Aachen - Timo Achenbach: „Ich weiß genau, es geht noch mehr”

Timo Achenbach: „Ich weiß genau, es geht noch mehr”

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Dynamik über den linken Flügel: Timo Achenbach (rechts), hier gegen Wehens Benjamin Siegert, hebt eine Problemzone der Alemannia auf. Foto: dpa

Aachen. Er ist der Dauer(b)renner der Saison: Timo Achenbach, der als einziger Feldspieler der 2. Liga in keiner Saisonminute fehlte. Unsere Redakteure Klaus Schmidt und Christoph Pauli trafen sich mit dem 26-jährigen Alemannen.

Platz vier mit der Mannschaft, keine Sekunde verpasst: Auf dem Papier steht Ihre erfolgreichste Profi-Saison. Fühlen Sie das auch so?

Achenbach: Jein. Ich bin jeweils mit dem zweiten Teil der Hin- und Rückserie zufrieden. Da habe ich teilweise gute Spiele gemacht. Aber ich hatte auch gewisse Schwankungen dieses Jahr. Deswegen würde ich sagen, dass es keine richtig gute Saison war. Ich weiß genau, es geht noch mehr.

Haben Sie eine Idee, wo diese Schwankungen herkommen?

Achenbach: Ich habe mit Jay (Anmerkung: der bisherige Co-Trainer Dr. Jörg Jakobs) gesprochen, weil hier der Fitnessstand etwas anders aufgebaut wird, dass man zum Ende der Saison mehr Kraft hat. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, aber das sind vielleicht Gründe. In Fürth letztes Jahr, bei Bruno Labbadia, da war ich gleich am ersten Spieltag topfit. Aber am Ende ging uns, wie das halt immer so ist in Fürth, die Puste aus.

Was ist nicht rund gelaufen, um den ganz großen Wurf zu landen?

Achenbach: Die Konstanz hat gefehlt. Die letzten neun Spiele haben wir gezeigt, was wir können. Damit können wir zufrieden sein. Aber zuvor waren viele Spiele dabei, in denen man nicht ans Limit gegangen ist und leider zu viele Punkte verschenkt hat.

Gibt es Erklärungen dafür? Das muss doch auch Ursachen haben.

Achenbach: Ich glaube, dass wir seit dem Mainz-Spiel schon ein bisschen unsere Taktik verändert hatten, dass wir ein bisschen defensiver gestanden haben, eher kompakt hinten, um daraus offensive Akzente zu setzen. Das hat uns ein bisschen besser ins Spiel gebracht.

Wie entwickelt sich so eine Idee? Kommt das aus der Mannschaft heraus, oder wird das von den Trainern vorgegeben?

Achenbach: Der Vorschlag kam schon aus der Mannschaft. Es gab gewisse Spieler, die gesagt haben: Komm´, wir machen das Ding jetzt mal so und ziehen es so durch.

Gehörten Sie auch zu dieser Gruppe, die gesagt hat: Wir müssen was anderes machen?

Achenbach: Es wurde ja immer geschrieben, dass wir keine Führungsspieler haben. Wir haben genügend Erfahrung in der Mannschaft, da waren schon Spieler dabei wie Matze Lehmann, Cristian Fiel, Benny Auer, Thorsten Stuckmann und ich, die gesagt haben: Wir wollen etwas ändern.

Das war aber auch ein Lieblings-Thema des Trainerstabs, dass es keine Führungsspieler gab, dass nach dem Ausfall von Reiner Plaßhenrich eine Lücke entstanden ist. Ein anderes Thema war, dass die Mannschaft nicht mit Druck umgehen kann. Ist dem so?

Achenbach: Ich kann da nur für mich sprechen. Ich habe mittlerweile auch fast 150 Zweitliga-Spiele. Den Druck hat man eigentlich nur am Ende der Saison, wenn es um den Aufstieg geht. Vorher muss man mit der Situation klar kommen. Wir haben genügend erfahrene Spieler, und ich kann mir nicht vorstellen, dass da einer nicht mit Druck umgehen kann.

Wenn Sie Manager wären und ein paar Eigenschaften dazu holen wollten: Was bräuchte die Mannschaft noch, um ein, zwei Plätze nach oben zu steigen?

Achenbach: Das wird ja auch immer geschrieben, dass kampf- oder laufstarke Spieler fehlen würden. Die Mannschaft hat Qualität, so wie sie dieses Jahr gespielt hat. Am Ende haben die Konstanz und das Glück gefehlt. Wenn man sich auf ein, zwei Positionen mit diesen Tugenden verstärkt, dann ist da schon was möglich.

Haben Sie das Zusammenspiel mit Lewis Holtby genossen?

Achenbach: Lewis ist ein supertalentierter Spieler. Ich habe es letztes Jahr direkt in den ersten sieben Tagen erlebt: ein sensationeller Fußballer, der seinen Weg machen wird.

Ist ein junger Spieler gut beraten, wenn er mit 18 Jahren, nach seiner ersten Profi-Saison, gleich in die Bundesliga wechselt?

Achenbach: Schwierig zu sagen. Mir wurde vor drei Jahren schon mal die Frage gestellt bezüglich Lukas Podolski. Damals habe ich mit ihm zusammen in Köln gespielt. Da habe ich auch gesagt: Wenn man die Chance hat, zu Bayern zu gehen, auch in solch jungen Jahren, dann würde ich das immer machen. Die Erfahrung nimmt dir dann keiner mehr. Letztlich muss es aber jeder selber entscheiden.

Wie viele Kilometer haben Sie am Saisonende auf dem Tacho?

Achenbach: Ab und zu bekommt man die Daten. In Freiburg lag ich, glaube ich, bei elfeinhalb. Das kann man jetzt hochrechnen auf 34 Spieltage.

Sie hätten aber nichts dagegen, wenn der Verein für ein Back-up auf Ihrer Position sorgt.

Achenbach: Ich hab´s in Fürth geschafft, zwei Jahre fast keinen Konkurrenten zu haben, immer meine Leistung zu bringen, und ich habe es größtenteils auch dieses Jahr wieder geschafft. Der Verein trifft die Entscheidung.

Was war der bitterste Moment der abgelaufenen Saison?

Achenbach: Das 0:1 in Wehen im DFB-Pokal. Das war nicht ganz angenehm, als man am Zaun vor den Fans teilweise angeschrieen und beschimpft wurde. Manchmal ist es dann auch so, dass man gestärkt daraus hervorgeht, so wie es auch nach dem 1:3 gegen St. Pauli gewesen ist. Am Tag danach war ich ja auch beim Fan-Abend.

Wo es hieß, Sie seien der schlechteste Linksverteidiger überhaupt.

Achenbach: Auch so was muss man sich anhören, aber das prallt an mir ab. Ich versuche dann, es den Leuten zu zeigen.

Dann hätten wir natürlich gerne noch Ihren schönsten Moment der Saison genannt.

Achenbach: Spontan fällt mir das Mainz-Spiel ein, das wir 4:1 gewonnen haben, wo es jeder jedem zeigen wollte, dass wir es besser können. Das Finale gegen Augsburg war ein emotionaler Moment mit der Verabschiedung von Stephan Straub, Matze Lehmann. An der Reaktion von Matze konnte man ganz klar erkennen, mit welcher Leidenschaft wir Spieler an diesem Verein hängen.

Eigentlich hat die Mannschaft ja über ihre Verhältnisse gespielt - wenn man die Etat-Tabelle heranzieht, auf die Sportdirektor Andreas Bornemann gerne verweist.

Achenbach: Mich interessiert nicht unbedingt, wie die Etat-Tabelle aussieht. Ich schaue mir schon die Qualitäten der Spieler an, und ich kann es mit Fürth vergleichen. Da muss ich sagen, dass die Qualität der Spieler hier besser ist.

Sind drei bessere Mannschaften vor Aachen gelandet?

Achenbach: Freiburg war dieses Jahr das Maß aller Dinge. Aus den Spielen gegen Mainz und Nürnberg heraus - sechs Punkte, vier Punkte - muss ich sagen: Für uns wäre mehr drin gewesen. Aber die haben am Ende die Konstanz gehabt und sind zurecht oben.

Nach Platz 4 wird man sich schwer tun, bei der Zielsetzung für die kommende Saison das Wort Aufstieg zu vermeiden.

Achenbach: Man kann ja einfach nicht drüber reden... Im Ernst: Ich hab keine Ahnung, wer kommen wird, wer noch geht. Deswegen sollten wir erst mal abwarten und dann in aller Ruhe, intern, die Ziele formulieren und uns Gedanken machen. Klar ist, dass Potenzial da ist, dass Qualität da ist. Ich denke, das sind ganz gute Voraussetzungen.
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