Telefonische Beförderung um Mitternacht

Von: Christoph Pauli
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Alemannia Aachen / Michael Krüger
Hat am Dienstag sein erstes Training bei der Alemannia geleitet: Michael Krüger (Mitte). Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Nach Mitternacht bekam er den entscheidenden Anruf. Michael Krüger wurde telefonisch zu Alemannias Trainer bis Mitte 2011 befördert. „Danach bin ich nicht mehr gut in den Schlaf gekommen”, sagt der 55-Jährige. Aber er aktivierte nicht den Room-Service mit einer Champagner-Bestellung.

Vielmehr beschäftigte sich der Coach mit dem Pokalgegner Eintracht Frankfurt. Zur Sicherheit hatte er das Team am Sonntag schon einmal beobachtet am Bildschirm. Da war Krüger noch einer von drei Kandidaten für die vakante Stelle am Tivoli.

Seit Dienstag ist er nur noch Ex-Kandidat und stattdessen Trainer. Er sei schon ein bisschen stolz auf die Wahl, sagt er. Er wirkt authentisch, und seine Gelassenheit habe auch die Jury in der Nacht zuvor überzeugt: „Er hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen”, sagt am Dienstag ein Aufsichtsrat.

Die Mannschaft und die Journalisten lernten einen wohltemperierten, angenehmen Krüger kennen. „Ich bin ein verträglicher Mensch”, sagt er selbst von sich. Gleichwohl hat er sich zu Braunschweiger Zeiten den Spitznamen „Felix für Arme” sorgsam in der Mannschaft erarbeitet. Ähnlich wie der „Felix für Reiche” (Magath) legt auch Krüger größeren Wert darauf, dass seine Vorgaben eingehalten werden...

Der gelernte Sport- und Geographie-Lehrer ist schon herumgekommen in der Welt. Im Sudan wurde er im vergangenen Jahr mit Al-Merrikh Meister und Pokalsieger. Pokalsieger war Krüger auch mit El Masri in Ägypten, mit den Arab Contractors gewann er sogar den afrikanischen Pokal der Pokalsieger. Man kann sagen, dass dem 55-Jährigen ein paar große Erfolge in diesem Wettbewerb gelungen sind. Das ist wohl kein schlechtes Omen für seine Tätigkeit, die er mit einem Pokalspiel am Mittwoch aufnimmt.

Die Jahre haben einige Falten in sein Gesicht gemalt. An Erfolgen und Erfahrung mangelt es nicht, und doch wurde der 55-Jährige auch am Dienstag schon mit Vorurteilen begrüßt. „Die Arbeit deutscher Trainer im Ausland wird zu Unrecht häufig belächelt.”

Krüger hat nicht den ganz großen Namen in der Szene und doch einen exzellenten Ruf. „Ich muss mir nichts mehr beweisen”, sagt er nicht ohne Selbstbewusstsein.

Aachen sei seine größte Herausforderung im deutschen Fußball. „Und ich bin froh und auch ein wenig stolz, dass ich diese Gelegenheit bekomme.” Die Mannschaft und ihre zwei Gesichter hat er in den vergangenen Tagen kennengelernt, als er sich intensiver mit dem Klub beschäftigte. Krüger spricht von den Qualitäten des Teams, aber markige Ziele will er zum Auftakt nicht vorgeben. Nur so viel: „Wir wollen oben rankommen.” Das soll erst einmal genügen.

Seinen Co-Trainer hat Krüger im Sommer schon einmal vorgeschickt. Mit Willi Kronhardt verbindet ihn eine lange Freundschaft. Man könnte sagen, dass der Co-Trainer nun seinen Chef-Trainer nach Aachen geholt hat, aber die schöne Geschichte hat sich so nicht zugetragen. Kronhardt hat keinen Verdienst an der Personalie.

Krüger bekommt mit, dass er nicht flächendeckend mit offenen Armen empfangen wird. „Garantieren große Namen große Erfolge?”, fragt er. Er wird nicht zum ersten Mal mit solchen Vorbehalten konfrontiert. „Bei Traditionsvereinen ist das so”, sagt er. Trainer und Spieler seien dort austauschbar, es bleiben die vielen Fans. Aber er hätte nichts dagegen, einen nachhaltig guten Eindruck zu hinterlassen.
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