichtung?

Staffeldt: Es ist ein positiver Druck, weil wir die Dinge beeinflussen können. Wir können das Stadion füllen und für Begeisterung auch bei Auswärtsspielen sorgen. Wir haben uns in der Vorbereitung etwas aufgebaut. Das wollen wir jetzt im Alltag abrufen.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Trainer Fuat Kilic entwickelt?

Staffeldt: Er macht einen sehr guten Job. Die Trainingsinhalte sind gut, er verpackt auch die intensiven Läufe in gute Spielformen, er hat ein Händchen für Teambuilding.

Haben Sie ein Gefühl für die Stärke der Mannschaft?

Staffeldt: Unsere Leistung beim Turnier am Sonntag hat mir imponiert. Wenn wir wirklich als Einheit auftreten, kann man sogar gegen erstklassige Gegner bestehen. Wenn wir es allerdings nur ein bisschen schleifen lassen wie gegen Homburg, lassen wir gleich viele Chancen zu.

Kann man etwas sagen zu dem Fußball, den die Mannschaft zeigen will?

Staffeldt: Die Basis wird die gute defensive Ordnung sein, wir lassen wenig zu, waren clever in den Zweikämpfen. Und dann wollen wir gut kontern, dafür haben wir richtig pfeilschnelle Außenspieler dazubekommen. Wir müssen dann die Chancen eben auch nutzen.

In den letzten drei Spielen hat Alemannia kein Tor geschossen, wird das die größte Herausforderung?

Staffeldt: Das ist ein Prozess. Bestes Beispiel ist Philipp Gödde, der sich große Chancen erarbeitet und nicht nutzt. Dann darf nicht der Kopf runter gehen. Das muss er lernen. Abhaken und weiter.

Sind ein paar Jungens dazu gekommen, die durchaus die Qualität für höhere Aufgaben haben?

Staffeldt: Jein, es sind ein paar Spieler hier, die die Qualität haben, sie müssen aber etwas dafür tun. Sie müssen wissen, dass Alemannia ein besonderer Verein ist. Wir sind jetzt in der Grauzone in der 4. Liga. Da wollen wir alle raus. Es ist doch so, dass die Fans das extrem honorieren, wenn wir Erfolg haben. Das Gesamtpaket im Kader fühlt sich gut an. Es sind Charaktere dazugekommen, die hierher passen. Das ist unser Credo in dieser Saison. Wir müssen als Einheit funktionieren. Wir haben einen kleineren Etat, müssen über das Team kommen.

Alle Spieler betonen die „spezielle Situation“ bei Alemannia. Wie kann man sie beschreiben?

Staffeldt: Niemand erwartet doch etwas von uns. Wir waren die Bösen im letzten Jahr, die alles vermasselt und für schlechte Stimmung gesorgt haben. Jetzt wurde der Etat noch weiter gekürzt, im Prinzip läuft gerade alles gegen uns. Das Gute daran ist, dass es nicht schlechter werden kann. Wir haben als Mannschaft das Ziel, das wir es allen beweisen wollen. Dass wir besser sind als unser Ruf. Das müssen wir auch dann zeigen, wenn es Gegenwind gibt.

Sie sind der Senior der Veranstaltung. Hat sich Ihre Rolle verändert?

Staffeldt: Zunächst einmal: Ich bin nur auf dem Papier der einzige Spieler über 30 Jahre, ich fühle mich aber sehr sehr jung. Aber natürlich schauen die jüngeren Profis schon mal hoch, weil ich doch schon ein bisschen herumgekommen bin. Die Erfahrung auf oder neben dem Feld kann man nicht kaufen. Es wird wie im letzten Jahr sein: Wenn etwas nicht gut läuft, wird es intern besprochen.

Hat man Vorteile als älterer Mann im Kader? Bekommt man einen Parkplatz in der ersten Reihe, kann man Einheiten auslassen?

Staffeldt: (grinst) Mein Ehrgeiz ist groß, deswegen habe ich auch in den Ferien gearbeitet und mache auch einiges zusätzlich im Kraftraum. Ich gebe allerdings zu, dass in den letzten Jahren immer mehr weh tut wie Sprunggelenke, Achillessehne, Rücken. Im Alter kommen ein paar Wehwehchen, dann muss man mehr machen. Das werden die Jungs noch früh genug spüren.

Mögliche Aufstellung: Nagel - Ernst, Propheter, Löhden, Winter - Staffeldt, Mohammad - Rüter, Dowidat, Mohr - Gödde Schiedsrichter: Florian Exner (Bielefeld) Bilanz: 16 Spiele/7 Siege/5 Remis/4 Niederlagen/26:16 Tore

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