Tim Jerat: „Uns hat ein super Team-Spirit ausgezeichnet“

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Stratege in Alemannias Mittelfeld: Tim Jerat. Foto: sport/Dünhölter

Aachen. Metropole statt Meer: Tim Jerat nutzt den Urlaub für zweieinhalb Wochen in Boston – der Auslandsaufenthalt fehlt ihm noch kurz vor Abschluss seines Studiums (International Business). Im Interview mit unserem Redakteur Klaus Schmidt blickt der Mann mit der Nummer 6 zurück auf das Jahr des Regionalliga-Vizemeisters.

Vor dieser Saison kam der Fußballprofi vom Zweitligisten Arminia Bielefeld zum Viertligisten Alemannia Aachen, als „Stubenältester“ (33), Mittelfeldstratege und erster Elfmeterschütze leistete Jerat seinen Beitrag zur Entwicklung am Tivoli.

Wenn Sie der Saison eine Note geben sollten – welche wäre das?

Jerat: Am ehesten eine 1 minus. Für das ganz Große, für den Meister, hätte ich eine 1 gegeben, für den Aufstieg eine 1 plus. Alles andere war natürlich trotzdem sehr gut mit einigen Highlights wie dem Rekordspiel gegen Rot-Weiß Essen oder auch dem Heimsieg gegen Gladbach.

Als Sie vor knapp einem Jahr nach Aachen gekommen sind, hatten Sie ja bestimmte Vorstellungen. Inwieweit haben die sich erfüllt?

Jerat: Für mich war es schwer einzuschätzen, wie sich das entwickeln würde. Aber so positiv, wie es sich letztendlich dargestellt hat, damit habe ich nicht gerechnet. Vor allem als Mannschaft gesehen, insgesamt. Dass lange Zeit ein Kampf um Platz eins drin war. Da sind einige Dinge zusammengekommen. Ich glaube, auch wenn es immer noch ein bisschen weh tut ab und zu, wenn man daran denkt, dass man die ganz große Chance verpasst hat, kann man trotzdem stolz auf die Saison sein.

Und das Fazit zu Ihrer persönlichen Entwicklung?

Jerat: Die habe ich eigentlich so erwartet, wie sie gekommen ist. Ich bin keiner, der in jedem Spiel herausragen muss, sondern eher ein mannschaftsdienlicher Spieler. Ich habe mir schon zugetraut, die Mannschaft ein Stück weit besser zu machen, gerade in schwierigen Situationen oder in schwierigeren Spielen, und auch neben dem Platz Verantwortung zu übernehmen. Das ist mir über weite Strecken gut gelungen.

Was hat diese Mannschaft ausgezeichnet?

Jerat: Es war ähnlich wie in meiner Aufstiegssaison in Bielefeld. Wir hatten auch ein paar ältere Spieler, die sich ziemlich einig waren, in welche Richtung das gehen soll. Dann auch jüngere oder Spieler mittleren Alters, die gewillt waren, den Weg mitzugehen. Uns hat ein super Team-Spirit ausgezeichnet. Es war ein sehr guter Zusammenhalt. Das war wichtig für uns, weil ich glaube, dass wir individuell gesehen nicht die allerhöchste Qualität hatten für die Liga. Aber so was kann man ja auch mit einem funktionierenden Mannschaftsgefüge und einer funktionierenden Einheit auf dem Platz wettmachen. Das ist uns gut geglückt.

Der ganz große Wurf wurde im Monat April verpasst...

Jerat: Das höre ich immer wieder. Im April haben wir auch gegen Gladbach gewonnen, und das vollkommen souverän. Die Fans haben uns mehrfach darauf angesprochen, dass dieses Spiel eigentlich das beste war über die ganze Saison gesehen. Man kann also nicht sagen, dass der ganze Monat scheiße war. Und auch die anderen Spiele im April waren nicht so, dass sie schlecht gewesen wären. Die Ergebnisse haben zum Teil gefehlt, es war auch viel Pech dabei, vielleicht fehlte ein Stück weit der letzte Punch in der Offensive.

Wobei das schon in der Hinrunde zu beobachten war – ein Aufwand, der mehr Ertrag hätte bringen müssen.

Jerat: Das ist vielleicht etwas zu hart, aber ich gebe Ihnen vollkommen recht, dass wir zu viele Chancen gebraucht haben für unsere Tore und immer sehr viel aufwenden mussten. Das ist der Grund, warum es für ganz oben nicht gereicht hat. Die Spiele, die wir verloren haben, waren alles 0:1-Niederlagen. Auch da haben wir defensiv nicht so schlecht gearbeitet, dass wir zwangsläufig hätten verlieren müssen. Chancen waren auch in den Spielen immer da. Ich glaube, wir hatten bei jeder unserer Niederlagen mehr Chancen als der Gegner, auch mehr vom Spiel. Da gilt es anzusetzen.

Sie haben noch ein Jahr Vertrag und gedenken auch, den zu erfüllen?

Jerat: Ich bin in einem Alter, in dem man sich Gedanken machen muss über das, was nach dem Fußball kommt, und werde das auch offen und ehrlich mit den verantwortlichen Personen für die nächste Saison besprechen.

Der Wohlfühlfaktor ist weiterhin entscheidend?

Jerat: Auf jeden Fall.

Der war unter Peter Schubert ausnahmslos gegeben?

Jerat: Zu 100 Prozent.

Haben Sie eine Meinung zum neuen Trainer Christian Benbennek?

Jerat: Ich habe ihn in einem kurzen Telefonat nach seiner Vorstellung kennengelernt. Er hat ein bisschen was erzählt, wie er arbeitet. Das war sehr sympathisch und zuvorkommend, dass er mich angerufen hat, das wäre nicht nötig gewesen.

Überwiegt am Ende die Zufriedenheit, etwas erreicht zu haben, was nicht unbedingt zu erwarten war? Oder das Wissen, dass mehr möglich gewesen wäre?

Jerat: Es ist ein bisschen was von beidem. Irgendwann hatten wir ja das klare Ziel und wirklich dran geglaubt, dass das möglich ist aufzusteigen oder zumindest Erster zu werden. Für mich war es lange Zeit ein ernüchterndes Gefühl, es nicht geschafft zu haben. Aber wenn man sich in Ruhe hinsetzt und das Ganze analysiert, dann können wir schon stolz auf unsere Leistung sein. Was wir mit den Fans, dem Trainerteam, dem gesamten Verein erreicht haben, das war so nicht zu erwarten. Wir haben konstant an unserem Limit gespielt.

Ist die beste Mannschaft Meister geworden?

Jerat: Das denke ich schon. Über eine Saison gibt es keinen unverdienten Meister in einer so starken, ausgeglichenen Liga.

Und im nächsten Jahr verabreden wir uns mit dem Spieler einer Meistermannschaft?

Jerat: Das wäre sehr schön. Das würde ich so direkt unterschreiben.

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